Statistik
Falsche Zahlen weitergeleitet: So viele Wohnungen stehen in Koblenz wirklich leer

Die Gemeinde ist doch nicht der Spitzenreiter im Kanton: Das Dorf hat die Leerwohnungsziffer nochmals selbst erhoben – und kommt auf ein ganz anderes Resultat.

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Nur 16 Wohnungen stehen zurzeit in Koblenz leer – viel weniger, als ursprünglich angenommen.

Nur 16 Wohnungen stehen zurzeit in Koblenz leer – viel weniger, als ursprünglich angenommen.

Sandra Ardizzone

(sga/dru) In Koblenz sollen 10,74 Prozent der Wohnungen leer stehen − Höchstwert im Aargau. So wies es zumindest die kantonale Erhebung der Leerwohnungsziffern von Statistik Aargau im vergangenen Herbst aus. Eine Zahl, die in der Gemeinde für grosse Augen sorgte. Dass mehr als jede zehnte Wohnung frei ist, konnte man nicht glauben. Die Gemeinde ging deshalb selbst über die Bücher – und kam zu einem ganz anderen Resultat.

«Nun ist es amtlich», schreibt die Gemeinde im aktuellen Mitteilungsblatt. Derzeit würden 16 Wohnungen und ein Einfamilienhaus mit sechs oder mehr Zimmern freistehen. «Derzeit hat Koblenz einen Bestand von insgesamt 831 Wohnungen.» Demnach stünden nur 2,05 Prozent der Wohneinheiten leer.

Lesefehler bei Auswertung: Falsche Zahlen geliefert

Diese Zahl liege deutlich unter dem kantonalen Mittel von 2,65 Prozent und dem ausgewiesenen Durchschnitt des Bezirks Zurzach von 2,75 Prozent. Diese Zahlen sind die zurzeit aktuellsten und gelten für das vergangene Jahr. «Die Zahlen für Koblenz für das Jahr 2020 (86 Wohnungen bei einem Gesamtbestand von 809) kamen aufgrund eines Lesefehlers in der elektronischen Auswertung zustande», heisst es im Mitteilungsblatt weiter.

Deshalb wurden die falschen Zahlen an das Bundesamt für Statistik übermittelt – die Zahlen, mit denen Statistik Aargau arbeitet, liefern die Gemeinden jährlich selbst. «Verwaltung und Gemeinderat entschuldigen sich bei den Einwohnern für die verursachte Aufregung.»

Diese Meldung bestätigt somit die Vermutung von Theo Zihlmann. Sein Treuhand-Unternehmen ist seit 40 Jahren in Koblenz angesiedelt. Er sagte im vergangenen November zu dieser Zeitung: «Wenn im nationalen Fernsehen berichtet wird, dass in Koblenz jede zehnte Wohnung leer steht, finde ich das bedenklich.» Er verwalte mehr als 100 Wohnungen im Ort − «davon steht genau eine einzige leer», sagte er.

Jede Gemeinde erhebt ihre Zahlen anders

Zur Erhebung der Daten verwenden die Gemeinden unterschiedliche Erhebungsmethoden. Manche greifen auf Zahlen der Elektrizitätsgesellschaften oder Netzanbieter zurück und schliessen durch den Strom- oder Internetverbrauch darauf, welche Wohnungen leer stehen und welche nicht.

Andere nutzen die Register von Liegenschaftsverwaltern als Grundlage − so auch die Einwohnerkontrolle Koblenz. Theo Zihlmann vermutete bereits im vergangenen Jahr, dass dort der Fehler liegen könnte. Denn grosse Immobilienberater berufen sich auf ein Programm zur Ermittlung von Leerständen, dessen Ergebnisse seiner Erfahrung nach «schlicht nicht der Realität entsprechen».