Ortsplanung
Raumplanung versus Einzelinteressen in Schneisingen

Hier soll in Zukunft gebaut werden, da nicht. Die Teilrevision der Bau- und Nutzungsordnung der Gemeinde Schneisingen wurde vorgestellt: eine emotionale Angelegenheit.

Melanie Borter
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Schneisingen (Archiv)

Schneisingen (Archiv)

Aargauer Zeitung

«Schneisingen soll in Zukunft gesund und massvoll wachsen, ohne den dörflichen Charakter zu verlieren. Mehr erschwinglicher Wohnraum soll geschaffen werden», wurde im Sommer 2012 an der Zukunftskonferenz der Einwohner von Schneisingen festgehalten. Daraufhin wurde eine neunköpfige Planungskommission ins Leben gerufen, der Jurist Peter Gysi und Ortsplaner Paul Keller beratend zur Seite standen. Keller stellte der Bevölkerung nun das Ergebnis der zweijährigen Arbeit vor.

Fünf Hektaren werden eingezont

Vorgesehen ist eine Einzonungsfläche von insgesamt 5,17 Hektaren. Vor allem zwei grosse Landstücke, die eingezont werden sollen, sorgten für Diskussionen: das Land entlang der Sandbuckstrasse, das durch die schöne Lage und die Nähe zur Schule auffällt, sowie die Landfläche Eselswiese in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Niederweningen, wo heute ein Fussballplatz des FC Niederweningen ist.

«Ist es nötig, dass dem Fussballclub der Fussballplatz genommen wird?», wurde gefragt. Aber auch emotionsgeladene Voten folgten: «Wir Bauern brauchen grosse, gerade Landflächen, aber genau diese sollen nun überbaut werden. Wisst ihr eigentlich, welch fruchtbares Land ihr da verbauen wollt? Das ist eine Sünde!» Andere konnten nicht verstehen, weshalb ihrem Einzelantrag auf Umzonung nicht stattgegeben wurde und weshalb überhaupt so viele Einzelanträge gestrichen wurden.

Ortsplaner Paul Keller erklärte, dass eine Gemeinde nicht willkürlich umzonen könne. «Wir haben dreizehn Kriterien erarbeitet, beruhend auf der «Vision Zurzibiet», dem kantonalen Richtplan und dem Leitbild von Schneisingen. Anhand dieser Grundlagen sei festgelegt worden, welche Gebiete infrage kommen. Keller: «Erst danach haben wir die Einzelanträge behandelt.» Ein Ortsplaner habe die Aufgabe, die Interessen der Gemeinde und der Raumplanung wahrzunehmen und sich nicht für Einzelinteressen einzusetzen, fügt er an.

Mitwirkung ist gefragt

Im Planungsbericht, der ab Oktober der Bevölkerung vorliegt, werden die Bewertungen der Einzelanträge ersichtlich sein. In dieser Phase der Mitwirkung können die Einwohner schriftlich Stellung nehmen. «Sämtliche Eingaben werden von der Kommission geprüft», erklärt Gemeindeammann Claudia Graf. Sie ist mit dem Verlauf des Abends zufrieden. «Dass wir es nie allen recht machen können, ist uns bewusst und doch wollen wir diese Teilrevision gemeinsam erarbeiten.» Im März soll der Grosse Rat über die Teilrevision beschliessen. Wenn alles klappt, wird in etwas mehr als einem Jahr die Gemeindeversammlung die Teilrevision beschliessen.