Bad Zurzach
Roter Teppich und Wursten: Einkaufen gegen den Franken-Blues

Durch die Euro-Mindestkurs-Aufhebung wurden die Grenzgebiete hart getroffen. Mit einem Night Shopping will der Kurort jetzt aus der Krise.

Nicola Imfeld
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Die Schwertgasse in Bad Zurzach 2009: Bereits damals litt das Gewerbe unter dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld. az/Archiv

Die Schwertgasse in Bad Zurzach 2009: Bereits damals litt das Gewerbe unter dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld. az/Archiv

Heisses Sommerwetter und zehn Sonnenstunden am Tag: Auch im Zurzibiet kann man sich über einen schönen Spätsommer freuen. Der Arbeitsalltag nach den Ferien dürfte so vielen einfacher gefallen sein. Doch nicht für alle scheint die Sonne: Das Gewerbe in Bad Zurzach leidet immer noch unter dem starken Franken.

Rund eineinhalb Jahren ist es her, seit die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Euro-Mindestkurs aufhob und damit unter anderem die Schweizer Grenzgebiete in eine Krise stürzte. «Wir leiden immer noch unter dem starken Franken», sagt Josef Haus, Co-Präsident des Gewerbevereins Rheintal-Studenland. Zwar habe sich die Situation in den ersten beiden Quartalen dieses Jahres etwas beruhigt, doch die Lage sei weiterhin ernst. «Immerhin musste in diesem Jahr kein Laden mehr schliessen», sagt Haus.

Um den tristen Shopping-Alltag zu durchbrechen, organisiert der Gewerbeverein mit den Läden in der Bad Zurzacher Altstadt eine Shopping Night, wie man es sonst aus grossen Städten kennt. Morgen Abend bleiben Detaillisten und Gastrobetriebe bis 23 Uhr geöffnet.

«Alle Läden haben spontan zugesagt und sind mit viel Enthusiasmus dabei», sagt Haus. Die erste Shopping Night in Bad Zurzach soll Kunden aus dem ganzen Zurzibiet anlocken. Entsprechend aufwendig wurde die Veranstaltung beworben. Haus: «Wir haben Flyer verteilt, grosse Banner in der ganzen Region aufgehängt und auf Social Media die Werbetrommel gerührt.»

Roter Teppich in der Schwertgasse

An der ersten Shopping Night geht es nicht alleine ums Einkaufen. Vielmehr sollen die Besucherinnen und Besucher den Standort Bad Zurzach entdecken. Die 25 Geschäfte haben sich nicht lumpen lassen und locken die Gäste mit einer Vielzahl an Attraktionen an. So zum Beispiel die Metzgerei Arnold, die zwischen 19 und 22 Uhr ein «Show-Wursten» veranstaltet, oder die Bäckerei Mor, welche zu einer Nacht der offenen Tür einlädt.

Highlight des Abends wird eine Modeschau in der Schwertgasse sein: Die Mode-Boutique «Linea Franca», präsentiert zusammen mit dem «Haarstudio Fabienne» und «NM Kosmetik» die neusten Modetrends. «Dafür werden wir einen roten Teppich ausrollen», sagt Haus stolz.

Für die Kinder gibt es nach einem Minigolf-Spiel ein gratis Softeis und eine erlebnisreiche Hüpfburg. Auch Schnäppchenjäger sind am Freitag im Flecken am richtigen Fleck. «Rund die Hälfte der Geschäfte haben Rabatt-Aktionen angekündigt», sagt Haus. Das Bastelzentrum Wundertüte wird seine Waren teilweise sogar um die Hälfte reduzieren.

Vision von verkehrsfreier Strasse

Inwiefern das Hollywood-Feeling, die Hüpfburg und die tiefen Preise Besucher anlocken, wird sich morgen weisen. Erfahrungsgemäss kommen an solch spezielle Veranstaltungen immer viele Menschen, wie Josef Haus weiss. Der Zurzibieter ist schon lange für den Gewerbeverein tätig und kennt die Situation in Bad Zurzach bestens.

Er träumt von einer verkehrsfreien Flaniermeile und vielen Einkaufstouristen. Visionen – die eine Erholung des Frankens voraussetzen. «Wir hoffen, dass sich die Lage bis Ende Jahr weiter verbessert. Es ist wichtig, immer wieder Anlässe zu organisieren, damit uns die Bewohner aus dem Zurzibiet nicht vergessen», sagt Haus.

Die Shopping Night soll nicht eine einmalige Veranstaltung bleiben. «Wenn der Event gut ankommt, können wir uns eine regelmässige Shopping Night vorstellen», sagt Haus. Vielleicht scheint die Sonne morgen Abend auch für das regionale Gewerbe.