Insolvenzantrag
Traditionslokal Waldshuter Hof ist zahlungsunfähig

Tom Kretschmar, Pächter des traditionsreichen Restaurants und Hotels Waldshuter Hof hat Insolvez angemeldet. Obwohl das Geschäft läuft, reichen Einnahmen nicht aus. Der Betrieb ist vorerst gesichert, für Gäste soll sich nichts ändern.

Dominik Dose
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Der Waldshuter Hof in der Waldshuter Kaiserstraße: Hier wird es trotz des Insolvenzantrag auch künftig Restaurant und Hotelbetrieb geben.

Der Waldshuter Hof in der Waldshuter Kaiserstraße: Hier wird es trotz des Insolvenzantrag auch künftig Restaurant und Hotelbetrieb geben.

Südkurier/Dominik Dose

Der traditionsreiche Waldshuter Hof in der Kaiserstraße ist zahlungsunfähig. Pächter Tom Kretschmar hat am 13. Dezember einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Waldshut-Tiengen gestellt. Er und seine Frau Jessica hatten das Restaurant und Hotel zum 1. Januar 2015 übernommen und traten damals die Nachfolge von Antonie und Siegfried Conzelmann an, die den Waldshuter Hof 34 Jahre lang führten. Kretschmar arbeitete als Koch im Waldshuter Hof, ehe er den Betrieb übernahm. Seine Frau Jessica Kretschmar ist studierte Tourismusmanagerin. Die neuen Pächter nennen verschiedene Gründe für die schlechte Finanzlage. Ein Überblick:

1. Was führte zur Insolvenz?

An ausbleibenden Einnahmen lag es jedenfalls nicht: "Der Laden läuft super gut, mittags sind wir derzeit jeden Tag ausreserviert und abends läuft es an vielen Tagen auch gut", erklärt Jessica Kretschmar. Dennoch reicht der Umsatz nur gerade so, um die laufenden Kosten zu decken: "Wir haben sehr hohe Personalkosten, die letztes Jahr durch gesetzliche Änderungen enorm gestiegen sind", sagt Jessica Kretschmar. Fast die Hälfte der Einnahmen hätten sie zeitweise aufgefressen, der Rest reichte nur knapp, um den restlichen Betrieb zu finanzieren. "Der starke Anstieg der Personalkosten kam zudem gerade dann, als wir frisch saniert hatten im letzten Jahr", erinnert sich die Pächterin. Die Ausgaben für die Sanierung konnten so kein bisschen refinanziert werden, obwohl die Pächter nach eigenen Angaben auch viel Privatgeld hineingesteckt haben.

2. Warum gerade jetzt der schwere Schritt in die Insolvenz?

"Wir wollen damit für unsere Mitarbeiter die nächsten drei Monate sichern und ihnen ein Gehalt garantieren", sagt Kretschmar. Denn noch stehe der Waldshuter Hof verhältnismäßig gut da, habe keine Steuerschulden und jeder Mitarbeiter habe bis jetzt sein Gehalt immer pünktlich bekommen. Für die kommenden Monate sahen die Kretschmars das aber gefährdet und gingen deswegen den Weg in die Insolvenz.

Gemeinsam durch die Insolvenz gehen Jessica und Tom Kretschmar

Gemeinsam durch die Insolvenz gehen Jessica und Tom Kretschmar

Südkurier

3. Was passiert mit den Mitarbeitern?

Die 23 derzeit beim Waldshuter Hof beschäftigten Arbeitnehmer erfuhren einen Tag nach dem Insolvenzantrag von der Situation. "Sie waren natürlich schockiert, aber jeder einzelne steht hinter uns, das ist uns ganz wichtig", so Kretschmar. Man habe den Schritt auch für sie gemacht, um ihre Einkünfte vorerst zu sichern: "Wir wollen niemanden auf die Straße setzen."

4. Was ändert sich für die Gäste?

Auf absehbare Zeit nach aktuellem Stand nichts. "Wir werden nichts an unserem Angebot ändern und garantieren, dass die Qualität dieselbe bleibt", betont Tom Kretschmar. Das gilt für den Restaurantbetrieb ebenso wie für das Hotel.

5. Wie geht es langfristig weiter?

Das ist noch völlig unklar. Das gilt auch für die Rolle der Kretschmars: "Wir wollen mehr Sicherheit, bis jetzt war alles viel zu wenig konstant", sagt Jessica Kretschmar. Ob das Paar weiterhin Pächter bleiben wird oder vielleicht wie zuvor zurück in ein Angestelltenverhältnis rücken wird, darüber "habe ich mir noch keine Gedanken gemacht", sagt Tom Kretschmar. Eines ist beiden wichtig: "Unser Herz hängt am Waldshuter Hof und an unseren Mitarbeitern."

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