Bad Zurzach
Statt Papa Moll: Jetzt drehen Santhoris Objekte im Kreisel

Zwei Skulpturen des Künstlers Santhori lösen Papa Moll als Kreisel in Bad Zurzach ab.

Samuel Knecht (Text und Foto)
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Künstler Santhori schmückt für ein halbes Jahr mit Windspielen die Strassenkreisel im Osten und Westen von Bad Zurzach.

Künstler Santhori schmückt für ein halbes Jahr mit Windspielen die Strassenkreisel im Osten und Westen von Bad Zurzach.

Samuel Knecht

Seit letztem Freitag schmücken Windspiele des Künstlers Thomas Riederer alias Santhori die beiden Strassenkreisel am östlichen und westlichen Ortsende von Bad Zurzach. Sie ersetzen die Comic-Figur Papa Moll, die in den vergangenen sechs Monaten die Verkehrsteilnehmer am Ortseingang begrüsste. Im Osten präsentiert Santhori die Skulptur «Angelina», eine vertikal drehende, flache Anfertigung, bestehend aus zwei Polyester-Teilen.

Auf dem Kreisel im Westen dreht mit «Napoleon» eine ähnliche Figur im Wind. «Die Form des Objekts soll auch an den Hut des berühmten französischen Feldherrn erinnern, der hier einst durchmarschierte», erklärt der 69-jährige Künstler anlässlich der Einweihung beider Kreisel. Santhori hat diese Art von Kunstwerken vor mehr als zehn Jahren ausgearbeitet: «Die Idee kam, als ich den inzwischen verstorbenen amerikanischen Künstler George Rickey kennenlernte. Er war auf horizontale Windspiele spezialisiert. Ich wollte seine Werke nicht nachahmen. Also erarbeitete ich vertikale Windspiele.»

Die zweiteilige Skulptur «Angelina» ist über zwei Meter breit und wiegt rund 70 Kilogramm. Bemerkenswert seien vor allem die verschiedenen Interpretationen der Leute, wenn sie das Kunstwerk «Angelina» sehen, das nach seiner Tochter benannt sei, freut sich Santhori: «Die einen sehen ein Ei, anderen einen Kreis.» Beim Bau unterstützte Santhori das Paul-Scherrer-Institut: «Meine Werke drehen nie so schnell wie ein Windrad, da sie in der Mitte ein Gewicht haben. Fachkräfte des PSI berieten mich mithilfe von Computer-Simulationen. Dabei sah ich, ob meine Figuren im Wind drehen oder nicht.»

Anfrage trotz strittiger Aktion

Die Anfrage der Gemeinde, seine Kunst ausstellen zu dürfen, kam für Santhori nicht überraschend: «Für einen hier wohnhaften und namhaften Künstler wie mich kommt die Zusammenarbeit mit der Gemeinde automatisch. Ich bin ein Aushängeschild für die Gemeinde Bad Zurzach.» Santhori sagte ohne zu zögern zu, die Kreisel für die nächsten sechs Monate zu schmücken. Streitbare Aktionen aus der Vergangenheit, wie die künstliche Radarfalle (die AZ berichtete), hätten die Gemeinde nicht von einer Zusammenarbeit mit Santhori abgehalten, sagte Gemeinderätin Karin Fischer: «Wir fanden den falschen Blitzkasten nicht negativ. Santhori fragten wir an, da er ein bekannter lokaler Künstler ist.»

Für Santhori geht es im Rahmen seines nächsten umfangreicheren Projekts im September in die grösste chinesische Metropole Schanghai. Dort kann er einige seiner Bilder und fünf kleinere Skulpturen während rund vier Wochen im Schanghai Himalayas Museum ausstellen.