Tourismus
Trotz Grenznähe: Franken-Schock ist in Bad Zurzach doch nur ein Schöckli

Die Auswirkungen des Euro-Mindestkurs-Aus sind im regionalen Tourismus von Bad Zurzach bisher geringer als befürchtet ausgefallen. Peter Schläpfer von Bad Zurzach Tourismus ist selbst überrascht, sieht aber gleich mehrere Gründe dafür.

Nadja Rohner
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Die Bad Zurzacher Tourismus- und Gesundheitsintitutionen haben seit Anfang Jahr zwar nicht die Preise nach unten korrigiert, aber ihre Leistungen punktuell verbessert.

Die Bad Zurzacher Tourismus- und Gesundheitsintitutionen haben seit Anfang Jahr zwar nicht die Preise nach unten korrigiert, aber ihre Leistungen punktuell verbessert.

zvg

Ein halbes Jahr ist es her, seit die Schweizerische Nationalbank den Euro-Mindestkurs aufgehoben hat und der Franken plötzlich ungemein stärker wurde. «Dieser Entscheid ist für den Tourismus im Zurzibiet dramatisch», sagte Peter Schläpfer, Geschäftsführer der Bad Zurzach Tourismus AG, dazu in der az vom 17. Januar.

30 Prozent...


... der Beschäftigten in der Gemeinde Bad Zurzach sind in der Tourismus- oder Gesundheitsbranche tätig.

Die Bad Zurzacher Gesundheits- und Tourismusinstitutionen machen etwa 4,6 Prozent des ganzen Zurzibieter Bruttoinlandprodukts aus und sorgen für 6,2 Prozent der regionalen Beschäftigung.

Die Gesamtwirkung der Bäder- und Tourismusbranche belief sich 2012 auf rund 139,5 Millionen Franken.

Doch wie sieht es nach sechs Monaten ohne Mindestkurs aus? Laut den kürzlich veröffentlichten Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) ist die Zahl der Übernachtungen in Schweizer Hotels in der Wintersaison 14/15 stabil geblieben beziehungsweise um 0,1 Prozent auf 15,7 Millionen Übernachtungen gestiegen.

Auch Bad Zurzach scheint vorerst glimpflich davongekommen zu sein: «Die Logiernächte waren über diesen Winter ziemlich konstant oder im Rahmen der üblichen Schwankungen», sagt Peter Schläpfer heute.

Auch die Tagesgäste seien nicht markant weniger geworden. Er sei positiv überrascht, dass der «Franken-Schock», über den viele Branchen klagen, bisher keine deutlicheren Auswirkungen auf den Tourismus in Bad Zurzach zeige: «Obwohl wir aufgrund der Grenznähe dieser Wechselkursproblematik extrem ausgesetzt sind, hält sich der Schaden im Moment in Grenzen.»

Preissensible Geschäftsreisende

Schläpfer führt dies vor allem auf das breite Angebotsportfolio zurück – man decke in Bad Zurzach beispielsweise die Bereiche «gesund werden» und «gesund bleiben» sowie Geschäftsreisen, Tagungen und Seminare ab.

Was sonst eher eine Herausforderung sei, könne man in diesem Fall als Vorteil werten, so Schläpfer. «Bad Zurzach kann sich zudem glücklich schätzen, auf sehr viele Stammgäste – Privatgäste wie auch Geschäftsreisende – zählen zu dürfen, welche uns bisher die Treue halten.»

Allerdings könne man sowohl bei Privat- als auch bei Firmengästen derzeit eine eher verhaltene Nachfrage feststellen. «Weil Buchungen aber sowieso immer kurzfristiger getätigt werden, lässt das noch keine absoluten Folgerungen zu.»

Vor allem bei Geschäftsreisenden im Seminar- und Tagungsgeschäft sei «eine erhöhte Preissensibilität aufgrund des ungünstigen Wechselkurses feststellbar». Bei den Privatgästen würden die saisonalen Schwankungen zusätzlich durch Faktoren wie Wetter oder Bautätigkeit – derzeit wird das Thermalbad saniert und umgebaut – sehr stark beeinflusst.

Nicht weniger Ausländer

Im Januar hatte Schläpfer gesagt, man werde wohl als Reaktion auf den starken Franken Massnahmen ergreifen müssen. Heute berichtet der Tourismus-Chef, man habe vor allem den Leistungsbereich ausgebaut – so zum Beispiel mit gratis WLAN-Zugang für alle Gäste. Das merkt man aber höchstens indirekt im Portemonnaie: «Die Preise können wir kaum nach unten anpassen», sagt Schläpfer.

Die Grenz-Problematik hätte ja bereits vor dem Nationalbankentscheid bestanden, weshalb die Preise in Bad Zurzach schon länger «im Schweizer Vergleich absolut top sind». Will heissen: Hier badet sichs seit Jahren viel günstiger als anderswo in der Schweiz, aber dennoch teurer als in Süddeutschland. Von dort kommen etwa 20 Prozent der Gäste nach Bad Zurzach – auch jetzt noch, wo der Besuch für sie deutlich kostspieliger geworden ist.

Das ist erstaunlich: Gesamtschweizerisch ist die inländische Nachfrage nach Logiernächten in der Wintersaison (November bis April) um 1,9 Prozent angestiegen, die Nachfrage der ausländischen Gäste aber um 1,4 Prozent zurückgegangen.

«Wir konnten bisher keinen Rückgang bei den ausländischen Touristen feststellen», sagt Schläpfer. Allenfalls würden diese aber in der Gastronomie etwas weniger konsumieren.

«Gesamthaft sind wir mit dem ersten Semester 2015 zufrieden. Prognosen für das zweite Semester sind jedoch schwierig. Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich wirtschaftliche Turbulenzen oft erst mit einer Verzögerung von einigen Monaten bemerkbar machen.»

Bad Zurzach setze nach wie vor auf eine hohe Dienstleistungsqualität und ein grosses Angebot. Um die Gäste auch im Sommer anzuziehen, sei für die Monate Juli und August im Thermalbad eine spezielle Aktion vorgesehen: drei «exklusive hawaiianische Angebote» mit vergünstigten Tageseintritten und Massagen.