Bad Zurzach
«Und bitte!»: Sagenhafte Szenen bei den Dreharbeiten für «SRF bi de Lüt»

Diese Woche startete das SRF mit den Dreharbeiten zur Sendung «SRF bi de Lüt» – in den Gassen von Bad Zurzach hiess es: Film ab!

Samuel Knecht
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«Und bitte!» Mit diesen Worten des Produzenten beginnt der Filmdreh der mittelalterlichen Szene. Ein junger Strassenmusiker spielt auf seiner Geige in der Gasse. Etwas Maschinennebel verdüstert die Szenerie. Ein Händler läuft abschätzend vorbei. Der Geiger schrummt weiter melodisch auf seinem Streichinstrument, während eine Mutter und ihr Sohn vorbeikommen. Die beiden halten inne und hören dem Musikanten einen Augenblick zu. Der Knabe wirft einige Geldmünzen in den Hut, der vor den Füssen des Geigers am Boden positioniert liegt, und geht mit seiner Mutter weiter. Der Geiger spielt noch weiter, während im Hintergrund eine ältere Frau mit einem Korb voll Eier und ein Mann mit einem Ziehkarren vorbeigehen.

Der Ausschnitt stellte eine Szene aus der Sage des Lindegigers dar. Sie diente als Drehauftakt zu mehreren Beiträgen der Videoproduktionsfirma TPC für die Unterhaltungssendung «SRF bi de Lüt» – Live. Diese wird am 25. Mai direkt vom Vorplatz des Verenamünsters in Bad Zurzach ausgestrahlt. Das Produktionsteam habe noch elf Einspieler vor sich, sagt Produzent Heikko Böhm: «Davon sind zwei Sagen des Lindegigers. Für einen Beitrag rechnen wir zwei Arbeitstage. So ergeben sich für uns rund 24 Drehtage.»

Das SRF drehte in Bad Zurzach eine Szene aus der Sage "Lindegiger". Die mittelalterliche Szene spielte in der Rathausgasse.
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Die mittelalterliche Szene spielte in der Rathausgasse
Die Szenen sind Ende Mai Bestandteil der Fernsehsendung «SRF bi de Lüt»
Sagenhafte Szenen bei den Dreharbeiten für die Sendung SRF bi de Lüt
Live bei den Dreharbeiten: Eine Szene aus der Sage des Lindegigers
Die Gassen von Bad Zurzach dienten bei den Dreharbeiten als mittelalterliche Szenerie für die Sage

Das SRF drehte in Bad Zurzach eine Szene aus der Sage "Lindegiger". Die mittelalterliche Szene spielte in der Rathausgasse.

Samuel Knecht

Die Sendung «SRF bi de Lüt» – Live bringt Zuschauern eine Region in der Schweiz näher. Im Mittelpunkt stehen Tradition und Brauchtum, Musik, Gäste und Live-Aktionen. Das Format ist die grösste Open-Air-Unterhaltungssendung des Unternehmens, die vom Moderationsduo Nik Hartmann und Annina Campell moderierte wird. Dass Bad Zurzach als Ort des Geschehens auserkoren wurde, habe einen einfachen Grund, so Böhm: «Ein Kriterium ist immer die Frage nach dem Einsatz einer Gemeinde: Wie sehr will eine Gemeinde, wie stark setzt sich das Organisationsteam ein. Hier stimmte beides.» Im Dezember erhielt Bad Zurzach die Bestätigung, nachdem sich die Gemeinde im Herbst 2018 beim SRF beworben hatte.

Die Sage des Lindegigers findet Ende Mai ihren Platz in der Livesendung, auch durch Mitplanung der Gemeinde, erklärt Böhm: «Die Geschichte ist für die Bevölkerung der Region offenbar sehr präsent. Es gibt noch andere Sagen, die des Lindegigers schien uns aber am besten umsetzbar.» Die Sage des Lindegigers handelt von einem seit vielen Jahren verstorbenen Geiger, dessen Geist in der «Gigerlinde» bei Tegerfelden wohnte, Geige spielte und Schabernack trieb. «Eine Geschichte mit Drachen wäre bei der Inszenierung schwierig gewesen», erklärt Böhm. Ein Sagenelement gehöre überdies zu jeder Sendung der Reihe dazu, bei der Produktion wirken jeweils fünf bis zehn Statisten mit.

