Rekingen
Troubadix: Wenn Kommerz zu einem Fremdkörper wird

An der 16. Ausgabe des Liedermacherfests präsentieren Aargauer Musiker ihre selbst komponierten Werke. Spielort, Bühne, Kulisse und Publikum: Alles ist mit viel Humor so aufgegleist, das jeder seine eigene Nische findet.

Calvin Stettler
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Die Sängerin Beesi eröffnete das diesjährige Troubadix
7 Bilder
Troubadix Rekingen
Mit ihrer Ukulele wusste sie zu überzeugen
''The Fürobig'' sorgte mit seiner Gitarre für ein wenig Rockstimmung
''The Fürobig'' bezeichnet sich selbst als nervöser Musiker
Duan bei seinem Auftritt
Die Vielfalt der Instrumente war erstaunlich

Die Sängerin Beesi eröffnete das diesjährige Troubadix

Calvin Stettler

Pfingstsonntag, kurz nach elf Uhr. Mit dem enttäuschenden, aber insgeheim einkalkulierten Abschneiden der helvetischen Delegation am Eurovision Song Contest zieht es uns an diesem Vormittag ins beschauliche Rekingen, um uns mit der regionalen Kunst des Komponierens vertraut zu machen. Und das auf dem Areal eines stillgelegten Kindergartens. Ein grosszügiges, in grün gekleidetes Grundstück umkreist den in die Jahre gekommenen Bau. Wild bewachsener Boden und meterhohe, schattenspendende Bäume. Mittendrin eine provisorisch eingerichtete Bühne. So präsentiert sich die alternative Kulisse der 16. Ausgabe des Aargauer Liedermacherfests Troubadix.

Ein Hund mit Wahlvollmacht

In Anlehnung an eine Figur des Comic-Klassikers «Asterix und Obelix» spielt die Veranstaltung bereits bei der Namensgebung mit der Selbstironie. Der Barde aus Gallien fällt in den gezeichneten Abenteuern nämlich meist durch seine disharmonischen Klänge auf, worauf es sich regelmässig angekettet an einen Baumstamm wiederfindet. Als wir ankommen, scheinen aber noch alle auf freiem Fusse zu sein.

Vielmehr wird uns sofort ein rosa Armband nahegelegt. Damit könne man nach dem ersten Durchgang seine Meinung einfliessen lassen. An diesem Sonntag duellieren sich gesamthaft 24 Sängerinnen und Sänger, aufgeteilt in vier Blöcke. Jeweils die beiden besten Songs, eruiert mittels Zuschauervotum, schaffen den Sprung in die Schlussrunde.

Schnell wird klar, dass hier mit viel Humor hantiert wird. Auch ein anwesender Hund kriegt ein Band um seine Pfote – und somit eine Wahlvollmacht. Wir navigieren Richtung Bühne, wo die erste Songschreiberin für die Ouvertüre bereit steht. Jeder Kandidat wird im Vorfeld mit einer lyrischen Einführung begrüsst. Wir lauschen gespannt – und mit uns ein Publikum, dessen Diversität so markant ist, wie diejenige der Liederthemen. Vom gesellschaftlichen Stellenwert des Kaffees bis hin zur kurzlebigen Sandburg.

Die regionale Musikszene lebt

Alle Lieder müssen im letzten Jahr entstanden sein, so diktieren es die Regeln. Zudem muss das Stück in einer der vier Landessprachen arrangiert werden. Im Vorjahr triumphierte Mirco Schifferle als Jüngster im Teilnehmerfeld. Der gebürtige Rekinger wurde zur treibenden Kraft in der Realisierung der diesjährigen Ausgabe und brachte die singende Zunft aus diesem Grund auf jenes Areal, wo er während seiner Kindergartenzeit der Ungezwungenheit freien Lauf liess. Heute ist es nicht anders. Während unseres Interviews startet «The Fürobig» ein Gitarrensolo, das Schifferle sichtlich elektrisiert. Er tanzt ausgelassen. Und schon neigt sich der erste Durchgang dem Ende zu. Ein Fachsimpeln rund um die Bewertungstafel setzt ein. Wir verhalten uns diskret. Fest steht aber, dass wir uns hier in einer Welt wähnen, wo kommerzielle Töne wie Fremdkörper behandelt werden. Individualität ist das überzeugende Credo. Die regionale Musikszene lebt.

Gewonnen hat das Troubadix 2015 Andreas Fröhlich mit "Nathalie", einem Lied über eine russische Prostituierte. Das nächste Troubadix findet im Frühling 2016 in Baden statt.

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