Bad Zurzach
Stiftung prüft Abriss: Die Tage des Turmhotels in Zurzach scheinen gezählt

Die Stiftung «Gesundheitsförderung Bad Zurzach + Baden» prüft, ob das Turmhotel in Zurzach für rund 25 Millionen Franken saniert oder ein Neubau erstellt werden soll. Ein Neubau böte die Chance, einen ästhetisch wertvollen Bau zu realisieren.

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Der Turm, Wahrzeichen in Bad Zurzach.

Der Turm, Wahrzeichen in Bad Zurzach.

Zur Verfügung gestellt

Der 62 Meter hohe Turm beim Thermalbad gilt als Wahrzeichen des Kurorts Bad Zurzach.

Das nach einer Bauzeit von über 3 Jahren 1964 fertiggestellte Gebäude (siehe separaten Text nachstehend) werde das fünfzigjährige Bestehen ganz sicher noch erleben, sagt Stephan Güntensperger, Direktor der Stiftung «Gesundheitsförderung Bad Zurzach + Baden».

Doch das Gebäude hat bauliche und betriebliche Mängel, was die Stiftung in enger Zusammenarbeit mit der Thermalquellen Hotel AG bewogen hat, die Vor- und Nachteile einer Sanierung zu prüfen und einem Neubau gegenüberzustellen.

Die Stiftung

Zur Tätigkeit der gemeinnützigen Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach und Baden gehört der Betrieb von Rehabilitationskliniken an sechs Standorten und von Ambulatorien und Therapiezentren. Weitere Angebote sind traditionelle chinesische Medizin, Gesundheits- und Wellness-Angebote wie das Thermalbad in Bad Zurzach oder die Aqualon-Therme in Bad Säckingen sowie innovative Aus- und Weiterbildungsangebote. Die Stiftung setzt sich zudem für die gesellschaftliche, kulturelle und wirtschaftliche Förderung der Kurorte Bad Zurzach und Baden ein. Vor diesem Hintergrund sind weitere wichtige Aktivitäten begründet, etwa der Betrieb der Kunstgalerie Mauritiushof in Bad Zurzach. (AZ)

Grosser Sanierungsbedarf

«Ein Neubau würde nicht mehr kosten, als die Sanierung», sagt Güntensperger. Bei einer Sanierung müssten die Erdbebensicherheit geprüft, die Küche, die Liftanlagen und die elektrischen Leitungen sowie der gesamte sanitäre und klimatechnische Bereich erneuert werden.

Auch die Trennung des Personen- und Warenverkehrs ist suboptimal und müsste verbessert werden, um reibungslose Betriebsabläufe zu erreichen.

Die Aussenhülle weist Abplatzungen auf; Beton und Armierungseisen sind ebenfalls sanierungsbedürftig.

Güntensperger: «Bei einer Sanierung würden der Grundriss und das ungünstige Verhältnis zwischen dem betrieblich nutzbaren Raum (Zimmer, Restaurant) und der Erschliessung (Treppenhaus, Gänge, Lift) von zwei Dritteln zu einem Drittel weiter bestehen.»

Noch ist nichts entschieden

Der Entscheid, ob eine Sanierung für rund 25 Millionen Franken eingeleitet oder ein Neubau realisiert wird, ist laut Güntensperger noch nicht gefällt.

Vorteil eines Neubaus wäre, dass der Grundriss anders und eventuell auch grösser gewählt und das Gebäudevolumen besser genutzt werden könnte.

«Mir ist bewusst, dass viele Zurzacherinnen und Zurzacher an ihrem Turm hängen. Es gibt aber auch Leute, die das Turmhotel in seinem jetzigen Zustand schrecklich finden. Ein Neubau böte die Chance, einen ästhetisch wertvollen Bau zu realisieren.»

Da die Stiftung einen Neubau nicht allein finanzieren kann, wird nach einem Investor Ausschau gehalten. Fest steht, dass in der zweiten Jahreshälfte 2014 ein beschränkter Architekturwettbewerb geplant ist.

Fest steht auch, dass der Neubau ungefähr gleich hoch sein sollte wie das jetzige Gebäude und weiterhin als weitherum sichtbares Wahrzeichen von Bad Zurzach wahrgenommen werden sollte.

Bei optimalen Bedingungen könnte der Neubau Ende 2017 fertiggestellt sein, sagt Stiftungsdirektor Güntensperger. «Im Moment reden wir jedoch immer noch von einer Vision und nicht von einem konkreten Projekt.»

Turm Bad Zurzach: Viersterne-Hotel und wasserreservoir

Gebaut wurde das 62 Meter hohe Turmhotel Bad Zurzach 1964. Architekt war Fedor Altherr (1896-1980). Dass er das Restaurant im obersten Geschoss platzierte, galt zu dieser Zeit als aussergewöhnlich. Der Turm hatte aber auch eine zweite, für die Kurbetriebe sehr wichtige Funktion: Auf drei Stockwerken unterhalb des Turmrestaurants war ein Wasserreservoir mit einem Fassungsvermögen von 100 Kubikmetern eingebaut. Dank der Höhe von 35 Metern über Grund konnte das hochgepumpte Wasser mit einem Druck von 3,5 Atü an die drei Abnehmer Thermalbad, den Mineralwasserhersteller Mineralquelle AG und die Reha-Clinic verteilt werden. Ursprünglich war ein Sammelbecken am Rebberghang geplant gewesen. Schliesslich entschied sich die gemeinnützige Stiftung für Zurzacher Kuranlagen, die heutige Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach und Baden, für den Bau des Turmhotels, um den zur Verteilung des Wassers nötigen Wasserdruck sicherzustellen. Seit rund acht Jahren ist dieses System nicht mehr in Betrieb. Es wurde ersetzt durch ein modernes Pumpsystem, das von einem Reservoir am Fusse des Turmhotels gespeist wird.
Im obersten Stockwerk des Turms befindet sich ein Viersterne-Restaurant, das von der Thermalquellen Hotel AG betrieben wird. Vom Restaurant aus geniesst man einen herrlichen Blick auf den Flecken und den nahen Schwarzwald.
Zurück zum Architekten: Fedor Altherr hat in Bad Zurzach nicht nur das Turmhotel gebaut: 1938 gewann er den ersten Preis im Projektwettbewerb für das Bezirksschulhaus Zurzach. Weitere Projekte waren der Neubau der damaligen Konsumgenossenschaft, das sogenannte Kaufhaus, der Umbau des Hotels Ochsen sowie der Erweiterungsbau des Hotels Rad. Im historischen Dorfkern sanierte er Altbauten und trug wesentlich zum Erhalt des mittelalterlichen Ortsbildes bei. (ZA)