Schöftland/Tegerfelden
Schöftler Kleinwasserkraftwerk wird deutlich übertrumpft

Eine Zurzibieter Firma trägt mit einem neuen Forschungsprojekt zur Energiewende bei. Eine neue Anlage soll zu einem hohen Wirkungsgrad führen - gar doppelt so hoch als beim Schöftler Wasserwirbelkraftwerk.

Nadja Rohner
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Wasserwirbelkraftwerk
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So funktioniert ein Wasserwirbelkraftwerk.
Dittingen, Duggingen und Dornach: Hier plant eine EBM-Tochterfirma Wasserwirbelkraftwerke. SWISSTOPO/Adank

Wasserwirbelkraftwerk

HO

Gross war das Aufsehen, als das Wasserwirbelkraftwerk an der Suhre in Schöftland vor fünf Jahren ans Netz ging. Experten aus aller Welt interessierten sich für das Projekt der Genossenschaft Wasserwirbelkraftwerke Schweiz. Dabei ist sein Wirkungsgrad mit 35 Prozent recht bescheiden.

In Zukunft könnten solche kleinen Wasserwirbelkraftwerke aber effizienter betrieben werden: Die Tegerfelder Firma Vorteco AG hat in einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit der Luzerner Hochschule eine Anlage entwickelt, mit der ein hydraulischer Wirkungsgrad von mindestens 80 Prozent erreicht werden kann – rund doppelt so hoch, wie beim Schöftler Kraftwerk. Möglich macht dies unter anderem ein neuer Rotor.

So funktioniert das Kraftwerk

Das Prinzip von Wasserwirbelkraftwerken ist dasselbe wie bei einer Badewanne. Das Wasser fliesst in ein Sammelbecken, an dessen Boden sich eine Öffnung befindet. Der Falldruck lässt das Wasser durch die Öffnung abfliessen. Dabei entsteht ein Wasserwirbel, der eine Turbine in Bewegung setzt – und aus dieser Rotor-Bewegungsenergie wird Strom gewonnen.

Die Kraftwerke können an Gewässern mit geringen Fallhöhen von 1 bis 2 Metern und Wassermengen von 0,5 bis 20 m/s realisiert werden. Das klingt einfach und praktisch – aber unumstritten sind diese Kleinwasserkraftwerke nicht. Kritiker sagen etwa, solche Anlagen seien nicht effizient genug und eine Gefahr für Fische.

«In der Schweiz ist es nicht einfach, solche Kraftwerke zu bauen und kostendeckend zu betreiben», sagt Vorteco-Mitinhaber Claude Urbani. «Einerseits sind die Baukosten hoch und die Energiepreise tief. Andererseits ist es schwierig, vom Bund die kostendeckenden Einspeisevergütungen (KEV) zu erhalten.»

Zudem müssten zahlreiche ökologische Auflagen und hohe elektrische Produktionsleistungen erfüllt werden. Das sei auch der Grund, weshalb im Wasserkanton Aargau «nicht mehr viel Potenzial für solche Kraftwerke vorhanden ist, obwohl sie technisch gesehen noch an einigen Standorten gebaut werden könnten».

Zwei Anlagen geplant

Trotz aller Hindernisse: Derzeit sind Anlagen in Bremgarten und Opfikon geplant. «Sie bewegen sich in einer Grössenordnung, in welcher sie einigermassen rentabel betrieben werden können», so Urbani. Die Anlage in Bremgarten soll mit einer Stromproduktion von rund 1 Millionen Kilowattstunden pro Jahr den Energiebedarf von 200 bis 250 Haushalten decken. Derzeit befinden sich die Projekte in der Konzessionsphase. Die Anlagen würden mit der neusten Technologien aus dem Forschungsprojekt ausgestattet.

Produziert werden ihre Teile, wie zum Beispiel die Rotoren, von der Heinz Baumgartner AG in Tegerfelden. Die Zurzibieter Firma ist ein Zulieferbetrieb der Maschinenbaubranche und Hauptaktionärin der Vorteco. Mitinhaber und Geschäftsführer Erwin Baumgartner sitzt im Vorteco-Verwaltungsrat. Er ist für sein Interesse an Energiefragen bekannt und ortet ein «grosses Potenzial für diese Art der Stromproduktion» – in der Schweiz, aber vor allem weltweit. «Es geht nicht darum in unverbauter Natur eine Nutzung der Wasserkraft zu erzwingen», stellt Baumgartner klar. «Vielmehr sehe ich im Ersatz von bestehenden Anlagen und bei neuen Anlagen in bereits verbautem Gebiet viel Potenzial.»

Die Vorteco AG will ihre Technologie nun auch dort einbringen, wo es sich billiger und rascher bauen lässt: im asiatischen und südamerikanischen Raum. «Dort sind mit standardisierten Anlagen, niedrigen Baukosten sowie schnelleren Bewilligungsverfahren kostengünstige und wirtschaftliche Kleinwasserkraftwerke ideal realisierbar», so Claude Urbani. Zudem hofft er, dass die Schweizer Politik im Hinblick auf die Energiestrategie 2050 umdenkt. «Macht es Sinn, Kleinwasserkraftwerke politisch zu blockieren – wo wir doch zeigen, dass sie dank neuester Technologie effizient genutzt werden können und wirkungsvoll zur Energiewende beitragen?»

Potenzial an Wigger und Aabach

Der Kanton Aargau begrüsse grundsätzlich den Bau solcher kleinen Wasserwirbelkraftwerke – aber nicht bedingungslos, sagt Benno Schmid, Sprecher des Departements Bau, Verkehr und Umwelt: «Die Erfahrungen mit dem bestehenden Wasserwirbelkraftwerk helfen bei der Bearbeitung zukünftiger Projektgesuche.»

Aus Sicht des Kantons bewähre sich das Schöftler Wasserwirbelkraftwerk – von den Betreibern als Pilotprojekt deklariert – nicht. «Die Effizienz liegt unter den Erwartungen und der Nachweis für die Fischgängigkeit beim Kraftwerk ist ausstehend.» Zudem sei die Anlage störanfällig. «Konzepte mit kompakteren Anordnungen und guten Gesamtwirkungsgraden sind vielversprechender. Es existieren Projektideen für Pilotanlagen an Reuss und Wigger, deren Effizienz und Ökologie deutlich verbessert erscheinen.»

Im Richtplan des Kantons Aargau ist festgelegt, welche Gewässer für die Wasserkraftnutzung in Betracht kommen. «Die Flüsse Rhein, Aare, Reuss und Limmat werden bereits sehr gut genutzt», sagt Schmid. «Vereinzelt gibt es Optimierungspotenzial bei bestehenden Wasserkraftwerken.» Nicht genutzte Flussabschnitte an Rhein und Reuss sind Teil nationaler oder kantonaler Schutzgebiete – dieser Schutz hat Vorrang vor einer Nutzung. «Potenzial für zusätzliche Wasserkraftnutzung besteht an der Wigger inklusive Tych, am Rothbachkanal, an der Suhre unterhalb Schöftland und am Aabach. Hier hat die Nutzung Vorrang. Für alle anderen Bäche hat die Ökologie mit Längsvernetzung primär Vorrang.»