Für die Gemeinde Bad Zurzach ist der Live-Event von SRF ein Höhepunkt in diesem Jahr. Nachdem der «Donnschtig-Jass» im letzten Sommer bereits in Klingnau stattfand, geniest das Zurzibiet nun wieder mediale Aufmerksamkeit, freut sich Daniel Baumgartner, Gemeindeschreiber von Bad Zurzach, auch wenn sich dabei Einschränkungen im Dorf ergeben: «Insbesondere in der Sendewoche sind wir auf das Verständnis der Anwohner und des Gewerbes angewiesen.» Durch die Sendung wird das Ortszentrum teilweise für den Verkehr gesperrt, zudem fällt der Frühlingsmarkt dieses Jahr aus.

Vom Theater zum Fernsehen

Unter den sechs Statisten der Lindegiger-Szenen befinden sich auch zwei Mitglieder des Laientheaters Latz Zurzach. Einer davon ist Patric Much, der zum ersten Mal in einer Fernsehproduktion mitwirkt und den Händler spielt. «Das unterscheidet sich zur Bühne insofern, da man beim Fernsehen die Szene nochmals neu drehen kann», sagt Much und lacht. Auch in eine Rolle schlüpfen durfte Karin Fuchs. Die Frau des Zurzacher Gemeindeammanns Reto S. Fuchs spielte die Frau mit dem Eierkorb: «Ich durfte schon beim Kinofilm über Papa Moll mitspielen. Mit den Sagenszenen über den Lindegiger kann ich weiter Filmerfahrung sammeln.»

Neben der Rathausgasse, wo die Szene mit dem Lindegiger als Strassenmusiker spielte, ist auch die Rosengasse in Bad Zurzach ein weiterer Drehort eines Sageneinspielers. Am Donnerstag drehte die Crew in Schupfart. Weitere Drehtage bis zur Sendung folgen um Bad Zurzach sowie in Endingen.

Bad Zurzach in Bildern:

