Tegerfelden
Pfadi-Kinder haben die Ruine sauber geputzt – ihr Weg hinauf wird bald sicherer: Der Kanton hat den Fussweg genehmigt

Um die Ruine oberhalb von Tegerfelden vor dem Zerfall zu retten, hat der Gemeinderat die Pfadi Big Horn damit beauftragt, die Mauern von kleinen Pflanzen zu befreien. Bald soll zudem ein Fussweg zum früheren Schloss hinaufführen.

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Rund 20 Pfadi-Kinder rissen Pflanzen aus den Mauern der Ruine ob Tegerfelden.

Rund 20 Pfadi-Kinder rissen Pflanzen aus den Mauern der Ruine ob Tegerfelden.

zvg

Mit Pickel, Besen, Wischer, Leitern und Schubkarren ausgerüstet haben rund 20 Kinder und Jugendliche der Surbtaler Pfadi Big Horn die Ruine ob Tegerfelden von Efeu und anderen Pflanzen befreit und die Mauerresten sauber gebürstet.

Noch führte ihr Weg ein Stück entlang der kurvigen Hauptstrasse, deren Querung nicht ungefährlich ist. Nun hat der Kanton grünes Licht für einen Fussweg gegeben. Ein kleines Stück des Weges soll über Privatland laufen. Mit dem Landbesitzer laufen zurzeit die Verhandlungen.

Die Ruine in Tegerfelden.
13 Bilder
Der Weg führt entlang der Hauptstrasse.
Nach der Querung der viel befahrenen Strasse geht es auf der anderen Seite weiter.
Mit Pickel, Besen, Wischer, Leitern und Schubkarren ausgerüstet haben rund 20 Kinder und Jugendliche der Pfadi Big Horn die Ruine ob Tegerfelden von Pflanzen befreit und die Mauerreste sauber gebürstet.
Impressionen vom Putztag.
Sven Straumann erzählt von seiner Arbeit bei der Kantonsarchäologie.
Pfadi Big Horn reinigt die Ruine in Tegerfelden.
Pfadi Big Horn reinigt die Ruine in Tegerfelden.
Pfadi Big Horn reinigt die Ruine in Tegerfelden.
Pfadi Big Horn reinigt die Ruine in Tegerfelden.
Pfadi Big Horn reinigt die Ruine in Tegerfelden.
Pfadi Big Horn reinigt die Ruine in Tegerfelden.

Die Ruine in Tegerfelden.

zvg

Die Idee eines sicheren Fusswegs zur Ruine ist zwar nicht neu. Grossrätin und Gemeinderätin Isabelle Schmid (Grüne) gab dem Vorhaben aber neuen Schwung und nach zahlreichen Abklärungen und Gesprächen mit Landeigentümern, Jägern, Naturschützern und Waldbesitzern ein entsprechendes Gesuch beim Kanton eingereicht. Die Erstellungskosten von rund 20'000 Franken für den rund 800 Meter langen Weg übernimmt die Raiffeisenbank Surbtal.

Vom einstigen Schloss der ehemaligen Freien von Tegerfelden aus dem 11. Jahrhundert ist lediglich ein Stück des ehemaligen Bergfrieds, ein viereckiger fünf Meter hoher Turm und ein paar einzelne Mauern vorhanden, die vor dem endgültigen Zerfall geschützt werden sollen.

Kanton hat die Ruine renoviert

Ende 2019 führte der Kanton mehrere Reparaturen durch und legte anfangs 2020 ein Netz über den oberen Teil des Turmzahnes, um herabfallende Steine aufzufangen. Für den Erhalt der Ruine hat die Kantonsarchäologie eine Pflegevereinbarung mit der Gemeinde abgeschlossen, um zu verhindern, dass weitere Renovationen nach wenigen Jahren wieder notwendig werden.

«Für den Erhalt der Mauern ist es wichtig, dass der Bewuchs regelmässig entfernt wird», heisst es in einer Medienmitteilung. Wurzeln im Mauerwerk können während der kalten Jahreszeit aufgrund des Eis zu Sprengungen im Felswerk führen.

Das Forstamt Surbtal und der technische Dienst von Tegerfelden schnitten bereits die Bäume und Büsche zurück, da ein Schattenwurf den Mauern weiter zusetzt. Für die regelmässige Entfernung des Bewuchses beauftragte der Gemeinderat die Pfadi Big Horn im Surbtal.

«Die Organisationen Pfadi Big Horn und Jubla Surbtal sieht der Gemeinderat nebst JAST Regionale Jugendarbeitsstelle Surbtal-Würenlingen als wichtige Plattformen für die Jugendlichen im Surbtal.» Die Pfadi Big Horn, geleitet von Selina Osterwalder, habe sich über diesen nicht alltäglichen Auftrag gefreut. Die Pfadi sei beliebt unter den Jugendlichen, die mehrheitlich aus Freienwil, aber auch aus Endingen, Schneisingen, Lengnau und Tegerfelden kommen.

