Surbtal
Stau ohne Ende? Tegerfelden fordert vom Kanton einen Verkehrsdienst

Die ewigen Baustellen im Zurzibiet wirken sich gravierend aus. Die Lengnauer nehmen den Mehrverkehr gelassen hin, in Tegerfelden wehrt man sich. Dort Ammann Peter Hauenstein fordert einen Verkehrsdienst.

Nadja Rohner
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Die Vollsperrung der Rheinbrücke bei Koblenz wird massive Auswirkungen auf die Verkehrsflüsse im Zurzibiet haben. (Archiv)

Die Vollsperrung der Rheinbrücke bei Koblenz wird massive Auswirkungen auf die Verkehrsflüsse im Zurzibiet haben. (Archiv)

Michael Hunziker

Gravierend wirken sich die Baustellen auf das Surbtal aus. Der Tegerfelder Gemeinderat rechnet mit bis zu 6000 zusätzlichen Fahrzeugen, die das Dorf während der dreimonatigen Zollbrückensperrung täglich durchqueren – und er setzt auf Präventivmassnahmen: «Wir erarbeiten mit der Regionalpolizei ein Konzept zur temporären Sperrung von Quartierstrassen, um Schleichverkehr zu verhindern», sagt Ammann Peter Hauenstein.

Konkret betreffe dies die Alte Zurzacherstrasse, die Alte Döttingerstrasse, die Dorfstrasse und den Schulhausweg. Der Zubringerdienst bleibt gestattet. Vom Elternverein wird einen Lotsendienst für den Fussgängerstreifen gestellt.

Der Gemeinderat hat zudem beim kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) um einen vom Kanton finanzierten Verkehrsdienst ersucht: Dieser soll den Verkehr bei der Einmündung des «Staltig» in die Zurzibergstrasse lenken.

«Schon bei normalen Verhältnissen entsteht dort Stau. Mit dem Mehrverkehr wird eine Regelung unumgänglich», so Hauenstein.

Alternativen zum Verkehrsdienst sähe er lediglich in einem Linksabbiegeverbot aus dem «Staltig» in die Zurzibergstrasse oder in einem temporären Kreisel; natürlich auf Kosten des Kantons.

Mit diesem Anliegen stiess der Tegerfelder Gemeinderat beim BVU jedoch auf taube Ohren – man will erst abwarten, wie sich die Situation entwickelt.

Für Hauenstein ist es unverständlich, warum das BVU kein detaillierteres Konzept erarbeitet hat, wie mit dem Mehrverkehr umzugehen sei. «Ich habe den Eindruck, man nimmt in dieser Sache die kleinen Gemeinden nicht Ernst. Wir werden uns wohl jetzt mit unserem Anliegen an den Regierungsrat wenden.»

Endingen und Lengnau warten ab

In Endingen hat das BVU bereits einen Verkehrsdienst eingesetzt. «Die Sperrung der Steigstrasse in Tegerfelden führt jetzt schon zu deutlich mehr Verkehr», sagt Ammann Lukas Keller. «Mit der Brückensperrung wird dieser nochmals drastisch zunehmen.»

Besonders stark belastet seien die Marktgasse und der Knoten Abzweigung Würenlingen (Hirschengasse), wo der Verkehrsdienst positioniert ist. Zudem werde sich die Parkplatzknappheit im Ortskern, seit jeher ein Diskussionspunkt, mit dem Mehrverkehr noch verschärfen.

Quartierstrassen werden in Endingen vorerst keine gesperrt. Sollte sich der Schleichverkehr neue Wege suchen, werde man Massnahmen ergreifen, so Keller.

«Wir haben Kontakt mit den Verantwortlichen des Kantons und können bei neuen Verkehrssituationen sofort eingreifen.» Besonders die Schulwege wolle man schützen. Diese seien auch die grösste Sorge der Bevölkerung: Die Hauptstrasse trennt das Dorf in zwei Teile. Sie wird deshalb täglich von vielen Kindern überquert. «Dass dort alles sicher abläuft, ist das Hauptanliegen der Endinger.»

Man hoffe, «dass sich der Verkehr nach der Brückensperrung wieder auf das Normalmass einpendelt und das Surbtal nicht als schnelle Verbindung in die Zentren entdeckt wird».

Keller erlebt die Zusammenarbeit mit dem BVU als offen und transparent. «Dass auch das kantonale Tiefbauamt nicht auf jede Frage eine Antwort weiss, liegt in der Natur der Sache», sagt er. «Aber alle sind bestrebt, das Beste aus der schwierigen Situation zu machen.»

Kellers Lengnauer Amtskollege Franz Bertschi sieht das ähnlich: Man sei über diverse Umleitungsmassnahmen informiert worden. Die Gemeinde habe daraufhin Bedenken angemeldet bezüglich einer möglichen Schleichverkehr-Route von Rekingen via Baldingen nach Lengnau. «Wenn unser Dorfplatz dadurch übermässig belastet würde, müssten Massnahmen getroffen werden», sagt Bertschi.

«Der Kanton hat uns versprochen, die Situation laufend zu analysieren und allenfalls einen Verkehrsdienst einzusetzen oder andere Massnahmen zu treffen.»

Präventive Sperrungen von Quartierstrassen seien nicht vorgesehen. Anders als die Endinger und Tegerfelder sind die Lengnauer unbesorgt: «Wir haben bisher keine Anfragen zum Mehrverkehr erhalten», sagt Bertschi. «Die Bevölkerung hat die Situation vermutlich noch nicht wahrgenommen.»