Klingnau
Rechtsstreit um Kraftwerk Klingnau: Umweltschützer legen Einsprache gegen Konzessionsgesuch ein

Umweltorganisationen und Fischereiverbände erheben Einsprache gegen die Neukonzessionierung des Kraftwerk Klingnau. Kanton und Unternehmensleitung streiten sich indes um die geforderten ökologischen Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen.

Andreas Fretz
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Im Rahmen der Neukonzessionierung des Kraftwerks Klingnau waren verschiedene Massnahmen zur Aufwertung der Umwelt im und rund um den Klingnauer Stausee vorgesehen.

Im Rahmen der Neukonzessionierung des Kraftwerks Klingnau waren verschiedene Massnahmen zur Aufwertung der Umwelt im und rund um den Klingnauer Stausee vorgesehen.

Angelo Zambelli

Im Juli 2015 endete nach 80 Jahren die Konzession für das Kraftwerk Klingnau. Seither kann es nur dank einer Duldungsverfügung des Kantons weiterbetrieben werden.

Ende Juni 2017 reichte die Aarekraftwerk Klingnau AG (AKA), an der die Axpo Power AG und die AEW Energie AG beteiligt sind, das Konzessionsgesuch für die Wasserkraftnutzung bis 2075 ein.

Doch mehrere Umweltorganisationen und Fischereiverbände haben gemeinsam Einsprache gegen die Neukonzessionierung erhoben, wie «Die Botschaft» in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet. Gegen die Konzessionserteilung wehren sich Aqua Viva, Birdlife Schweiz, Birdlife Aargau, Pro Natura Schweiz, Pro Natura Aargau, der Schweizerische sowie der Aargauische Fischerei-Verband, WWF Schweiz und WWF Aargau.

Benjamin Leimgruber, Bereichsleiter Gewässerschutz von Aqua Viva, sagt auf Anfrage der AZ: «Der Kanton Aargau hat zu Einspracheverhandlungen eingeladen. Eine erste Verhandlung fand bereits statt, es werden noch weitere Runden folgen.»

Im Rahmen der Neukonzessionierung des Kraftwerks Klingnau waren verschiedene Massnahmen zur Aufwertung der Umwelt im und rund um den Klingnauer Stausee vorgesehen. Um diese und weitere Massnahmen wird nun gestritten. (Text geht weiter)

Die vorgeschlagenen Massnahmen für die Neukonzessionierung des Kraftwerks.   

Die vorgeschlagenen Massnahmen für die Neukonzessionierung des Kraftwerks.   

zvg

Im Dezember 2017, vor der öffentlichen Auflage, schrieb das kantonale Departement für Bau, Verkehr und Umwelt (BVU): «Damit die Konzession erteilt werden kann, müssen unter anderem ökologische Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen getroffen werden.» Diese gehen zulasten der AKA. Es handelt sich um eine Reihe von Massnahmen in unmittelbarer Umgebung des Klingnauer Stausees (siehe Karte):

  • Ufergestaltung Ifang: Gestaltung eines neuen Nebenarms der Aare.
  • Bau von drei neuen Beobachtungsbuchten am linken Seeufer.
  • Einrichten einer Nistwand für Uferschwalben.
  • Vitalisierung des linken und rechten Sickergrabens sowie des untersten Abschnitts des Binnenkanals: Verbesserung Längsvernetzung (Wiederherstellung der Durchgängigkeit für Fischwanderung) und Aufwertung des Lebensraums.
  • Vitalisierung des Leuggernbachs: Neugestaltung des Mündungsbereichs zur Verbesserung der Längsvernetzung und Aufwertung des Lebensraums
  • Neue Watfläche im Stausee.
  • Uferstrukturierung Giriz: abschnittweise Entfernung von harten Uferverbauungen, Schaffung von Buchten und Blocksteinbuhnen, Aufwertung des Lebensraums.

Doch die Gesuchstellerin, die Aarekraftwerk Klingnau AG, stellt sich gemäss «Botschaft» auf den Standpunkt, dass sie für die Konzessionserneuerung gar keine Ersatzmassnahmen zu leisten hat. Sie bezeichnet alle Massnahmen als freiwillig.

Auslöser dafür ist offenbar ein Gutachten von Verwaltungsrichter Peter Keller aus dem Jahr 2016. In diesem geht es um die Grundsatzfrage, ob als Referenzpunkt der Zustand des Gewässers vor dem Kraftwerkbau, der Ist-Zustand oder der fiktive Zustand bei einem Verzicht auf die Wasserkraftnutzung gelten soll.

