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Taxi-Knatsch im Grenzgebiet: Deutsche Anbieter fahren zum Schleuderpreis

Einheimische Taxi-Unternehmen im Bezirk Zurzach beklagen Umsatzeinbussen wegen ausländischen Mitstreitern. Fahrten von deutschen Anbietern sind bis zu dreimal günstiger. Sind sie auch legal?

Daniel Weissenbrunner
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Warten auf Kundschaft (hier am Bahnhof in Bad Zurzach): Mit den Billig-Tarifen können die Schweizer Taxi-Unternehmen gegen die deutsche Konkurrenz nicht mithalten. Alex Spichale

Warten auf Kundschaft (hier am Bahnhof in Bad Zurzach): Mit den Billig-Tarifen können die Schweizer Taxi-Unternehmen gegen die deutsche Konkurrenz nicht mithalten. Alex Spichale

Alex Spichale

Auf der Website eines deutschen Taxi-Anbieters gleich ennet der Grenze steht es grau auf weiss: Waldshut–Flughafen Zürich: 62 Euro. Für eine Strecke, je nach Routenwahl, zwischen 35 und 45 Kilometern. René Roth schüttelt über diesen Preis nur den Kopf. Mit solchen Angeboten kann der Geschäftsführer von Aargovia Taxi mit Sitz in Kirchdorf nicht annähernd mithalten. Eine Fahrt von Bad Zurzach zum Airport ist mit einem seiner Fahrzeuge beinahe dreimal teurer, zwischen 150 und 170 Franken.

Seit der Einführung des Euro-Mindestkurses durch die Nationalbank vor eineinhalb Jahren beklagen die Gewerbetreibenden in der Grenzregion massive Umsatzeinbussen. Davon nicht verschont bleiben auch die lokalen Taxi-Anbieter. Der Trend zeigt deutlich nach unten.

Im Kampf um die Gunst der Kundschaft hat sich die Lage für die ansässigen Unternehmen nun zusätzlich verschärft. Die deutsche Konkurrenz bietet ihre Dienste nicht nur von der anderen Seite des Rheins an, sondern operiert neuerdings direkt aus der Schweiz. Die Firma Taxi Neumann aus Waldshut besitzt seit kurzem einen Standplatz am Bahnhof Koblenz, wie dem jüngsten Mitteilungsblatt der Gemeinde Koblenz zu entnehmen ist.

Inhaber Olaf Neumann bestätigt, dass er eine temporäre Bewilligung für sechs Monate eingeholt hat. Nach Ende der Versuchsphase im November wird Neumann entscheiden, ob er einen dauerhaften Service auf Schweizer Boden anbieten will.

Diese Fahrten sind verboten

Gemäss Schweizer Zollgesetz (ZG) und der Verkehrszulassungsverordnung (VZV) sind gewerbliche Personentransporte mit ausländischen Fahrzeugen zwischen zwei Orten im Zollgebiet verboten. Ausländische Taxis dürfen jedoch Personen vom Ausland in die Schweiz fahren oder leer einreisen, um Personen in der Schweiz aufzunehmen und ins Ausland zu transportieren. Inlandtransporte mit ausländischen Fahrzeugen ohne Bewilligung stellen eine Widerhandlung gegen die Schweizer Zollgesetzgebung und die Verkehrszulassungsverordnung dar. Solche Widerhandlungen werden von Amtes wegen verfolgt. (dws)

Massive Lohnunterschiede

Für die Taxi-Anbieter aus der Region sind das schlechte Nachrichten. Bei Taxi Neumann kostet ein Transfer von Bad Zurzach zum Zürcher Flughafen 100 Euro, rund 50 Prozent weniger als bei Aargovia Taxi. Entsprechend hat das Unternehmen den Markteintritt des Mitbewerbers aus Deutschland zu spüren bekommen. Laut René Roth betrifft es pro Woche alleine 10 bis 15 der lukrativen Fahrten an den Zürcher Airport, die seiner Firma entgehen, rechnet er vor. «Auf dem Preisniveau unserer Konkurrenz können wir unmöglich offerieren», sagt Roth.

Ausschlaggebend seien die höheren Lohnkosten, die strengen Gesetze sowie anfallende Gebühren. Ein Schweizer Taxifahrer verdient im Basislohn zwischen 3500 und 3800 Franken pro Monat. In Deutschland erhält ein Vollangestellter rund 1500 Euro.

Bei den Schweizer Taxi-Unternehmern stört man sich zudem daran, dass die deutschen Mitstreiter sich offenbar nicht an die gesetzlichen Vorgaben halten. Ein Angestellter von Taxi Argovia ärgert sich über Fahrzeuge mit deutschen Kennzeichen, welche von Bad Zurzach aus sogenannte Inlandfahrten anbieten würden. Für ihn ein eindeutiger Verstoss gegen geltendes Recht. Beförderungen innerhalb der Schweiz dürfen nur mit hier immatrikulierten Fahrzeugen ausgeführt werden. «Ausserdem benötigt man einen in der Schweiz ausgestellten Führerausweis, inklusive medizinischer Untersuchung und Sehtest».

Er hat die Behörden auf diesen angeblichen Missstand aufmerksam gemacht. «Mit entsprechenden Kontrollen könnte das Problem behoben werden», ist er überzeugt. Seine Forderung stiess bis jetzt auf taube Ohren.

Kritik an Hotels und Firmen

Die Zollbehörden geben sich diesbezüglich bedeckt: «Aus ermittlungstaktischen Gründen äussern wir uns grundsätzlich nicht dazu, ob in einem bestimmten Bereich Ermittlungen vorgenommen wurden», sagt Peter Zellweger, Mediensprecher der Zollverwaltung. «Besteht bei einer Kontrolle aber ein hinreichender Tatverdacht oder liegen konkrete Beweise vor, wird der Fall für weitere Ermittlungen an die Zollfahndung übergeben.»

Olaf Neumann bestreitet den Vorwurf von illegalen Fahrten. Er betont, dass seine Autos, welche die Grenze passieren, eine Wechselnummer mit den nötigen Papieren besitzen.

Kritik üben die betroffenen Schweizer Taxi-Anbieter auch an den Hotels und Firmen in Grenznähe. Sie würden für ihre Gäste respektive Kunden konsequent Taxis mit deutschen Kennzeichen bevorzugen. Pierre Kraft, der für Taxi Argovia in Bad Zurzach Personen chauffiert, stösst sich an diesem Verhalten. «Offenbar gelten hier andere Massstäbe. Leute, die sich sonst über den Einkaufstourismus aufregen, wählen ohne mit der Wimper zu zucken eine deutsche Nummer.»

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