Leibstadt/Leuggern
Schulkinder sollen durch Schulsozialarbeit gestärkt werden

Die Gemeinden entscheiden über die Einführung der Schulsozialarbeit. Diese setzt sich zum Ziel, schulpflichtige Kinder und Jugendliche im Prozess des Erwachsenwerdens zu begleiten.

Corinne Rufli
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Schulsozialarbeit

Schulsozialarbeit

«Man kann sich als kleine Gemeinde nicht verschliessen und sagen, Probleme gibt es in unserer Schule nicht», sagt Gaby Essig. Die Leibstadter Gemeinderätin ist in der Projektgruppe, welche ein Konzept zur Einführung der Schulsozialarbeit in den Gemeinden Leibstadt und Leuggern ausgearbeitet hat.

Die Schulsozialarbeit setzt sich zum Ziel, schulpflichtige Kinder und Jugendliche im Prozess des Erwachsenwerdens zu begleiten, sie zu unterstützen und ihre Kompetenzen zur Lösung von persönlichen oder sozialen Problemen zu fördern. «Je früher man Probleme erkennt, desto besser», sagt Jeannette Knecht von der Schulpflege Leibstadt, die auch in der Projektgruppe ist.

Die Schulen sind gefordert

Im Mitteilungsblatt an die Bevölkerung der Gemeinden wurde auf den gesellschaftlichen Wandel hingewiesen, der viele Herausforderungen birgt. Das können persönliche, familiäre und gesellschaftliche Veränderungen sein, finanzieller Druck auf Familien, Migration und Scheidungen. Immer mehr Kinder und Jugendliche hätten Schwierigkeiten, zu einer starken Persönlichkeit mit eigenständiger, stabiler Identität heranzuwachsen. Dies führe zu einer Zunahme von sozialen und psychischen Problemen im schulischen Umfeld.

«Konkret können das Mobbing, Leistungsabfall in der Schule oder die erfolglose Lehrstellensuche sein», sagt Knecht. Die Gemeinden Leibstadt und Leuggern sind – wie viele andere Gemeinden – mit diesen Herausforderungen konfrontiert. In vielen Gemeinden des Kantons Aargau wurde in den letzten Jahren mit Erfolg die Schulsozialarbeit eingeführt – im Zurzibiet sind das u.a. Kleindöttingen, Döttingen, Klingnau, Koblenz. «Die Resonanz in diesen Gemeinden ist durchwegs positiv», sagt Essig.

Schulsozialarbeit soll als Ergänzungen von bestehenden sozialen Netzwerken dienen. Für die Schulsozialarbeit in Leuggern und Leibstadt soll eine 50%-Stelle geschaffen werden – Leibstadt mit 200 Schülern soll 30 Stellenprozente erhalten und Leuggern mit 140 Primarschülern 20 Prozent. Die Schulsozialarbeit soll Einzelbetreuungen bis zu Klassenprojekten anbieten.

Kinder können selber Hilfe holen

«Je besser die Kinder eine Person kennen, desto eher gehen sie auch zu ihr, wenn es Probleme gibt», sagt Knecht. «Es ist eine neutrale Person, das ist wichtig.» Der oder die Schulsozialarbeiterin soll in die Schule integriert werden und nicht warten, bis jemand an die Türe klopft.» Und Gaby Essig fügt an: «Kinder sollen eine Bezugsperson haben, der sie vertrauen. Sie können der Schulsozialarbeiterin alles sagen, ohne Konsequenzen zu befürchten, da diese Schweigepflicht hat.» Es geschehe alles freiwillig, die Kinder müssen nicht hingehen, sie können selber entscheiden, wann sie Hilfe brauchen und wollen.

Heute gehen die Kinder bei Problemen entweder zur Lehrerin oder zum Lehrer oder zur Schulleitung. Die Belastung für das Lehrpersonal nimmt dadurch zu. Deshalb ist die Schulsozialarbeit nicht nur eine Unterstützung für die Kinder sondern auch eine Entlastung für das Lehrpersonal und eine Anlaufstelle für Eltern.

Viele Vorteile für die Schule

Essig sieht noch einen zusätzlichen Vorteil: «Wenn man in einer Schule Schulsozialarbeit anbietet, findet man leichter Lehrpersonal. Der Schulstandort wird dadurch attraktiver. Junge Familien kommen eher hierher.»

Das Konzept zur Schulsozialarbeit wurde von den Gemeinderäten in Leibstadt und Leuggern abgesegnet. An der Gemeindeversammlung im November wird die Schulsozialarbeit auf der Traktandenliste stehen. Der Bruttobetrag von 63 800 Franken wird zwischen den Gemeinden aufgeteilt. Bei Zustimmung soll die Schulsozialarbeit auf Beginn des Schuljahres 2011/12 in einer 3-jährigen Projektphase eingeführt werden.

Schulsozialarbeit Infoabend für alle Interessierte. 27. Oktober, 19 Uhr, Gemeindesaal Leibstadt