Bad Zurzach
Saisonstart: Das Freibad in Bad Zurzach ist die Nummer 1 der Schweiz

Für die kommenden Tage sind nochmals kühlere Temperaturen angekündigt. Dennoch hat die erste Badi bereits geöffnet. Es ist das Regibad in Bad Zurzach. Schwimmen bei 8 Grad Lufttemperatur. Ein Selbstversuch zum Saisonstart.

Rosmarie Mehlin (Text und Foto)
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Schwimmen an Ostern im Regibad in Bad Zurzach: Statt der Sonne leuchtet die Uhr.

Schwimmen an Ostern im Regibad in Bad Zurzach: Statt der Sonne leuchtet die Uhr.

«Das erste Freibad in Deutschland ist aus der Winterpause zurück.» Es war Freitag, der 26. Februar, als der Südwestfunk diese Meldung verbreitete und die ARD-Tagesschau den Bild-Beweis dazu lieferte, dass sich tatsächlich Schwimmer bei 6 Grad Lufttemperatur munter im 27 Grad warmen Wasser tummelten.

Keine Meldung wert

Vier Wochen später, am Freitag, dem 25. März, als sich das Regibad Zurzach als erstes Freibad der Schweiz, aus der Winterpause zurückmeldet, herrscht bezüglich News-Verbreitung tote Badehose – nicht aber im Regibad. Um 10 Uhr wird die Drehschleuse beim Eingang offiziell geöffnet. Bereits eine Viertelstunde früher treten die ersten Schwimmhungrigen nervös von einem Bein aufs andere. Der Anblick lässt das Herz von Betriebs-Kommissions-Präsidentin Monika Dietsche so sehr höher schlagen, dass sie ihnen flugs verfrüht Einlass gewährt. Gratis – wie für sämtliche Besucher am Eröffnungstag.

Von der Redaktion zum Selbstversuch abkommandiert, erreichte ich den Tatort winterlich verpackt. Die Garderobe lasse ich erst mal grosszügig rechts liegen: Rollkragenpulli, Pudelmütze und Jeans gegen Bikini tauschen. Bin ich denn von allen guten Geistern verlassen? Staunend passiere ich das Trampolin das, mit fast fünf Metern Hüpffläche, als Neuerung dasteht. Der Himmel wölbt sich Grau-in-Grau, statt der Sonne strahlt bloss die leuchtendgelbe Schwimmbaduhr aufs Wasserblau im Chromstahl-Schwimmerbecken. Darüber schweben weissliche Dampfwölkchen und darin – es ist mittlerweile 10.20 Uhr – sind 21, durchs Wasser pflügende Köpfe auszumachen. Die einen, maskiert mit Schwimm-Haube und –Brille, in rekordverdächtigem Tempo, andere bewegen sich so gemächlich, als würden sie ihre Gesichter nicht in ein acht Grad kühles Lüftchen recken.

Hey, s’ isch herrlich»

Mich meines Auftrag erinnernd, habe die wärmenden Hüllen inzwischen gegen viel nackte Haut eingetauscht. «Hey, s’ isch herrlich», locken die Sirenen, als ich den Bademantel im Garderobenhäuschen deponiere und gänsehäutig aufs Becken schiele. Lachend entsteigt ein Mann gesetzten Alters den Fluten und stellt sich unter die Kaltwasser-Dusche. Ist er des Wahnsinns kesse Beute?

Warm ums Herz

Ich nehme die Warmwasser-Dusche, halte kurz den Atem an und stürze mich etwa ins Verderben? Mitnichten! Wohlige 26 Grad erwarten mich, dass mir ganz warm ums Herz wird. Nur die Nasenspitze fühlt sich während meinen Brustschwumm-Längen etwas kühl an. Bei den 50 Metern Crawl komme ich nicht umhin dem Kaltduscher recht zu geben: Hey, s’ isch tatsächlich herrlich!

Schwimmen unter freiem Himmel – egal ob der grau oder blau ist – macht definitiv mehr Spass als im Hallenbad. Dass nicht nur ich dieser Meinung bin ist unübersehbar, als ich das Bad in Rollkragen und Pudelmütze wieder verlasse: Beim Eingang steht eine Reihe von Schwimmhungrigen und die beiden Damen im Kassenhäuschen haben alle Hände voll zu tun mit dem Ausstellen von Saisonabonnements. 182 grosse und kleine Freiluft-Wasserratten geniessen schliesslich bis Badeschluss um 18 Uhr den Eröffnungstag der Regibad-Saison 2016.