Döttingen
Schädling verursacht mühsame Mehrarbeit beim Wümmet

Die Winzer müssen von der Kirschessigfliege befallene Beeren einzeln entfernen. Doch der zusätzliche Aufwand lohnt sich: Ohne sie würde der Wein einen Essiggeschmack annehmen und wäre nicht verkäuflich.

Angelo Zambelli
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Winzer Otto Zimmermann (links) hat das Traubengut angeliefert. Mandred Widmer und Andreas Fsicher von der Genossenschaft befördern die Trübel via einen Schacht in den Keller.

Winzer Otto Zimmermann (links) hat das Traubengut angeliefert. Mandred Widmer und Andreas Fsicher von der Genossenschaft befördern die Trübel via einen Schacht in den Keller.

Angelo Zambelli

Seit zwei Wochen läuft der Wümmet im Unteren Aaretal auf vollen Touren. In Döttingen sind die weissen Trauben zum grössten Teil gelesen und in die Trotte gebracht. Das rote Traubengut sei zu einem Viertel gelesen, sagt Benno Wäger, bis Ende des Jahres Geschäftsführer der Genossenschaft.

Die restlichen drei Viertel hängen noch und werden je nach Wetter in den nächsten zwei Wochen gelesen und «verflüssigt».

Insgesamt liefern die 14 in der Genossenschaft zusammengeschlossenen aktiven Winzer gegen 70 Tonnen Traubengut in die Trotte.

Weinbaugenossenschaft Döttingen: 102-jährig und immer noch zeitgemäss

Am 15. Dezember 1912 gründeten 51 Mitglieder die Landwirtschaftliche Konsumgenossenschaft Döttingen als «Firma auf unbestimmte Zeit». In ihren Anfängen verfolgte sie das Ziel, die wirtschaftlichen Verhältnisse der Mitglieder mit verschiedenen Massnahmen zu verbessern. Dazu gehörten «die preisgünstige und fristgerechte Vermittlung eines bedarfsgerechten Sortiments qualitativ hochwertiger Artikel des land- und hauswirtschaftlichen Bedarfs», die Beschaffung und Vermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse sowie die Durchführung von Kursen, Vorträgen sowie von kulturellen und geselligen Anlässen. Hohe Gewinne standen nie im Vordergrund, obwohl gute Geschäftsabschlüsse für den Weiterbestand der Genossenschaft unerlässlich waren. Mitglied konnte werden, wer im Wirtschaftsgebiet wohnte, handlungsfähig war und in bürgerlichen Ehren und Rechten stand.

1938 übernahm die Genossenschaft von den Mitgliedern zum ersten Mal Wein: 4870 Liter für 4547 Franken. Ein Jahr später wurden im Interesse der Qualität nur noch Trauben angenommen. 1959 erfolgte die Namensänderung in «Weinbau- und Landwirtschaftliche Konsumgenossenschaft Döttingen». Die Anstrengungen zur Verbesserung der Weinqualität trugen 1964 erstmals Früchte: An der Expo in Lausanne wurden die Jahrgänge 1959, 1960 und 1962 mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Ihnen sollten zahlreiche weitere Jahrgänge folgen. (Za)

Zu schaffen gemacht hat den Zurzibieter Winzern weniger das Wetter als die Kirschessigfliege. Das aus Asien stammende Insekt hat erstmals grössere Schäden in den Schweizer Rebbergen angerichtet.

Aus Asien eingeschleppt

Die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) wurde 2008 nach Europa eingeschleppt und befällt Weichobstarten sowie Beeren und wilde Pflanzen.

Aufgrund des milden Winters und des feuchten Sommers konnte sich die Population der Fliege stark entwickeln. Der Fruchtbefall führte in zahlreichen Kulturen zu massiven Ertragsausfällen und zwingt die Winzer und ihre Helferinnen und Helfer zu erheblicher Mehrarbeit.

Alle von der Kirschessigfliege befallenen Beeren müssen in mühsamer Handarbeit vom «Trübel» entfernt werden. Würde dieser Aufwand nicht geleistet, hätte der Wein einen Essiggeschmack und wäre nicht zu verkaufen.

Laut dem Urteil von Fachleuten dürfen die Schweizer Winzer nicht darauf hoffen, dass es beim einmaligen Befall bleibt. Sie müssen sich darauf einstellen, dass die Kirschessigfliege weiterhin auftritt und über einen längeren Zeitraum bekämpft werden muss.

Anlaufstation Trotte

Zwei Wochen vor dem Winzerfest und zwei Wochen danach ist die Trotte der Weinbaugenossenschaft im Chilbert Anlaufstelle für die Döttinger Winzer, die nicht nur Zulieferer sind, sondern gleichzeitig auch Besitzer der Genossenschaft.

Nach der Ablieferung wird das Traubengut gepresst und in grosse Stahlbehälter geleitet. Der Weinausbau erfolgt im grossen Eichenfass, im kleineren Barrique oder im Edelstahltank.

Sieben Lagen

Das Traubengut stammt aus verschiedenen Lagen an den sonnigen Hängen des unteren Aaretals. Dank der topografischen Ausrichtung Richtung Südwesten zählen die Döttinger Rebberge zu den niederschlagsärmsten Gebieten der Schweiz.

Die tiefgründigen, schweren Tonböden mit hohem Muschelkalkanteil verleihen den Döttinger Weinen Charakter, Kraft und Harmonie.

Die Döttinger Rebfläche umfasst 17 Hektaren, verteilt auf sieben Lagen: Sänneloch, Lee, Lustgarten, Eichhalde, Nusshalde, Schluche und der auf Klingnauer Boden liegende Probstberg..

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