Döttingen
Seifesüder tauschen Instrumente gegen Mühlsteine

Drei Guggenmusiker erleben Höhen und Tiefen beim Bau ihres Wagens für den Winzerumzug. Mit dem Bau der fahrbaren Mühle haben die Seifesüder Anfang September begonnen. Bis zum Umzug stehen noch viele kleinere Arbeiten an.

Britta Gfeller
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Dominik Stammbach, Patrick Muri und Lukas Graf (v.l.) arbeiten in der Abendsonne. Fotos: Angelo Zambelli

Dominik Stammbach, Patrick Muri und Lukas Graf (v.l.) arbeiten in der Abendsonne. Fotos: Angelo Zambelli

Die untergehende Sonne taucht den Stausee in ein orangefarbenes Licht. Das Wasser glitzert im Licht der letzten Strahlen. Plötzlich zerschneidet ein ohrenbetäubendes Kreischen die friedliche Abendstimmung, Funken stieben, ein beissender Geruch breitet sich aus. Patrick Muri sägt mit einer Kreissäge einen Metallwinkel zurecht. Er und seine Seifesüder-Kollegen Dominik Stammbach und Lukas Graf sind für den Bau des Winzerwagens zuständig.

Für alle etwas Neues

In einem Unterstand zwischen dem Döttinger Aarecenter und dem Aaredamm herrscht reges Treiben. Überall stehen Werkzeuge und Schachteln mit Nägeln und Schrauben herum, Verlängerungskabel sind quer über den Platz gezogen. Scheinwerfer stehen bereit, falls die Arbeit bis tief in die Nacht dauern sollte.

Auf dem niederen Wagen, der in der Mitte des Unterstands steht, prangen ein riesiges, hölzernes Mühlrad, das zwei Mühlsteine antreibt, sowie ein mit Holz verkleideter Turm. «Unser Oberthema für den Umzugswagen sind alte Handwerkerberufe. Das ist Tradition bei den Seifesüdern», erzählt Dominik Stammbach, der seit 2004 in der Guggenmusik das Horn bläst. Den drei jungen Männern, die sich vor drei Jahren mit drei Kollegen zu einem Bauteam zusammenschlossen, ist es wichtig, neben den traditionellen Elementen auch neue Ideen einzubringen. «Wir haben nachgeforscht, welcher Beruf noch nie als Sujet für einen Winzerwagen verwendet wurde», erzählt Dominik Stammbach, während er testet, ob sich die beiden Mühlsteinattrappen aus Styropor wie geplant drehen lassen. Schliesslich entschieden sie sich, dem Publikum den Müllerberuf vorzustellen.

Schnell war auch klar, dass der Schwerpunkt des Wagens mehr auf baulichen Elementen und weniger auf Blumenarrangements liegen sollte. «Wir wollen den Zuschauern etwas Einzigartiges, Grosses bieten». Hört man den drei Wagenbauern zu, merkt man bald, dass ihnen ihre Tätigkeit am Herzen liegt. Sie sind mit Eifer bei der Sache. Jeder weiss, was er zu tun hat. «Wir brauchen noch mehr Bretter für die Verkleidung», meint Dominik Stammbach zu Lukas Graf, während die beiden den halb fertigen Turm betrachten. Sechs junge Männer, die für den Wagenbau zuständig sind – ist bei den Seifesüdern der Bau des Winzerwagens reine Männersache? «Nein, nein», wehrt Dominik Stammbach lachend ab. «Die Frauen sind bei uns für den künstlerischen Teil zuständig. Das machen sie viel besser als wir.» Folgerichtig übernahm es eine Musikerin, die Holzkonstruktion mit Farbe auf Alt zu trimmen.

Gutes Zusammenspiel

Patrick Muri ist inzwischen dazu übergegangen, die Antriebsstange mithilfe der zurechtgesägten Winkel mit den Elementen, die die Mühlsteine antreiben, zu verschweissen. Währenddessen versiegelt Lukas Graf die Ritzen zwischen den Einzelteilen des Mühlrades mit Silikon. Es ist wichtig, dass das Rad dicht ist, denn sie wollen am Sonntag beim Umzug Wasser über ihr Mühlrad laufen lassen, um möglichst realitätsnah zu wirken.

Bis zum Umzug stehen noch viele kleinere Arbeiten an. Mit dem Bau der fahrbaren Mühle haben die Seifesüder Anfang September begonnen. Ein bisschen zu spät, wie sie sich heute eingestehen: «Nach unserem Zeitplan hätten wir den Wagenbau schon letzte Woche abschliessen sollen», erzählt Dominik Stammbach, «doch das ist kein Problem, wir werden schon rechtzeitig fertig». Unter der Woche opfern immer mindestens zwei der sechs Wagenbauer ihren Feierabend für den Bau, am Wochenende sind sie meist zu fünft. Ein Ansporn, sich so stark zu engagieren, ist nicht nur die Arbeit mit Kollegen, sondern die aktive Teilnahme am Winzerumzug.

Dominik Stammbach, Lukas Graf und Patrick Muri mussten aber auch Rückschläge einstecken: In der Nacht wurde an ihrem frei zugänglich abgestellten Wagen eines der Styropor-Mühlräder durch Brand mutwillig zerstört. Doch von solchen Kleinigkeiten lässt sich das Trio die Laune nicht verderben.

Ohne Fleiss kein Preis

Inzwischen ist die Sonne hinter den Hügeln untergegangen, die Luft ist kühl, es ist schon fast dunkel. Doch Dominik Stammbach, Patrick Muri und Lukas Graf arbeiten weiter bis tief in die Nacht hinein, um sicherzugehen, dass die Zuschauer am Umzugswagen genauso viel Freude haben werden, wie die Erbauer selbst.