Rekinger Flüchtlingsboykott
"Rassistisch!" Zurzibieter SP-Präsidentin attackiert Gemeinderat – in den ihr Freund gewählt wurde

Für seinen Aufruf zum Wohnungsboykott für Flüchtlinge erntet der Rekinger Gemeinderat scharfe Kritik von der Zurzibieter SP, beziehungsweise von Parteipräsidentin Elena Flach. Pikant: Ihr Freund, ebenfalls SP-Mitglied, hat eben erst die Wahl in den Rekinger Gemeinderat geschafft.

Pirmin Kramer
Merken
Drucken
Teilen
Elena Flach und Marc Bamberger

Elena Flach und Marc Bamberger

Zur Verfügung gestellt

«Wir bitten die Eigentümer von Liegenschaften, künftig von Mietverträgen mit Asylanten Status «B» abzusehen»: Mit diesem Aufruf zum Wohnungsboykott für Flüchtlinge im Mitteilungsblatt «Strichpunkt», den die az publik machte, sorgt der Rekinger Gemeinderat schweizweit für Schlagzeilen.

Scharfe Kritik äussert nun auch die SP des Bezirks Zurzach. Die Aufforderung des Gemeinderates sei «rassistisch, unverhältnismässig und rechtlich bedenklich», heisst es im SP-Communiqué.

«Es ist eine Tatsache, dass sich die Gemeinde Rekingen finanziell in einer schwierigen Lage befindet. Dennoch ist es Schwarzmalerei, dass sieben ehemalige Asylbewerber die Gemeinde Rekingen in den Ruin treiben sollen.»

Bahnhof Rekingen: Geht es nach dem Gemeinderat, sollen Flüchtlinge den nächsten Zug nehmen, um sich anderswo niederzulassen.
17 Bilder

Bahnhof Rekingen: Geht es nach dem Gemeinderat, sollen Flüchtlinge den nächsten Zug nehmen, um sich anderswo niederzulassen.

Mario Heller

Statt puren Populismus zu betreiben, fordert die SP Bezirk Zurzach den Gemeinderat Rekingen auf, «die Situation sachlich anzugehen und konstruktive Ideen für die Umsetzung der Integration dieser Menschen zu entwickeln». Wichtig sei deren Eingliederung in die Erwerbsarbeit, womit die finanziell unabhängig werden könnten. Die SP Bezirk Zurzach sei bereit, bei der Integration mit an zupacken. Sie werde in nächster Zeit Kontakt mit dem Verein Netzwerk Asyl aufnehmen, um Lösungsansätze zu entwickeln.

Der Fall Rekingen als Familienduell?

Verfasst und verschickt hat die Mitteilung Elena Flach, Co-Präsidentin der SP Sektion Zurzach. Im Rekinger Gemeinderat, dem in der Mitteilung rassistisches Vorgehen vorgeworfen wird, sitzt bald auch ihr Freund Marc Bamberger (SP).

Er schaffte kürzlich den Einzug in den Gemeinderat durch stille Wahl – als Ersatz für Roman Knöpfel, dem aktuell noch zuständigen Gemeinderat für Asylwesen und Finanzen. Knöpfel Teilt Marc Bamberger die scharfe Kritik der SP, beziehungsweise seiner Freundin? Auf Anfrage äussert er sich diplomatisch

«Es gab für den Gemeinderat sicher gute Gründe, diese Aussage zu machen, vor allem aus finanzieller Sicht. Man darf bei der Diskussion nicht ausser Acht lassen, dass in unserem Dorf 140 Asylbewerber untergebracht sind, also fast jeder siebte Bewohner ein Flüchtling ist. Klar ist, dass ich bei zukünftigen Diskussionen im Gemeinderat meinen Standpunkt klar einbringen werde. Und es ist kein Geheimnis, dass mir Humanität ein sehr wichtiges Anliegen ist. Und ich werde mich mit Sicherheit für die Integration der Flüchtlinge und unserem Dorf stark machen.»

Elena Flach sagt: "Wir trennen sein Amt als Gemeinderat und meinen Job als SP-Co-Präsidentin. Wenn ich den Rekinger Gemeinderat kritisieren muss, werde ich das auch in Zukunft tun."