Bluttat Würenlingen
Täter und Nachbar hatten heftigen Streit – war dieser doch kein Zufallsopfer?

Das vierte Opfer der Bluttat von Würenlingen kannte seinen Mörder. Die beiden hatten im März eine heftige Auseinandersetzung, bei dem es auch zu einem Polizeieinsatz kam. Eine Angehörige des Nachbarn glaubt, sein Tod sei kein Zufall gewesen.

Mario Fuchs
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Tatort Langackerweg: In diesem Haus tötete Simon B. am 9. Mai drei Menschen, ehe er einen Nachbarn erschoss und sich selbst richtete.

Tatort Langackerweg: In diesem Haus tötete Simon B. am 9. Mai drei Menschen, ehe er einen Nachbarn erschoss und sich selbst richtete.

Roman Huber

Neue Entwicklung im Fall des fünffachen Tötungsdelikts von Würenlingen: Offensichtlich hat der Nachbar, der laut Staatsanwaltschaft am 9. Mai «im Vorbeigehen» erschossen und von den Ermittlern als «Zufallsopfer» bezeichnet wurde, seinen Mörder gekannt.

Denn: Bereits am 21. März kam es am Langackerweg in Würenlingen zwischen den beiden Männern zu einer heftigen Auseinandersetzung. Der spätere Täter Simon B., der bis 2005 Semun A. hiess und dann seinen Namen ändern liess, sei im Quartier aufgefallen, berichtet der «Blick» und zitiert eine Angehörige: «Er sass im Auto und starrte die Häuser an.» Sein Sohn sei bei ihm gewesen. Simon B. war den Quartierbewohnern laut der Angehörigen «unheimlich».

Streit mit Handschlag beendet

Fiona Strebel, Sprecherin der Aargauer Staatsanwaltschaft, bestätigt auf Anfrage der Aargauer Zeitung: «Es kam am 21. März zu einer verbalen Auseinandersetzung, weil der spätere Täter sein Auto auf der Strasse parkiert hatte und der Nachbar von ihm wissen wollte, was er im Quartier zu suchen habe.» In diesem Zusammenhang sei es auch zu einem Polizeieinsatz in Würenlingen gekommen.

Wer die Polizei am 21. März alarmiert hatte, kann Fiona Strebel mit Verweis auf das Amtsgeheimnis nicht sagen. Gemäss dem damaligen Einsatzbericht der Aargauer Kantonspolizei sei die «verbale Auseinandersetzung per Handschlag beigelegt» worden. Der Bericht enthalte keine Hinweise auf Drohungen, sagt Strebel. Ausser diesem Vorfall vom 21. März habe die Staatsanwaltschaft keine Kenntnis von weiteren Polizeieinsätzen wegen Simon B.

Familie vermutet Racheakt

Brisant ist jedoch: Nur drei Tage später wurde im schwyzerischen Reichenburg die Wohnung des späteren Todesschützen nach Waffen durchsucht – gefunden hatte die Polizei damals aber nichts. So steht jetzt die Vermutung im Raum, Simon B. habe sich am Nachbarn gezielt rächen wollen.

B. dürfte angenommen haben, dass die Durchsuchung seiner Wohnung wegen einer Meldung des Nachbarn an die Polizei erfolgte. Das vermutet laut «Blick» die Familie des vierten Opfers. Dessen Tod sei «kein Zufall gewesen», sagt eine Angehörige.

Dies würde der Darstellung der Aargauer Staatsanwaltschaft widersprechen, der Nachbar sei ein Zufallsopfer gewesen. Sprecherin Fiona Strebel sagt dazu: «Gestützt auf die vorliegenden Ermittlungsergebnisse geht die Staatsanwaltschaft nach wie vor davon aus, dass die vierte Tat nicht geplant war und der Täter seinem vierten Opfer auf dem Weg zum Auto zufällig begegnet war.» Zum Tatmotiv gebe es noch keine neuen Erkenntnisse.

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