Der Weg zur Ruine ist gefährlich

Nach mehreren coronabedingten Verschiebungen machten sich die knapp 20 Wölfe, Pfader und Pfadiesli, Pios und Leiter am vergangenen Samstag vom Schulhaus in Tegerfelden auf den Weg zur Ruine. Noch birgt der Zugang ohne direkten Fussweg eine gewisse Gefahr.

So ist die schmale stark befahrene, 1770 erbaute Surbbrücke für Fussgänger nur unter einem höheren Risiko begehbar. Die alte Steigstrasse, eine Waldstrasse, vorbei an einem alten Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg wird weiter oben gefährlich, wenn man sich als Fussgänger gezwungen sieht, ein Stück entlang der kurvigen Schnellstrasse bzw. neben den weissen Leitpfosten auf Wiesland zu laufen und die dort sehr unübersichtliche Kantonsstrasse zu überqueren.

Andreas Suter vom technischen Dienst der Gemeinde ergriff zusammen mit dem ehrenamtlichen tätigen Bürger Arnold Christen alle möglichen Massnahmen für eine sichere Überquerung der Strassen für die Pfadi-Kinder.

Kinder finden Knochen

«Herr Archäologe, hier ist was weggebröckelt», «Herr Archäologe, was muss ich hier tun?»: So tönte es schon bald aus allen Ecken. Mit «Archäologe» war Sven Straumann von der Kantonsarchäologie gemeint. Die Pfadi-Kinder kratzten, bürsteten und hackten in mehreren Gruppen an verschiedenen Orten nach seinen Anweisungen mit Eifer und mit einer grossen Genauigkeit den Bewuchs von den Mauern. Schon nach wenigen Stunden waren sie frei von Efeu und Pflanzen sowie sauber gebürstet.

«Herr Archäologe, was ist das?», wollten zwei jüngere Kinder wissen und hielten Sven Straumann etwas hin, das sie gefunden hatten. «Es könnte ein Beckenknochen eines grösseren Rindes sein», antwortete er und versprach, den Knochen im kantonalen Labor untersuchen zu lassen. Erst als er die Adresse der Finder aufgenommen und versichert hatte, den Knochen danach wieder zurückzuschicken, konnte das wertvolle Objekt der Kantonsarchäologie übergeben werden.

Was unter dem Erdboden liegt, verrät Isabelle Schmid

Um die Mittagszeit gab es kleinen Wolkenbruch, dank der Zelten der Kantonsarchäologie wurde aber niemand nass. Während die Würste auf dem Grill brutzelten, erzählte Sven Straumann von seiner Arbeit bei der Archäologie. Arnold Christen aus Tegerfelden, der seit über 40 Jahren alles sammelt, was mit Tegerfelden zu tun hat, berichtete aus früheren Zeiten von der Burg und von Tegerfelden.

Viele historische Belege und Dokumente zeigen auf, dass die früheren Bewohner der Burg sehr vermögend und mächtig waren und viele Ländereien und Besitztümer hatten. Das inzwischen ausgestorbene Geschlecht «von Tegerfelden» wurde mal mit «ä» mal mit «D» geschrieben.

Isabelle Schmid erzählte eine kurze Sagengeschichte der Schlüsseljungfrau. Sie wisse im Gegensatz zu ihren Vorrednern, was unter dem Erdboden liege. Nämlich die Gewölbe der Schlüsseljungfrau. Dort würden auch die Babies gehalten und gefüttert, bis die Hebamme von Tegerfelden sie jeweils abhole, wenn eine Familie sich ein Kind wünscht.

Am Nachmittag kümmerten sich ein paar Jugendliche um die kleinen Robinien-Schösslinge und gruben sie so gut es ging aus. Andere hackten das Grünzeug aus, dass entlang den Mauern wuchs. Am späteren Nachmittag marschierten die Kinder nach getaner Arbeit wieder zur Schule, wo sie von den Eltern abgeholt wurden.

Zurück blieben die sich vom Schrecken erholenden Eidechsen, die frisch geputzten Mauern und das abgehackte Grünzeug für die spätere Entsorgung. Ein fröhlicher, spannender und anstrengender Tag findet sein Ende.

Und die Schlüsseljungfrau? Sie wird mit ihrem weissen Nachthemd, ihren langen goldenen Haaren, leise klirrenden goldigen Schlüssel über den Platz schweben und wer weiss mit einem weissen Hirsch noch ein paar Runden um die Burg drehen.

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