Die AKA argumentiert: Mit dem Weiterbetrieb des Kraftwerks werde der wertvolle Ist-Zustand des Klingnauer Stausees erhalten.

Leimgruber relativiert allerdings die verzwickte gesetzliche Ausgangslage: «In den aktuellen Verhandlungen wird versucht, eine gemeinsame Lösung mit der AKA zu finden. Die rechtlichen Aspekte sind momentan im Hintergrund und es wird eine gemeinsam tragbare Lösung mit sinnvollen Ersatzmassnahmen gesucht.»

Die Einsprecher fordern nebst den ausgearbeiteten Massnahmen (siehe Karte) zusätzliche ökologische Massnahmen im Leuggernfeld, eine Sanierung des Unterwassers Grien und eine Revitalisierung des rechtsufrigen Binnenkanals.

Naturschutz-Paradies Klingnauer Stausee in Bildern:

Der Klingnauer Stausee im Porträt: Die Bevölkerung des Unteren Aaretals weiss nur zu gut, dass man in der Naturperle die Seele baumeln lassen kann.
29 Bilder
Der Klingnauer Stausee aus der Vogelperspektive. Das Naturzentrum ist auf der Kleindöttinger Seite (im Bild links) geplant.
Promotoren des Naturzentrums: Kathrin Hochuli, Geschäftsführerin Birdlife Aargau, Werner Müller, Geschäftsführer Birdlife Schweiz, und Simon Egger, Leiter Sektion Natur und Landschaft beim Kanton Aargau, (v.l.) auf dem Aussichtsturm beim Klingnauer Stausee.
Der Blick über den Klingnauer Stausee von Döttingen her.
Für Vogelkundler (Ornithologen) ist der Klingnauer Stausee ist Begriff – man trifft sie fast täglich hier an.
Zuletzt sorgte der Klingnauer Stausee mehrfach für Schlagzeilen, weil wegen der Verlandung (durch angeschwemmte Sedimente) viel Material ausgebaggert werden soll.
Das Wasserkraftwerk Klingnau: Es produziert pro Jahr durchschnittlich rund 225 Gigawattstunden (GWh) elektrische Energie. Das entspricht dem Verbrauch von 50'000 Haushalten. Es ist im Besitz eines Konsortiums von Axpo und AEW Energie AG.
Blick auf das Vogelparadies Klingnauer Stausee von Kleindöttingen her. Klingnau liegt auf der anderen Seeseite.
Rund um den Klingnauer Stausee mit dem Velo unterwegs – das ist problemlos möglich.
Blick auf den Klingnauer Stausee mit Döttingen (links), Klingnau (Mitte) und dem AKW Leibstadt (im Hintergrund).
Der Klingnauer Stausee gilt als Naturparadies.
Den Weg rund um den Stausee nutzen auch viele Freizeitsportler – gerade an sonnigen Tagen.
Beliebt: Schwände und Enten füttern am Klingnauer Stausee.
Schwäne und Enten auf einer Insel im Klingnauer Stausee.
Zwei junge Rauchschwalben warten einträchtig auf die Mutter mit dem Futter.
Der letzte Atemzug – bevor der kleine Frosch im Rachen des Graureihers verschwindet.
Eine Rostgans geniesst das Bad im Klingnauer Stausee...
..., wie auch dieses Bild zeigt.
Seltener Gast. Ein Löffler rastet am Klingnauer Stausee.
Für seinen Zurzibiet-2015-Kalender hat der Zurzacher Zeichner Andreas Güntensperger dieses Bild vom Klingnauer Stausee mit Döttingen im Hintergrund gezeichnet.
Weisse Pracht: Ein Seidenreiher auf der Jagd am Klingnauer Stausee.
Auf Klingnauer Seite befindet sich das Naturschutzgebiet Machme, wo Wasserbüffel zeitweise leben und grasen.
Ein Alpenstrandläufer am Klingnauer Stausee auf Futtersuche.
Einfach schön: Die Skyline am Klingnauer Stausee.
Eine Anlegestelle mit einem Boot der Klingnauer Pontoniere. Sie trainieren allerdings nicht auf dem Stausee, sondern unterhalb des Wasserkraftwerks.
Eine der vielen gefiederten Schönheiten am Naturparadies: Eine Kolbente (Männchen).
Blick vom Winzerdorf Döttingen auf Reben, Klingnau und den Klingnauer Stausee.
An Silvester findet alljährlich der Gippinger Stauseelauf statt: Hunderte Läufer nehmen jeweils daran teil.

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