Bad Zurzach
Teure Autofahrt durchs Zurzibiet: Deutscher muss 23000 Franken für drei Halbliter Bier bezahlen

Ein deutscher Autofahrer wurde gestern in Bad Zurzach zu einer unbedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 150 Franken verurteilt, weil er betrunken Auto fuhr.

Rosmarie Mehlin
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23000 Franken für drei Halbliter-Bier

23000 Franken für drei Halbliter-Bier

AZ

An einem Mittwoch im Oktober letzten Jahres fuhr Georg (Name geändert) kurz vor 16 Uhr von Deutschland kommend mit dem Auto bei Koblenz über die Grenze.

Er stach einem Grenzwächter buchstäblich in die Nase, worauf Georg zweimal in ein Röhrchen blasen musste.

Das Ergebnis, einmal 1,18 Promille und einmal 1,11 Promille, hatten einen Transfer ins Spital Leuggern durch die herbei gerufene Polizei zur Folge.

Nach der Blutabnahme meldete Georg Notdurft an, doch statt aufs Wasserklosett marschierte er an den Stausee.

Allerdings nicht, um sich zu erleichtern, sondern um seinen Durst mit einem Bier zu löschen und seine Lebensgefährtin für den Heimtransport aufzubieten.

Noch vor der Chauffeuse traf jedoch die Polizei ein, liess Georg – inzwischen war es 19 Uhr geworden – erneut blasen, wobei diesmal rund 0,8 Promille angezeigt wurden.

Weil im Spital das Röhrchen mit Georgs Blut spurlos verschwunden war, wurde er nicht nur angeklagt des Fahrens in angetrunkenem Zustand (FiaZ), sondern auch des Vereitelns einer Blutprobe:

Der Staatsanwalt war überzeugt, dass Georg das Röhrchen hatte mitlaufen lassen, was dieser gestern vor Einzelrichter Cyrill Kramer gänzlich in Abrede stellte.

Dass er an jenem Mittwoch nach 10 Uhr ein Cüpli Prosecco und am frühen Nachmittag drei Halbliter Bier getrunken hatte, gab er hingegen zu.

49-jährig ist Georg, von Beruf Ingenieur. Ein smarter Typ, schlank, gross, braun gebrannt, weisses Hemd, eleganter grauer Anzug mit passender Krawatte, feine Lederschuhe, ein Hauch von Gel im kurz geschnittenen Haar, am Handgelenk eine markante Uhr.

Der Deutsche lebt und arbeitet schon lange in der Schweiz. Hier war er bereits 2008 wegen Fahren in angetrunkenem Zustand (FiaZ) zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Deren bedingter Vollzug war 2009 widerrufen worden, nachdem Georg wegen Fahrens ohne Versicherungsschutz erneut vor Gericht gestanden hatte.

Für jenes Vergehen hatte er dann eine bedingte Geldstrafe von 10 800 Franken kassiert.

Für den FiaZ von Koblenz und die «Entführung» der Blutprobe aus dem Spital Leuggern forderte der Staatsanwalt eine unbedingte Geldstrafe von 90 Tagessätze à 150 Franken.

Die Verteidigerin forderte einen Freispruch vom Vorwurf der Vereitelung der Blutprobe: Unter der Anwesenheit von zwei Polizisten und einer Pflegefachfrau habe Georg das besagte Röhrchen unmöglich behändigen können und solches sei auch nicht bewiesen.

Was die Promille betreffe, so sei zu guter Letzt der Nachtrunk am Stausee zu seinen Gunsten zu berücksichtigen und von zwischen 0,55 und 0,8 Promille auszugehen, wofür 600 Franken Busse angemessen seien.

Richter Kramer sprach Georg aus Mangel an Beweisen frei von der Sache mit dem verschwundenen Röhrchen, verurteilte ihn wegen FiaZ zu einer unbedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 150 Franken und widerrief den bedingten Erlass der Geldstrafe von 2009.

Zusammen mit Gerichts-, Staats-, Kanzleigebühren kommen somit die an jenem Mittwochmittag konsumierten 1,5 Liter Bier den smarten Georg summa summarum auf rund 23 000 Franken zu stehen. Na denn – «Hopfen und Malz, Gott erhalts» . . .