Atomenergie
AKW Leibstadt produziert erst im Dezember wieder Strom – verfügt dann aber über eine höhere Leistung

Die eingeplanten fünf Monate reichen nicht aus: Wegen Verzögerungen wird die Revision am Kernkraftwerk länger dauern als geplant.

David Rutschmann/Südkurier
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Seit Ende Mai steigen keine Dampfwolken mehr aus dem Kühlturm des Kernkraftwerks Leibstadt. Die Anlage befindet sich in der Jahreshauptrevision.

Seit Ende Mai steigen keine Dampfwolken mehr aus dem Kühlturm des Kernkraftwerks Leibstadt. Die Anlage befindet sich in der Jahreshauptrevision.

Archivbild September 2021: Severin Bigler

Die Revisionsarbeiten am Atomkraftwerk Leibstadt dauern länger als geplant. Die seit Ende Mai laufende Jahreshauptrevision im Atomkraftwerk am Hochrhein war ursprünglich für fünf Monate anberaumt gewesen und hätte daher Ende Oktober abgeschlossen werden sollen.

Nun teilt das Unternehmen auf seiner Webseite allerdings mit, dass die Revision doch bis Anfang Dezember dauern wird. Erst dann wird die Stromproduktion im leistungsfähigsten Atomkraftwerk der Schweiz, das laut eigenen Angaben 14 Prozent des einheimischen Strombedarfs deckt, wieder aufgenommen werden.

Doch wieso kommt es zur Verzögerung bei den Revisionsarbeiten? Laut Auskunft von Thomas Gerlach, Mediensprecher im Kernkraftwerk Leibstadt, habe sich erst vor wenigen Wochen abgezeichnet, dass der anvisierte Zeitplan nicht eingehalten werden könne. Thomas Gerlach sagt: «Die Verzögerung betrifft die Installation von Kleinleitungen am Umwälzsystem. Das sind sehr viele Einzelarbeiten, die deutlich länger dauern als gedacht. Aufgrund beschränkter Platzverhältnisse lassen sich die Arbeiten auch nur beschränkt beschleunigen.»

Ersatzstrom muss beschafft werden

Er merkt an, dass es sich bei der aktuellen Jahresrevision, welche länger dauert als in den Vorjahren, um «ein einmaliges Modernisierungsprojekt» handle. So wurden der Turbinenkondensator und das Reaktorumwälzsystem des 1984 ans Netz gegangenen Kernkraftwerks ausgetauscht. Der Austausch des Turbinenkondensators soll eine Leistungssteigerung um 10 auf 1285 Megawatt bringen, wie die AZ im April 2020 berichtete.

Die anfallenden Aufgaben seien eben nicht einfach nur Routine, was eine gewisse Unberechenbarkeit mit sich bringe. «Unsere Gegenmassnahmen konnten den Verzug nicht kompensieren. Vergangene Woche dann haben wir die Energiehändler über die Verlängerung bis Anfang Dezember informiert», erklärt Gerlach.

Für die Schweizer Energiehändler bedeutet das: Sie müssen sich nun kurzfristig anderweitig Strom besorgen. «Die Produktion des Kernkraftwerks Leibstadt ist bereits verkauft. Wir müssen für die Zeit, in der das Werk zusätzlich still steht, Ersatz beschaffen. Die Kosten können wir allerdings erst konkret beziffern, wenn der Ersatz beschafft ist», sagt Noël Graber, Mediensprecher von Axpo – der Energiekonzern besitzt die Mehrheit der Anteile am AKW. Auch beim Kernkraftwerk Leibstadt selbst werden die Kosten durch die Verlängerung der Revision deutlich steigen.

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