Lengnau
Schallende Ohrfeige für den Gemeinderat: «Eine grosse Enttäuschung für uns»

Klarer Sieg für das Referendumskomitee: Die Stimmbürger sagen Nein zum Kredit für die neue Zentrums- und Dorfplatzentwicklung.

Andreas Fretz
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Abgelehnt: Der 220000-Franken-Kredit für das Testplanverfahren von Rietwise (r.) bis Bleiwiese (l.).

Abgelehnt: Der 220000-Franken-Kredit für das Testplanverfahren von Rietwise (r.) bis Bleiwiese (l.).

T. FURRER, IRL, ETHZ 2016

Roland Bächli von Referendumskomitee ist gerade auf dem Neuenburgersee am Segeln, als ihn die frohe Botschaft erreicht. «Sensationell», sagt er. Mit 640 zu 340 Stimmen haben die Lengnauer das Referendum gegen die Zentrums- und Dorfplatzentwicklung angenommen. Der veranschlagte Kredit über 220'000 Franken für das Testplanverfahren wurde damit abgelehnt. «Das ist eine deutliche Niederlage für den Gemeinderat», sagt Vizeammann Martina Frei, die nicht mehr zu den Gesamterneuerungswahlen angetreten war. «Wir müssen das Resultat akzeptieren, auch wenn es für uns eine grosse Enttäuschung darstellt.» Die Stimmbeteiligung lag bei guten 54 Prozent.

Der Streit über den Kredit war bereits an der Herbst-Gmeind entbrannt. Zu teuer und mit zu grosser Kelle angerührt sei das Projekt für ein Dorf wie Lengnau, so die Gegner. Statt des umfassenden Testplanverfahrens mit einem Perimeter von Rietwise bis Bleiwiese votierte das Komitee für einen Wettbewerb mit kleinen, kostengünstigeren Teilprojekten.

Martina Frei findet nicht, dass der Gemeinderat mit zu grosser Kelle angerührt habe, räumt aber ein: «Das moderne, noch relativ unbekannte Testplanverfahren ist ein komplexer Vorgang und für die Stimmbürger nur schwer nachvollziehbar. Deshalb war es auch schwer zu vermitteln. Wenn etwas zu komplex ist, sagen die Leute tendenziell eher Nein. Für die Stimmbürger erschienen die 220'000 Franken als zu hoher Betrag.»

Roland Bächli macht dem Gemeinderat den Vorwurf, dass er früher zu einer Info-Veranstaltung hätte einladen sollen. «Die Kommunikation war nicht ideal und es wurde zu viel in das Projekt reingepackt.» Und: «Wie finanziert Lengnau so etwas?» Nachdem das Referendum schnell und problemlos zustande gekommen war, «habe ich gewusst, dass viele auf unserer Seite sind. Aber mit einem so klaren Resultat hätte ich nicht gerechnet».

Die Gegner ins Boot holen

Wie geht es nun weiter mit der Zentrums- und Dorfplatzentwicklung? Ammann Franz Bertschi sagte im Vorfeld, es gebe keinen Plan B. «Wir werden die Niederlage im Gremium in aller Ruhe besprechen und überlegen, wie es weitergehen soll», sagt Frei. Klar ist: «Nichts machen ist keine Option.» Frei kündigt an, dass der Gemeinderat das Referendumskomitee ins Boot respektive in die Verantwortung nehmen will. «Wir möchten wissen, was die konkreten Ideen der Gegner sind.» Bächli freut diese Ankündigung: «Wir sind gerne zu einer Zusammenarbeit bereit. Das ist es, was wir uns gewünscht haben.»