Bad Zurzach
Strafbefehl, weil 64-Jähriger Motor laufen liess, während er schlief

Ziemlich angeheitert beschloss der 64-jährige Gusti, seinen Rausch im Auto auszuschlafen. Weil er dabei aber den Motor laufen liess, landete er vor dem Richter.

Rosmarie Mehlin
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Bevor der 64-Jährige nach Hause fahren wollte, wollte er noch seinen Rausch ausschlafen. (Symbolbild)

Bevor der 64-Jährige nach Hause fahren wollte, wollte er noch seinen Rausch ausschlafen. (Symbolbild)

Keystone

Der Amtsschimmel wiehert mal hier, macht sich mal dort bemerkbar. Es kann sogar vorkommen, dass er in Justitias Gärtchen grast. Dort wurde ein Mittsechziger – nennen wir ihn Gusti – mit dem störrischen Tier konfrontiert und landete vor dem Bezirksgericht.

Dabei hatte Gusti doch sein Menschenmöglichstes getan, dem Strassenverkehrs-Gesetz Genüge zu tun.

Unverhoffter Beizenbesuch

Als Gusti einem Freitagabend im Juni des letzten Jahres mit seinem Auto durchs untere Aaretal fuhr, war ihm unverhofft nach einem Beizenbesuch zumute. Da er beschloss, diesen ausgiebig zu gestalten, platzierte er sein Vehikel auf einem öffentlichen Parkplatz und machte sich auf zu Bier und Wein.

Gegen 2 Uhr morgens hatte er davon ausreichend intus und war entsprechend müde. Er wankte zu seinem Auto, setzte sich hinters Steuer, versetzte die Rücklehne in die Horizontale und versank in den Schlaf des – wie Gusti überzeugt war – Gerechten.

Bedingte Geldstrafe und Busse

Um 4.30 wurde er durch Klopfgeräusche geweckt. Gusti hatte das Licht am Fahrzeug nicht gelöscht, was einem Passanten aufgefallen war. Gusti löschte dann zwar das Licht, nahm aber, weil es ihn etwas fröstelte, den Motor zwecks Heizung in Betrieb. Um 6.30 Uhr wurde Gusti erneut aus seinen Träumen gerissen – diesmal von einer Polizeipatrouille.

Gusti musste ins berüchtigte Röhrli blasen, welches 0,85 Promille anzeigte. Die pflichtbewussten Beamten wollten Gusti zum Blutabzapfen ins Spital Leuggern führen. Solches verweigerte Gusti standhaft. Dagegen, dass ihm der Führerschein auf der Stelle abgenommen wurde, war er hingegen machtlos.

Teures Trinkvergnügen

Drei Monate später flatterte dem 64-Jährigen ein Strafbefehl ins Haus: Wegen «Führens eines Motorfahrzeugs in angetrunkenem Zustand», «Verweigerung der Blutprobe» und «Unnötigem Laufenlassen des Motors» sei er verurteilt zu einer Geldstrafe von 7500 Franken, bedingt mit einer dreijährigen Probezeit. Umgehend berappen sollte er eine Busse von 1800 Franken plus Fr. 445.50 Gebühren.

Dagegen erhob Gusti Einsprache – vergeblich: Der zuständige Staatsanwalt beharrte auf den Beschuldigungen und so stand Gusti jüngst vor Einzelrichter Cyrill Kramer. Dort war zu erfahren, dass Gusti selbstständig erwerbend ist, den Lebensabend in Indonesien zu verbringen gedenkt, damals mit einem Kollegen im «Ochsen» gebechert habe, nur selten im Auto schlafe und den Führerschein nach eineinhalb Wochen zurückbekommen habe.

Richter Kramer verurteilte Gusti zu 100 Franken Busse, weil er den Motor unnötigerweise hatte laufen lassen. Ansonsten gab’s ganz klare Freisprüche: Führen bedeute, so Kramer, dass das Motorfahrzeug in Bewegung ist. «Hier ist aber erstellt, dass der Beschuldigte sein Auto keinen Zentimeter bewegt und auch sonst keine Handlung getätigt hatte, die in unmittelbarem Zusammenhang mit Lenken stehen könnte.»

Was die Blutentnahme betreffe, so müsse bei Verweigerung eine solche amtlich angeordnet werden, was die Polizisten bei der Staatsanwaltschaft hätten beantragen müssen. Dies aber war nicht geschehen. Ein wenig «ungeschickt» von Gusti, so der Richter, sei es allerdings gewesen, dass er die Blutprobe verweigert hatte: «Denn selbst, wenn er sturzbetrunken gewesen wäre, hätte ihm niemand etwas anhaben können.» Jedenfalls nicht Justitia – der Amtsschimmel in einem staatsanwaltlichen Büro hingegen schon.