Surbtal
Roy Oppenheim übt Kritik an Lengnauer Dorfmuseum

Der Lengnauer Publizist Roy Oppenheim äussert sich kritisch zum Umgang der Surbtalgemeinden mit der jüdischen Vergangenheit. Er meint, die jüdische Vergangenheit werde zu wenig thematisiert.

Pirmin Kramer
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Roy Oppenheim: «Es bräuchte Unternehmergeist und Fantasie.»Archiv/BY

Roy Oppenheim: «Es bräuchte Unternehmergeist und Fantasie.»Archiv/BY

Der Lengnauer Publizist Roy Oppenheim äussert sich kritisch zum Umgang der Surbtalgemeinden mit der jüdischen Vergangenheit. «Von einem Dorfmuseum erwartet man die Darstellung der eigenen Dorfgeschichte und nicht beliebige Ausstellungen», schreibt Oppenheim im Gemeinde-Mittelungsblatt «Surbtaler».

«Denn wenn Lengnau und Endingen etwas Besonderes, Einmaliges zu bieten haben, dann ist dies die über 300 Jahre dauernde Emanzipationsgeschichte der Schweizer Juden.» Das Interesse an der einmaligen und einzigartigen Geschichte sei nach wie vor gross. «Dafür wäre im Grunde das Dorfmuseum zuständig.»

Das Dorfmuseum sei kein klassisches Dorfmuseum, sondern eine Kulturplattform, der Name sei in diesem Fall irreführend, sagten Vertreter der Institution gegenüber dem «Regionaljournal» des Radio SRF.

Namensänderung überlegt

Stiftungsratspräsidentin Nelly Albiez erklärt, man habe sich mehrmals überlegt, den Namen zu ändern. «Weil das Dorfmuseum in Lengnau aber ein Begriff und es hier verankert ist, haben wir uns gegen eine Namensänderung entschieden.»

Oppenheim kritisiert auch das Gewerbe. «Alljährlich reisen mehrere tausend Menschen ins Surbtal. Die Besucher staunen über dieses Welterbe der Kultur, dass dank gütlicher Fügung in der Schweiz erhalten geblieben ist.»

Die Geschichte Endingens und Lengnaus könnte dem Gewerbe auch wirtschaftlichen Mehrwert bringen, Geschäfte und Gasthäuser würden wieder aufblühen.

«Es bräuchte ganz einfach etwas Unternehmergeist und Fantasie. Wir haben deshalb den hiesigen Wirten und Bäckern vorgeschlagen, als zusätzliche Attraktion auch jüdische Speisen anzubieten. Niemand zeigt daran Interesse.»

«Grosses finanzielles Risiko»

Die Bäckerei Alt aus Endingen teilt mit, man habe nie eine solche Anfrage erhalten. Ein Problem sei, dass man im normalen Backofen keine koscheren Speisen backen könne, weil Milch- und Fleischprodukte nicht in Berührung kommen dürften.

Paul Hediger, Präsident des Surbtaler Gewerbevereins: «Die Idee von Roy Oppenheim ist gut, aber uns Unternehmer müssten Investitionen tätigen und grosse finanzielle Risiken eingehen, wollten sie jüdische Speisen anbieten.»

Auf Verständnis stösst Oppenheim beim Endinger Ammann Lukas Keller. «Jährlich besuchen mehrere tausend Menschen Endingen und Lengnau wegen der jüdischen Vergangenheit. Man könnte dieses Potenzial tatsächlich besser ausschöpfen.»

Er würde sich wünschen, dass ganz offen und unverkrampft über die Möglichkeiten diskutiert werden könnte, die jüdische Geschichte mit ihren vielen Facetten einer breiten Besucherschaft darzustellen.

Wegen der nahen Zurzacher Messe und des Marktes in Baden siedelten sich ab dem 17. Jahrhundert jüdische Händler in Endingen und Lengnau an. Ab 1776 war die beiden Dörfer die einzigen Orte der Eidgenossenschaft, wo sich Juden niederlassen durften.

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