Rietheim
Startschuss mit Rheinwasser: In einem Jahr ist der «Chly Rhy» renaturiert

Mit dem Spatenstich startet der Aushub für das Auenprojekt «Chly Rhy». In einem Jahr fliesst hier wieder Wasser. In den nächsten Monaten werden rund 150 000 Kubikmeter Erde abgetragen.

Elia Diehl
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Vorerst nur aus der Flasche: Die Vertreter der Bauherrschaft taufen mit Rheinwasser den ersten Aushub der Aue «Chly Rhy» in Rietheim.

Vorerst nur aus der Flasche: Die Vertreter der Bauherrschaft taufen mit Rheinwasser den ersten Aushub der Aue «Chly Rhy» in Rietheim.

Emanuel Freudiger

Bis im Winter standen auf der ehemaligen Insel Grien am Rietheimer Rheinufer noch fünf Hektaren Wald. Rund 2000 Bäume wurden im Januar gerodet; ein kahler und karger Landstreifen blieb zurück.

Noch, denn hier – an der letzten kraftwerksfreien Fliessstrecke zwischen Bodensee und Basel – entsteht das grösste revitalisierte Auengebiet am Hochrhein. Der gestrige Spatenstich gab den Startschuss für den Aushub eines Kernstücks des Aargauer Auenschutzparks, der dieses Jahr sein zwanzigjähriges Jubiläum feiert.

In nur einem Jahr soll das Auenprojekt «Chly Rhy» abgeschlossen sein. Der Weg dahin war allerdings länger: Er begann 2010 und führte bis vors Bundesgericht. Dieses wies letzten November die Beschwerde eines Rietheimer Landwirts ab. Er befürchtete unter anderem Hochwasserschäden, ausserdem droht ihm die Enteignung eines «kleinen, aber strategisch wichtigen Landstücks».

Thomas Urfer, Präsident von Co-Bauherr Pro Natura Aargau, richtete seinen Dank sowohl an die Politik als auch an die Wirtschaft und an die Bevölkerung: «In einer so dicht besiedelten Region ist die Renaturierung von Auen eine hoch komplexe Angelegenheit, welche grosse Anstrengungen von Allen erfordert.»

So werden in den nächsten Monaten rund 150 000 Kubikmeter Erdmasse abgetragen. Diese wurde grösstenteils wegen des in den 60er-Jahren geplanten und nie realisierten Wasserkraftwerks aufgeschüttet.

Aushub des Kleinen Rheins

Die entscheidende Renaturierungsmassnahme ist die Öffnung des südlichen, rund 1,5 Kilometer langen Rhein-Seitenarms «Chly Rhy». Er wird auf seiner ganzen Länge auf eine Sohlenbreite von zehn Metern ausgebaggert und künftig dauernd Wasser führen.

Damit wird sowohl die Insel Grien als auch das ursprünglich breit ausgebildete Mündungsdelta wiederhergestellt. Diese Weichholzaue, mit der auch der Rietheimer Dorfbach vernetzt wird, soll 50 bis 180 Tage im Jahr überflutet sein. Für den Hochwasserschutz wird der Wasserzufluss mittels eines künstlich befestigen Einlaufs und einer Buhne im Fluss kontrolliert.

Bis April 2015 werden zudem neue Wanderwege, zwei Brücken, mehrere Stillgewässer und Feuchtwiesen wie auch Grill- und Parkplätze gebaut.

Die Gesamtkosten belaufen sich auf 9,38 Millionen Franken, wovon der Bund 4,8 und der Kanton 2,08 tragen. 1,5 Millionen Franken steuern Dritte bei, den Restbetrag übernimmt Pro Natura Aargau.

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