Kreisschule Surbtal
Schulsozialarbeit: Warum sie auf Kindergarten ausgeweitet werden soll

Im Surbtal fällt am Sonntag die Entscheidung zum überregionalen Angebot.

Stefanie Garcia Lainez
Drucken
Teilen
Die Schulsozialarbeit soll möglichst früh greifen. (Symbolbild)

Die Schulsozialarbeit soll möglichst früh greifen. (Symbolbild)

Thinkstock (Symbolbild)

Vor vier Jahren wurde die Schulsozialarbeit an der Kreisschule Surbtal eingeführt. Nun soll das Angebot in Form einer überregionalen Schulsozialarbeit deutlich ausgebaut und auch auf den Stufen Kindergarten und Primar eingeführt werden. Diesen Sonntag stimmen die Gemeinden Tegerfelden, Endingen, Lengnau und Freienwil darüber an der Urne ab. Alt Grossrat Walter Deppeler (SVP) stellte kürzlich in einem Leserbrief, der von mehreren Personen mitunterzeichnet wurde, das Projekt in Frage (AZ vom 9. Dezember). Bei Befürwortern sorgt dessen Inhalt für Irritation.

Walter Deppeler kritisiert, Fakten und Zahlen für die Notwendigkeit einer überregionalen Schulsozialarbeit in der Primarschule Tegerfelden fehlten und subjektive Wahrnehmungen aus der Schule würden nicht ausreichen. Es gäbe genügend regionale, durch Steuergelder finanzierte Angebote. Ursula Deppeler von der Schulpflege Tegerfelden entgegnet: «Wir haben im Dorf keine Schulsozialarbeit auf den Stufen Kindergarten und Primar. Deshalb sind die Situationen, in denen ihre Unterstützung nützlich gewesen wäre, auf Schulebene nicht dokumentiert.» Es sei aber in den vergangenen Jahren mehrmals vorgekommen, dass sogar auf Ebene Schulpflege Hilfestellungen für Kinder und Familien in Not ausgearbeitet wurden und die Schulsozialarbeit für ausserordentliche Beratungen angefragt wurde.

Zahlreiche Kinder wären auf Hilfe angewiesen

«Zudem analysierten die Lehrpersonen der Primarschule im Auftrag der Arbeitsgruppe Überregionale Schulsozialarbeit, wie viele Fälle mit dem Schulsozialdienst angegangen worden wären», sagt sie. «Das waren zahlreiche – von leichteren bis komplexen Fällen.» Diese würden von Kindern, denen die soziale Eingliederung nicht gelingt, die unter Mobbing leiden und Kindern in Not wegen eines kranken Elternteils, Gewalt oder Schulangst bis hin zu Eltern reichen, die nicht mehr weiter wissen. «Und das schon ab Kindergartenalter.»

Deshalb sei es wichtig, so früh wie möglich die Kinder zu begleiten. So wie in Bad Zurzach, Döttingen und Klingnau. «Je früher die Intervention, desto erfolgreicher die Schulbildung», so Ursula Deppeler. Und das für die ganze Klasse: «Es wird oft ausser Acht gelassen, wie wichtig eine funktionierende Klasse für den Lernerfolg aller Schüler ist.»

Hier können die Fachpersonen unterstützen: Die Schulsozialarbeit arbeite systemisch mit Klassen, sei gut vernetzt, kenne weitere Hilfsangebote, die Schüler und Lehrpersonen vor Ort. «Der Weg zu einer Fachperson ist kurz, die Hemmschwelle klein.» Die Kinder würden ein offenes Ohr finden. «Das nimmt schon ganz viel Druck weg. Den Kontakt zu einer externen Fachstelle können sie nicht alleine schaffen.»