Weltall-Philatelie
Sackmesser und Skiferien für gestempelte Briefe aus dem All

Dieter Falk aus Klingnau sammelt Weltraumbriefe. Warum Kosmonauten freundlich zu ihm sind und wovon er träumt.

Mario Fuchs
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Dieter Falk mit Brief und Beweisfoto von der Internationalen Raumstation ISS.

Dieter Falk mit Brief und Beweisfoto von der Internationalen Raumstation ISS.

Die Reise von der Startrampe in die Umlaufbahn des Dieter Falk ist kurz: Man fährt im Lift in den fünften Stock. Von hier oben hat Falk, 80, beste Aussicht auf Klingnau. Und hier oben in seiner Wohnung hat sich der gebürtige Berliner, der bis zur Pensionierung als Möbelentwickler bei De Sede gearbeitet hatte, seinen ganz eigenen Kosmos eingerichtet: Er ist Mitglied der Schweizer Gesellschaft der Weltall-Philatelisten. Am 4. November 1957 sah er zufällig am Mailänder Nachthimmel Sputnik 1. Der sowjetische Satellit war der allererste, der eine Erdumlaufbahn erreichte. Falk erinnert sich: «Plötzlich hat man etwas vorbeifliegen sehen. Für die Leute war klar: Das muss er sein. Ich bin mir aber bis heute nicht sicher, es könnte auch die dritte Stufe der Rakete gewesen sein.» Auf jeden Fall war es die Initialzündung für Falks Sammelleidenschaft.

Inzwischen besitzt er weit über 100 «Weltraumbriefe». Die Spezialcouverts tragen meist Sondermarken der jeweiligen Missionen. Falk musste für jedes Exemplar einen Astronauten fragen, ob er seinen Brief «mit hinauf nimmt». An Bord wurde die Post mit einem Spezialstempel abgestempelt. Nur der Kommandant darf das. Die Stempel, die im Orbit gemacht werden und jene, die nach der Rückkehr auf alles kommen, das «oben war», bestätigen die Echtheit. Manchmal legen die Astronauten ein Foto vom Brief in der Raumstation bei, schreiben ein paar Sätze dazu.

Mehrmals war Falk im russischen «Sternenstädtchen», der Wohnsiedlung und Ausbildungsstätte der Kosmonauten. Viele kennt er persönlich. Astronauten, sagt er, seien unabhängig ihrer Nation «ganz normale Menschen»: «Sehr kontakt- und mitteilungsfreudig, die haben nichts überheblich Heldenhaftes.» Oft seien die Kinder der Raumfahrer auch Weltall-Philatelisten: «Sie sammeln alles, worauf ihr Papi zu sehen ist.» So geniesse sein Hobby viel Verständnis. Im Gegenzug luden die Sammler Kosmonauten zu Skiferien auf der Lenzerheide ein. Nasa-Astronaut Norman Thagard schreibt nach Klingnau: «Thanks for the Swiss Army Knife!» Heute sei es schwieriger geworden, «Briefträger» zu finden: Die Jungen kenne er nicht mehr und Schweizer Schokolade oder Jeans könne man jetzt auch in Russland kaufen. Zudem hätten manche die Leidenschaft als «blühendes Geschäft» entdeckt. Selber habe er keinen einzigen Brief verkauft: «Ich habe doch so Freude! Was soll ich mit Geld?» Einen Traum aber hat Falk noch: Er würde gerne im russischen Weltraumbahnhof Bajkonur einen Start erleben. Momentan sei Reisen schwierig – die Gesundheit. «Nächstes Jahr vielleicht.»