Aktuell zählt der Wellness- und Kurort Bad Zurzach fast 4400 Einwohner.
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Der Turm von Bad Zurzach neben dem Thermalbad ist ein bekanntes Markenzeichen.
Das Thermalbad wurde vor wenigen Jahren umfassend saniert. An guten Tagen strömen über 2000 Personen ins Bad.
Das neue Intensiv-Solebecken im Thermalbad Zurzach kommt besonders gut an.
Das Naturschwimmbecken im Thermalbad Zurzach bietet auch an heissen Tagen eine Abkühlung. zvg
Im Thermalbad gibt es auchein "Papa Moll"-Kinderbecken.
Papa Moll gehört mittlerweile zu Bad Zurzach. Ein Buch spielt sogar im Thermalbad Zurzach
Bad Zurzach hat einen historischen Ortskern. Hier im Bild der Zugang auf der Promenadenstrasse.
Alle Jahre wieder lockt Floh- und Antiquitätenmarkt jeweils am letzten August-Wochenende viele Besucher in den historischen Ortskern von Bad Zurzach, den die Einheimischen aufgrund der Markttradition "Flecken" nennen.
Der Sternenbrunnen.
Hier im Bild der "Ochsen".
Charmant: Das Rosengässli im historischen Zentrum.
Verkehrsfrei wird der Flecken auch, wenn die "Tavolata" durchgeführt wird.
Dieser gesellschaftliche Anlass lockt viele Leute ins historische Zentrum.
Solche Bilder gefallen nicht nur den Einheimischen: Bad Zurzach mit Turmhotel und Thermalbad vor mehreren Regenbogen.
Wer nach Bad Zurzach kommt, sollte sich (im Sommerhalbjahr) abends die Wassersinfonie im Kurpark anschauen.
Jedes Jahr findet ein Weihnachtsmarkt in Bad Zurzach statt – auch zu diesem Markt kommen viele Besucher.
Der Gasthof zur Waag: Im historischen Kern von Bad Zurzach stehen viele solche Altstadt-Liegenschaften.
Das Verenamünster im Frühling.
Verenamünster von hinten.
So sieht das Verenamünster innen aus.
So sieht das Verenamünster innen aus.
In der Krypta des Verenamünsters befindet sich das Grab der Heiligen Verena. Wegen diesem pilgerten im Mittelalter alljährlich Tausende nach Zurzach.
Blick auf das Verenamünster: Beim Gang durch den Flecken ergeben sich solche Ansichten.
Auch ein Blickfang: Das "Schloss" von Bad Zurzach. Der Industrielle und "Stickereibaron" Jakob Zuberbühler (1840-1904) erbaute es einst.
Das Schloss wurde um 1900 gebaut. Bis 2009 war es ein Museum. Seitdem steht es leer. Die Birchmeier-Grupper sowie Reto S. Fuchs und seine Frau wollen als Inhaber dem Schloss neues Leben einhauchen.
Das Schloss von Bad Zurzach mit einem pompösen Eingang. Es wird auch "Himmelrych" und "Villa Zuberbühler" genannt.
Aus dem Vogelperspektive: Zu Bad Zurzach gehören auch einige Landwirtschaftsflächen und der Rhein, der die Grenze zu Deutschland bildet.
Die Soletürme sind Zeugen der ehemaligen Salzgewinnung in Zurzach.
Die Soletürme sind denkmalgeschützt.
Auch die Tour de Suisse gastierte mehrfach in Bad Zurzach – hier 2005: Beim Thermalbad nahmen die Radprofis den Weg nach Altdorf in Angriff.
Der Bahnhof Zurzach.
Seit über 40 Jahren gehört ein kleiner Tierpark zu Bad Zurzach, der von einem gemeinnützigen Verein geführt wird.
Zu Bad Zurzach gehört auch das allsommerliche Open-Air-Kino im Kurpark.
Blick vom Nachbarort Rekingen auf die Rheinlandschaft bei Bad Zurzach.
Die Burgkapelle Kirchlibuck ("Chilebückli"): Zeuge, dass die Römer sich hier einst niederliessen. Tenedo hiess Bad Zurzach damals. Die Römer sicherten hier einen Rheinübergang.
In Bad Zurzach befinden sich diverse Hotels, hier vorne das Park-Hotel, hinten das Thermalbad mit der bekannten RehaClinic, die in der Schweiz mehrere Ambulatorien führt.
Das renommierte Park-Hotel in Bad Zurzach ist das Hotel mit den meisten Betten im Kanton Aargau.
Beliebt ist auch das Regibad Zurzach.
Die Barzmühle lässt sich bei einer Führung erkunden.
Zur Barzmühle gehört eine Getreidemühle mit Getreideanbaumuseum und Schmiede.
Das grosse Wasserrad der Mühle am Rhein.
«Fährmann hol über»: Hier fährt die Barzfähre der Pontoniere von Bad Zurzach ins deutsche Kadelburg.
Auch der "Bestatter" war schon in Bad Zurzach: Das Solvay-Industrieareal diente als Kulisse für die «Bestatter»-Aufnahmen. Im Bild: Mike Müller als Luc Conrad und Peter Lohmeyer als Josef Mankowsky, dem grossen Gegenspieler des Bestatters in der 6. Staffel.
Schlicht schön: Bad Zurzach im Winter.
Und das ist Zukunftsmusik: Diese Visualisierungen zeigen die Ostumfahrung, mit welcher der Durchfahrtsverkehr aus dem historischen Zentrum geleitet werden soll. Wer nach Bad Zurzach will, wird hier (Anfahrt vom Zurziberg und Tegerfelden) links abbiegen müssen.
Die Visualisierung zeigt den offen geführten Teil der Ostumfahrung im Süden des Fleckens. Es folgt ein Tunnel.
Das Bundesgericht hat der Ostumfahrung Bad Zurzach auf eine Beschwerde hin grünes Licht erteilt.
Bad Zurzach ist bekannt für sein Thermalbad, sein Wellness-Angebot und die Rehabilitationsmöglichkeiten.
In Bad Zurzach werden am Aschermittwoch zwei besondere Fasnachtsbräuche gelebt: Nachmittags verteilt der Ättirüedi Süsses, Orangen und mehr an die Kinder - oder besser: Er wirft es in die Luft, wenn die Kinder laut genug schreien.
Am Abend des Aschermittwochs findet die "Lätschete" statt: Nach der Rede des Fasnachtspfarrers...
... wird der kürzlich verstorbene Prinz Karneval auf einer Bahre zur Rheinbrücke getragen.
Dort wird der Prinz (eine Puppe) angezündet, seine Überreste werden dem Rhein übergeben.

Aktuell zählt der Wellness- und Kurort Bad Zurzach fast 4400 Einwohner.

ZVG/Bad Zurzach Tourismus

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