FC Klingnau
Trainer-Legende drückt die Daumen vom Spitalbett aus

Das 2.-Liga-Spitzenspiel zwischen dem FC Klingnau und Leader FC Gränichen findet für den Heimclub ohne Trainer Radi Schibli statt. Nach einer Herzoperation folgt schon bald der grosse Eingriff am Rücken. «Der Fussball fehlt mir», sagt er.

Andreas Fretz
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Radi Schibli dort, wo er am liebsten ist: Auf dem Fussballplatz

Radi Schibli dort, wo er am liebsten ist: Auf dem Fussballplatz

AZ-Archiv

Die Stimme am anderen Ende der Telefonleitung klingt munter. Munter, wie man sie seit Jahren kennt, aber in diesen Tagen nicht unbedingt erwarten würde.

Radi Schibli, Aargauer Trainerlegende und Kultfigur, liegt im Spitalbett der Hirslandenklinik in Zürich. «Der Fussball fehlt mir», sagt er und fügt kämpferisch an: «Sobald ich wieder laufen kann, will ich wieder am Spielfeldrand stehen.»

Der Trainer des 2.-Ligisten FC Klingnau hätte letzte Woche am Rücken operiert werden sollen. Ein Gestell aus Titan soll die Wirbelsäule versteifen.

Ursprünglich war die achtstündige Operation während der Winterpause geplant, doch als die Probleme immer grösser wurden, ging plötzlich alles schnell. Doch auf die Frage, wie der Eingriff verlaufen sei, folgt ein kurzes Zögern des Patienten. «Die Rückenoperation findet erst am Donnerstag statt. Letzte Woche erfolgte stattdessen ein kleiner Eingriff am Herzen.»

Schiblis Herz als Risikofaktor

Der Kardiologe stellte fest, dass die Rückenoperation in Bauchlage ein Risiko für Schiblis Herz darstellt. «Den kleinen Eingriff habe ich gut überstanden», sagt Schibli, «der Kardiologe gab nun grünes Licht für die Rückenoperation.»

Zwei Wochen muss Schibli danach das Spitalbett hüten. «Hier kümmern sich die besten Ärzte um mich», lobt der 69-jährige Pensionär das Personal der Zürcher Privatklinik. Bereits vor fünf Jahren wurde Schibli im Kantonsspital Aarau zweimal am Rücken operiert.

Der frühere Assistenztrainer von Ottmar Hitzfeld gibt sich zuversichtlich. Vier Wochen nach der Operation will er beim FC Klingnau wieder an der Seitenlinie stehen. Während die Vereinsmitglieder ihrem Trainer die Daumen drücken, drückt dieser seinen Spielern die Daumen und verfolgt die Partien aus der Ferne. In seiner Abwesenheit verlor die Mannschaft in der Liga gegen Gontenschwil (2:4) und siegte im Cup gegen den 4.-Ligisten Rohr (5:0).

«Er ist nicht ersetzbar»

Heute nun steht das 2.-Liga-Spitzenspiel gegen den FC Gränichen auf dem Programm (Sportplatz Grie, 20.15 Uhr). Ersetzt wird Schibli durch Samir Bajramovic. Der 37-jährige Klingnauer ist Schiblis Wunsch-Vertretung. Vier Jahre hat Bajramovic beim FC Koblenz unter Schibli gespielt und trainierte zuletzt Klingnaus D-Junioren. «Samir hat meine Philosophie verinnerlicht», sagt Schibli. Bajramovic wiederum ist voll des Lobes für seinen Mentor: «Ich habe als Fussballer viele Trainer erlebt, aber von keinem habe ich so viel lernen können wie von Radi Schibli. Er ist nicht ersetzbar.»

1985 wurde Schibli als Assistenztrainer Cupsieger mit dem FC Aarau. Seit 35 Jahren ist er im Geschäft. Meist im Aargau. Seit zehn Jahren trainiert er Klubs im Zurzibiet. Auch der FC Leibstadt und der FC Koblenz zählten zu seinen Stationen. Und überall feierte Schibli Erfolge. «Mittlerweile bin ich wohl mehr als zehnmal aufgestiegen», schätzt Schibli.

Tabellenspitze in Reichweite

Auch mit dem FC Klingnau führt der Trainerfuchs diese Tradition fort. In der Winterpause 2013/14 übernahm er das Zepter. 2015 folgte der Aufstieg in die 2. Liga. Nach sechs Runden liegt der Aufsteiger auf Rang vier. Mit einem Sieg gegen Gränichen ist heute sogar der Sprung an die Tabellenspitze möglich.

«Ich habe schon erwartet, dass wir in der neuen Liga mitreden können», zeigt sich Schibli wenig überrascht vom Erfolg. Sein Team beschreibt er als ehrgeizig. «Die Spieler wollen nach dem Aufstieg zeigen, dass sie in diese Liga gehören.» Dem Trainer ist vor allem wichtig, dass hinten die Null steht. Deshalb war die 2:4-Niederlage gegen Gontenschwil ein Stich ins Herz. Interims-Trainer Bajramovic vermutet: «Die Spieler waren wegen Radi Schiblis Spitalaufenthalt mit dem Kopf nicht richtig bei der Sache.» Gegen Gränichen verspricht er: «Wir wollen ein gutes Spiel zeigen, wollen zu Null spielen.»