Endingen
Sektenguru Max H. mied den Kontakt zur Bevölkerung

Der vor sechs Jahren zugezogene Sektenguru schottete sich in der Gemeinde konsequent ab. Er lebte zurückgezogen, nahm nicht am Dorfleben teil. «Persönliche Kontakte gab es nicht, obwohl wir Garten an Garten leben», sagt eine Nachbarin von Max H.

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Max H. lebte zurückgezogen in seiner Wohnung. Er empfing zwar immer wieder Leute, zu den Nachbarn pflegte er jedoch keinen Kontakt.

Max H. lebte zurückgezogen in seiner Wohnung. Er empfing zwar immer wieder Leute, zu den Nachbarn pflegte er jedoch keinen Kontakt.

Keystone

Wie gestern bekannt wurde, lebt in Endingen ein Naturheiler und Sektenguru, der vor 5 Jahren vom Amtsgericht Solothurn zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus wegen sexueller Handlungen mit Kindern und mit Anhängerinnen verurteilt worden war. Jetzt wird erneut gegen den 59-Jährigen ermittelt. Er soll Frauen sexuell genötigt zu haben (die az Aargauer Zeitung berichtete).

Mahnung der Gemeinde

«Wir hatten Kenntnis von seinem Zugzug und von seiner Vergangenheit», sagt Gemeindeammann Lukas Keller. Deshalb habe man Kontakt mit dem Sektenkenner Hugo Stamm aufgenommen und ihn um Rat gebeten, wie man sich Max H. gegenüber verhalten solle. Grund zum Einschreiten gabs für die Gemeinde Endingen in den sechs Jahren seiner Anwesenheit nicht - mit einer Ausnahme:

Einmal musste er ermahnt werden, dass die Besucherinnen und Besucher seiner Meditationskurse die Quartierstrasse nicht als Abstellplätze missbrauchen. Ansonsten gab Max. H. keinen Anlass zu einer behördlichen Intervention.

Dass der 59-Jährige, der sich seit einiger Zeit «Meister Soeido» nennt, nur kurze Zeit nach der Strafverbüssung erneut ins Zwielicht geriet, überrascht Gemeindeammann Lukas Keller nicht: «Ich habe befürchtet, dass er irgendwann wieder zum Thema wird.» Dass Endingen seinetwegen in die Schlagzeilen geriet, empfindet Ammann Keller als «äusserst unsympathisch.»

Viele Besucher, wenig Kontakt

Von der Nachbarschaft wurde und wird der Naturheiler nur sehr vage wahrgenommen. «Grüezi» sei das einzige Wort gewesen, das er mit Max H. in den Jahren seit seinem Einzug ins Einfamilienhaus an der Endinger Schlattstrasse habe wechseln können, sagt ein älterer Herr. Am Wochenende sei vor dem Haus des Sektengurus jeweils ziemlich viel Betrieb gewesen: «Ein Teil der Leute kam mit dem Postauto und trug grosse, blaue Rücksäcke.

Was da drin steckte, weiss ich nicht. Aber es war schon sonderbar, wie die Leute daherkamen.» Im Dorf sei mehr oder weniger bekannt gewesen, dass der Bewohner des Einfamilienhauses an der Schlattstrasse eine Gefängnisstrafe absitzen musste und deshalb für einige Zeit von der Bildfläche verschwand. Aufgefallen sei ihm, dass es in den letzten drei Wochen sehr ruhig geworden sei um Naturheilpraktiker und Meditationslehrer Max. H, schildert der ältere Herr seine Wahrnehmungen.

Wollte in Ruhe gelassen werden

Eine Nachbarin beschreibt Max H. als sehr zurückgezogen lebenden Menschen, der Begegnungen so weit wie möglich vermied: «Persönliche Kontakte gab es nicht, obwohl wir Garten an Garten leben.» Die Sichtschutzblenden hätten auch klar signalisiert, dass man in Ruhe gelassen werden möchte.

Aufgrund der vielen Besucherinnen und Besucher glaubte die Nachbarin zunächst, es handle sich um eine Familie mit sozialpädagogischem Hintergrund, wunderte sich aber, dass sich der Mieter des Einfamilienhauses keinem Dorfverein anschloss und überhaupt keine Aussenaktivitäten stattfanden - mit Ausnahme der Rauchpausen, die sich die Besucherinnen und Besucher von Zeit zu Zeit gönnten.

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