Fisibach
Schule will wegen Chaos im Klassenzimmer Schüler verlegen – das geht nicht

Mitten im Schuljahr wollte die Schulpflege der Kreisprimarschule Belchen die erste und zweite Klasse von Fisibach nach Kaiserstuhl verlegen. Aber sie hatte die Rechnung ohne die Eltern gemacht – weil diese protestierten, wird der Umzug vertagt.

Samuel Buchmann
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Die Erst- und Zweitklässler aus Fisibach sollen nach Kaiserstuhl versetzt werden. (Symbolbild/Archiv)

Die Erst- und Zweitklässler aus Fisibach sollen nach Kaiserstuhl versetzt werden. (Symbolbild/Archiv)

Angelo Zambelli

Verwirrung und Unverständnis bei Fisibacher Eltern: Die Schüler der ersten und zweiten Klasse sollen künftig nach Kaiserstuhl in die Schule. Diese Verlegung plant zumindest die Schulpflege der Kreisprimarschule Belchen. Schon nach den Sportferien wollte sie die 12 betroffenen Schüler ins Nachbardorf schicken. Doch nun krebsen die Verantwortlichen zurück – sie hatten mit dem Entscheid allem Anschein nach ihre Kompetenz überschritten.

Am 17. Januar informierte die Schulpflege die Fisibacher Eltern der Erst- und Zweitklässler darüber, dass ihre Kinder in einem Monat plötzlich nach Kaiserstuhl müssen. Normalerweise verbringen sie den Kindergarten und die ersten zwei Schuljahre in Fisibach, bevor sie in der dritten Klasse den Schulort wechseln.

Gründe für den plötzlichen Umzug sind laut einem Schreiben, das der az vorliegt, «der Mangel an Austausch der Lehrerin und den weiteren Primarlehrpersonen sowie das eingeschränkte Sozialisierungs- und Lernumfeld für die mehrheitlich aus Knaben bestehende Unterstufe».

«Chaotische Zustände»

Was das heisst, erzählt ein betroffener Vater, der nicht namentlich genannt werden will, gegenüber der az. Er berichtet von Anarchie im Schulzimmer: «Als ich eine Doppelstunde besuchte, herrschten chaotische Zustände. Die Lehrerin war so sehr damit beschäftigt, aufsässige Kinder in den Griff zu bekommen, dass fürs Unterrichten der anderen kaum Zeit blieb.»

Die Lehrerin ist in diesem Fall eigentlich die Kindergärtnerin. Sie unterrichtet zwei Nachmittage pro Woche die Erst- und Zweitklässler, nur so erreicht sie ihr Vollzeitpensum. Gemäss Einschätzung des Vaters ist sie aber nicht die nötige Respektsperson für die Schüler. «Dafür kann sie nichts, schliesslich kennen die Kinder sie schon aus dem Kindergarten. Dort herrschen weniger autoritäre Verhältnisse.» Der Vater zweifelt vielmehr am Konzept, die Kindergärtnerin überhaupt für den normalen Schulunterricht anzustellen.

Er glaubt deshalb nicht, dass eine Verlegung der Klasse die Lösung ist. Denn auch in Kaiserstuhl würde sie weiterhin zwei Nachmittage von der Kindergärtnerin unterrichtet. Das bestätigt Moritz Weber, Präsident der Kreisschulpflege Belchen. Zu den Vorwürfen, die Kindergärtnerin sei nicht gleichzeitig als Lehrerin geeignet, will er keine Stellung nehmen – «Das sind Interna.»

Was darf die Schulpflege?

Der Vater wehrte sich gemeinsam mit anderen Eltern gegen den Entscheid der Schulpflege: Man drängte auf einen Elternabend, der kurzfristig Ende Januar stattfand. Als auch dieser keine Klarheit brachte, wandten sich die Eltern an den Kreisprimarschulverband Belchen – das oberste Organ der Schule.

In einem Brief forderten sie den sofortigen Abbruch der Übung. Die Begründung: Die Schulpflege hätte gar nicht die Kompetenz, eigenmächtig einen solchen Entscheid zu fällen. Dazu müsste sie zuerst einen Antrag an den Verband stellen – was sie nicht tat.

Ausser den Verfahrensfehlern führten die 23 Unterzeichnenden des Briefes auch inhaltliche Argumente gegen den Umzug ins Feld: «Der ungenügende zwischenmenschliche Austausch unter den Lehrpersonen rechtfertigt eine so kurzfristige Massnahme nicht. Die personelle Situation war bei der Anstellung bekannt.» Ausserdem würden sich die Probleme unter den Schülern auf dem Pausenplatz zusätzlich auf den langen Schulweg übertragen.

Schulpflege-Präsident Moritz Weber relativiert die angebliche Kompetenzüberschreitung: «Es handelt sich unserer Einschätzung nach um eine zeitlich befristete organisatorische Massnahme, nicht um eine Schliessung. Nur für Letztere braucht es einen Antrag an den Verbandsvorstand.»

Zudem sei das sowieso nur eine Formalität. Der Vorstand habe von den Verlegungsplänen Kenntnis gehabt und diese durchgewunken. Weber steht nach wie vor hinter dem Vorhaben: «Es ist eine wirksame Massnahme und der längere Schulweg ist für die Fisibacher Kinder zumutbar.»

Die Beschwerde zeigte auf jeden Fall Wirkung: Am Donnerstag gab die Schulpflege in einer Mitteilung bekannt, dass die Schulklasse nach den Sportferien in Fisibach bleibt. An ihrem Plan hält die Behörde jedoch fest.

Der nun ordnungsgemässe Antrag kommt bei der nächsten Sitzung des Verbandsvorstands auf den Tisch. «Das ist nach der Einsprache sicher gut so, danach herrscht endgültig Klarheit», so Weber.

Die Sitzung findet am 17. Februar statt. Dann wird erneut darüber beraten, ob die Fisibacher Kinder künftig einen längeren Schulweg auf sich nehmen müssen.