Siggenthal-Würenlingen
So recycelt Holcim Schlamm

Über Jahre hinweg verarbeitete das Zementwerk Strassenschlamm. Wegen zu hoher Emissionen ist eine neue Methode und Anlage nötig.

Stefanie Garcia Lainez
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Werk des Baustoffkonzerns Holcim in Siggenthal-Würenlingen

Werk des Baustoffkonzerns Holcim in Siggenthal-Würenlingen

Keystone

Jahrelang verwertete die Holcim AG in Würen­lingen Feinschlämme im Zement, die bei der Aufbereitung von Strassenschlamm übrig blieben. Mit 900000 Tonnen Zement pro Jahr ist die seit 1912 bestehende Anlage des Zementwerks Siggenthal eines der grössten Werke der Schweiz. Nur: Bei der herkömmlichen Verwertung der Schlämme in Zementwerken gerieten zu viele Schadstoffe in die Luft. Eine neue Methode soll diese Emissionen bei der Verarbeitung verhindern. Um nach einem Unterbruch wieder Feinschlämme recyceln zu können, hat die Holcim (Schweiz) AG nun ein Baugesuch für eine entsprechende Anlage eingereicht, das bis Freitag, 17. April, aufliegt.

Spezialisierte Anlagen lösen Sand und Kies aus dem Schlamm, der in sogenannten Strassensammlerschächten anfällt. Der übrig gebliebene Feinschlamm enthält auch organisches Material wie Pneuabrieb oder Öl. Bis 2019 wurde dieser Schlamm in Deponien entsorgt oder in Zementwerken teilweise recycelt, indem er bei der Zementherstellung mit weiterem Material zuerst langsam erhitzt und danach im heissen Ofen weiterverarbeitet wurde. Bei beiden Entsorgungswegen wurden aber gesetzliche Vorgaben nicht eingehalten. Die Behörden stoppten diese Verfahren 2019 und verlangten eine neue Methode. Zwischenzeitlich wurde der Schlamm im Kanton Aargau in die Kehrichtverbrennungsanlagen gebracht, was aber teurer ist und wobei es zu keiner Wiederverwertung kommt. Versuche würden nun aber zeigen, dass in Zementfabriken die Vorgaben eingehalten werden können, wenn der Feinschlamm erst im heissen Ofen beigefügt wird, sagt David Schönbächler, Teamleiter Abfallwirtschaft der kantonalen Abteilung für Umwelt.

Um den Verarbeitungsprozess entsprechend anpassen zu können, möchte die Holcim nun neben dem bestehenden Zementofen eine Betongrube mit einem 18 Meter langem und 15 Meter breiten Stahldach sowie einem Förderkanal erstellen.