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Reifenwechseln in Deutschland sorgt bei Garagisten an der Grenze für «kritische Situation»

Da viele Schweizer ihre Reifen in Deutschland wechseln, kämpfen die hiesigen Garagisten mit Umsatzeinbussen. Doch sie erzählen auch von Kunden, die als gebrannte Kinder zurück kamen und von einer Trendwende.

Stefanie Garcia Lainez
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Wer sich die Reifen im Ausland wechseln lässt spart. (Symbolbild)

Wer sich die Reifen im Ausland wechseln lässt spart. (Symbolbild)

Bruno Kissling

Mit Sommerpneus nach Deutschland fahren und mit Winterreifen zurückkommen: So mancher Schweizer steht dafür an der Grenze im Stau. Was ein kleiner Gewinn fürs Portemonnaie ist, bedeutet einen grossen Verlust für die hiesigen Garagisten entlang der Grenze.

«Die Situation ist kritisch für uns», sagt etwa der Mechaniker der Garage Vogel in Bad Zurzach, 500 Meter von der Grenze entfernt. Der Umsatz hat sich innerhalb von fünf Jahren um rund die Hälfte reduziert. Heute wechselt der Mechaniker einen Viertel weniger Reifen wegen der deutschen Konkurrenz. Zubehör wie Gepäckträger oder Auspuffe verkauft er kaum mehr. Sein Pensum musste die Garage deshalb auf 80 Prozent reduzieren. Da sei es wie ein Schlag ins Gesicht, wenn die deutsche Garagen-Kette A.T.U. Werbung mache in der Schweiz, sagt er. Sogar in die Garage Vogel flattert deren Prospekt.

Die Stammkunden blieben der Garage zwar treu. «Sie kennen unsere Qualität und unseren Service», sagt der Mechaniker. Kunden, die spontan vorbeikämen, habe er aber nur noch wenig. «Dabei ist der Preisunterschied gar nicht so gross.» So kostet der Radwechsel, das heisst vier Sommerräder demontieren und vier Winterräder montieren, nur knapp 40 Franken. Muss der Mechaniker die Pneus auf die Felgen ziehen, verrechnet er 80 Franken für vier Stück – inklusive Auswuchten der Räder.

«In den Köpfen vieler Schweizer hat sich aber festgesetzt, dass es in Deutschland aus Prinzip günstiger sei.» Und das habe Folgen – sowohl für die Schweizer Garagen als auch für die Region ennet der Grenze. Denn dort seien die Preise in den Läden und Restaurants stark gestiegen. «Für Schweizer ist es vergleichsweise immer noch günstig. Nicht aber für die Einheimischen», sagt der Mechaniker, der in Deutschland aufwuchs und seit sechs Jahren in der Schweiz wohnt. «Verwandte in Deutschland müssen bis zu 60 Kilometer weit fahren, um weit weg von der Grenze zu normalen Preisen einkaufen zu können.»

Schnäppchen, die keine sind

Auch an der Grenze in Koblenz stehen die Autos regelmässig Stossstange an Stossstange im Stau – an der Garage K. Nusser vorbei bis zum drei Kilometer entfernten Dorfeingang. Auch dort musste man vor einiger Zeit einen Umsatzeinbruch hinnehmen. «Wir suchten daraufhin gezielt das Gespräch mit unseren Kunden», sagt Inhaber Viktor Michel. «Wir klärten sie darüber auf, dass viel davon abhängig ist, wo sie einkaufen, ihre Pneus wechseln oder Reparaturen durchführen lassen. Beispielsweise Lehrstellen oder Arbeitsplätze, die verschwinden könnten.»

Auch er ist überzeugt, dass der Preisunterschied gar nicht so gross ist. Nicht selten kamen seine Kunden nach einem Abstecher nach Deutschland als gebrannte Kinder zurück, wie er erzählt: «Vermeintliche Schnäppchen stellten sich im Nachhinein oft als teuer heraus.» Angebote wie «neue Bremsklötze ab 50 Euro» würden meist nur für ein bestimmtes Fahrzeugmodell gelten, das nur die wenigsten fahren. Bei gängigeren Modellen werde es schnell teurer. «Oder den Kunden passte nicht, dass sie wie am Laufband abgefertigt wurden, wo hingegen wir stark auf individuelle Betreuung setzen.» Bei der Garage K. Nusser hat sich die Situation unterdessen wieder etwas normalisiert.

Auch nach Berat Muji vom Autocenter Muji in Bad Zurzach hat sich die Situation wieder entschärft: «Erst kürzlich sagte eine Kundin, dass es sich kaum mehr lohnt, für das bisschen Geld an der Grenze im Stau zu stehen.» Und auch die deutschen Garagisten sprechen von einer Trendwende, weiss Muji: «Einer sagte mir erst kürzlich: ‹Die Zeiten sind vorbei, in denen wir günstiger waren.›»

Schmuggeln kann teuer werden

Wer in Deutschland Reparaturen oder Änderungen am Auto im Wert von über 300 Franken durchführt, muss diese verzollen. So steht es im Fahrzeugausweis. Wer dies nicht tut, gilt als Schmuggler. Das kann teuer werden: Neben der fälligen acht Prozent Mehrwertsteuer kommen eine Busse und allenfalls noch eine Spruchgebühr zwischen 50 und 5000 Franken hinzu. «Schmuggeln lohnt sich also nicht», sagt Patrick Gantenbein, Sprecher der Grenzwachtregion Basel.