Böttstein
«Solche Forderungen sind überrissen» – SVP-Grossräte kritisieren Parteikollegen

105 000 Franken soll der Böttsteiner Gemeindeammann Patrick Gosteli in der neuen Legislatur verdienen. Dies sorgt nicht nur im Dorf, sondern auch bei SVP-Grossräten für Kopfschütteln. Sie würden sich solche Forderungen nicht erlauben.

Roman Michel
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Wolfgang Schibler, Ammann von Bettwil, sieht nicht ein, warum Gosteli das doppelte seines bisherigen Lohnes verdienen soll.

Wolfgang Schibler, Ammann von Bettwil, sieht nicht ein, warum Gosteli das doppelte seines bisherigen Lohnes verdienen soll.

Screenshot Tele M1

Als «gierigster Politiker der Schweiz» wurde er bezeichnet: Patrick Gosteli, Gemeindeammann von Böttstein. An der kommenden Gemeindeversammlung will der Gemeinderat seinen Lohn verdoppeln lassen - auf 105 000 statt wie bisher 51 000 Franken.

Ein Blick auf andere Gemeinden in der Region zeigt: Nur Ammänner in doppelt so grossen Gemeinden wie Suhr oder Lenzburg erhalten so viel Geld wie Gosteli fordert.

«105 000 Franken - das ist schon ein stolzer Lohn», sagt SVP-Fraktionschef Andreas Glarner am Dienstag im Rahmen der Grossratssitzung gegenüber «Tele M1». Glarner arbeitet selbst als Gemeindeammann von Oberwil-Lieli. Sein dortiges Einkommen: Rund 24 000 Franken.

Andere sehen Amt als Dienst für Allgemeinheit

Auch anderen Parteikollegen im Grossen Rat gehen die Forderungen von Gosteli zu weit. «Unsere Gemeinde muss aufs Geld schauen», sagt Kathrin Hasler, Frau Gemeindeammann in Hellikon, «einen solchen Lohn könnte und würde ich nicht fordern.» Sie sieht ihre Tätigkeit grösstenteils auch als Ehrenamt und Dienst für die Allgemeinheit.

Auch Wolfgang Schibler, Ammann von Bettwil bezeichnet das Vorgehen seines Parteikollegen als «überrissen»: «Eine solche Forderung würde bei uns sehr schlecht ankommen. Ich sehe die Gründe dafür schlicht und einfach nicht.»

Etwas vorsichtiger äussert sich Regina Lehmann, oberste Frau von Reitnau: «Ich kenne die Hintergründe zwar nicht, eine solche Forderung würde ich mir aber nicht erlauben.»

Aufwand der letzten Jahre analysiert

Trotz der Kritik seiner Grossratskollegen hält Patrick Gosteli weiterhin an der geplanten Lohnerhöhung von 51 000 auf 105 000 Franken fest: «Wir haben den Aufwand der letzten Jahre analysiert und uns überlegt, was in den nächster Zeit nötig ist. So sind wir zur Vorlage gekommen.»

Eine emotionale und hitzige Gemeindeversammlung ist garantiert.