Aaretal
Sie ist die Hexe vom Dienst – und das nicht nur zur Halloween-Zeit

Rosmarie Tschabold aus Villigen verkleidet sich liebend gerne als Hexe – nicht nur an Halloween. Sie verwandelt einen Raum auch schon mal in ein Geisterschloss.

Carolin Frei
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«Ich mag Hexen einfach, finde das tolle Frauen», erklärt die 70-jährige Rosmarie Tschabold in ihrem Garten. Chris Iseli

«Ich mag Hexen einfach, finde das tolle Frauen», erklärt die 70-jährige Rosmarie Tschabold in ihrem Garten. Chris Iseli

Chris Iseli

«Ich mag Hexen einfach, finde das tolle Frauen», erklärt die 70-jährige Rosmarie Tschabold ihre Affinität zum Hexenkult. «Was sie aus Kräutern und Gewürzen herstellen, ob Medizin, Tees oder Salben, fasziniert mich.» Weniger schön ist für sie natürlich die Tatsache, dass früher Hexen gerade wegen dieses Wissens auf dem Scheiterhaufen gelandet sind. Sie selber hat keinen Kräutergarten, stellt keine Tinkturen her. «Ich schau mir am Märt jedoch immer an, was die Kräuterfee aus Mandach, die ich liebevoll Kräuterhexe nenne, so alles im Sortiment hat», sagt sie augenzwinkernd. Tschabold zieht es vor, natürliche «Arzneien» zu verwenden, wo immer möglich.

An Halloween wird es sich Rosmarie Tschabold nicht nehmen lassen, als Hexe verkleidet am Kürbisschnitzen für jedermann teilzunehmen. Organisiert wird der Anlass jeweils vom Verein Abenteuerspielplatz Brugg, bei dem die 70-Jährige als Präsidentin amtet. Man trifft sich ab 15.30 Uhr mit Kürbis auf dem Spielplatz. «Zum Abschluss geniessen wir dann eine feine Kürbissuppe inmitten leuchtender, frisch geschnitzter Kürbisköpfe. Das ist immer gruuselig lustig», sagt Tschabold.

Hausschmuck mit Gespenstern

In jener Nacht werden auch die Fenster ihres Hauses in Villigen mit leuchtenden Kürbissen und kleinen Gespenstern geschmückt sein. Und jedes Kind, das klingelt und Süsses oder Saures sagt, bekommt Schoggi und anderes mehr zum Schlecken. «Allerdings ist es nicht ganz einfach, unseren Hauseingang zu finden», meint die rüstige Seniorin lachend, die über viele Jahre als Briefträgerin in Untersiggenthal tätig war.

Am Brugger Stadtfest konnte Rosmarie Tschabold die Räumlichkeiten der Pfadi nutzen, um sie in ein Geisterschloss zu verwandeln. Aber auch am Villiger Gassenfest vor sechs Jahren durfte sie ihre Hexenträume in einer Scheune wahr werden lassen. «Mit Zwischenwänden konnte ich den Raum unterteilen», erinnert sie sich. Als Erstes sah der Besucher eine Gruppe Hexen, die gemütlich um ein Feuer sass. Gegenüber platzierte sie einen Spiegel, der die Betrachter verzerrte. Überall gestaltete Tschabold kleine Nischen mit gespenstischen Dekorationen, etwa mit Spinnweben oder flatternden und lispelnden Gespenstern. Alles unecht, bis auf eine Ausnahme.

Tschabold setzte sich, als Hexe verkleidet, in eine dunkle Ecke. Ein paar junge Burschen, allesamt mit einem Bierglas in der Hand, schlenderten durchs Geisterhaus, blieben amüsiert vor dem Verzerrspiegel stehen. «Den Letzten stupfte ich sanft. Als er sich umdrehte und mich sah, liess er gleich sein Glas fallen», sagt sie lachend. Einige Besucher seien sogar zweimal gekommen, tagsüber und dann noch nachts. Das nächste Geisterhaus ist bereits in Planung, soll im Juni 2015, wiederum am Gassenfest in Villigen, geschaffen werden. «Allerdings habe ich von der Gemeinde noch keine Zusage bekommen.» Doch Tschabold ist guten Mutes.

Näht Kostüme seit Jahren selber

Guten Mutes war die 70-Jährige jeweils auch dann, wenn es galt, ein kreatives Sujet für die Fasnacht zu gestalten. Entstanden sind Kostüme als Tatzelwurm, Schnäggeposcht, Frösche, Konfettispalter oder als Mickey Mouse. Um nur einige zu nennen. Allesamt selbst genäht. 33 Jahre lang hat sie aktiv an der Fasnacht mitgemacht, jedes Mal mit selbst genähtem Kostüm. Alle Verkleidungen hat sie noch, verstaut auf dem Estrich. Zwischendurch liess sie es sich nicht nehmen, auch wieder mal als Hexe unterwegs zu sein. Als solche verkleidet, sauste sie zudem – auf einem Töff, nicht Besen – durch Untersiggenthal, um die druckfrische Ausgabe des Harry-Potter-Buchs zu verteilen. «Die neue Ausgabe konnte damals ab Mitternacht ausgeliefert werden. Fünf oder sechs Kinder dürfte ich in dieser Nacht wohl glücklich gemacht haben.»

Rosmarie Tschabold ist nach wie vor Präsidentin des Abenteuerspielplatzes Brugg. Sie zeichnet für das Organisieren der Sitzungen verantwortlich und näht die Kleider für die Kinder, die bei der Zirkuswoche im Sommer mitmachen. Für die Pro Juventute leitet sie zudem während der Schulferien Speckstein-Schleifkurse.

Nicht genug. Sie verträgt auch noch die «Botschaft», putzt die Trotte und schaufelt vor der Poststelle Schnee, wenn wieder mal welcher fallen sollte. Marionetten kreiert sie ebenfalls und mit Hund Rondo besucht sie verschiedene Kurse. Mit von der Partie ist jeweils auch der 73-jährige Ehemann Walter. Zur Familie gehören zudem Sohn Daniel, der im Erdgeschoss in der gleichen Liegenschaft wohnt, Tochter Susanne, die in Brugg zu Hause ist, sowie drei Enkel und eine Enkelin. Eins ist allen gemeinsam – sie freuen sich auf Halloween und das gruselig schön geschmückte Haus von Rosmarie Tschabold.

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