Gippingen
Radsportler ehren Unfallopfer mit einer Etappe

Ein Jahr nach dem tödlichen Rennunfall kehrt das OK der Radsporttage Gippingen noch nicht zum Alltag zurück. Der tragische Vorfall ist bis heute noch nicht restlos geklärt.

Nadja Rohner
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Die Unfallstelle in Böttstein mit der Blumenschale des OKs der Radsporttage Gippingen. Rechts Das tödlich verunglückte Opfer. (Archiv)

Die Unfallstelle in Böttstein mit der Blumenschale des OKs der Radsporttage Gippingen. Rechts Das tödlich verunglückte Opfer. (Archiv)

Tele M1

Vom 11. bis 14. Juni finden in Gippingen zum 52. Mal die Radsporttage statt. Es ist das Jahr 1 nach dem ersten tödlichen Unfall in der Geschichte des wichtigsten Aargauer Velorennens – ein Unfall, dessen Hergang bis heute nicht abschliessend geklärt scheint. Rückblick: Am Samstag, 16. Juni 2014, stürzen gegen 14.30 Uhr bei der Abfahrt nach Böttstein vier Teilnehmer eines Amateur-Rennens. Drei werden mittelschwer verletzt. Ein vierter erleidet so schwere Kopfverletzungen, dass er ins Spital geflogen werden muss. Dort stirbt der 36-jährige Zürcher, nur wenige Tage vor seiner geplanten Hochzeit.

Noch am Samstagabend verhaftet die Polizei einen 50-jährigen Mann, ebenfalls aus dem Kanton Zürich. Es gebe Hinweise darauf, dass es zwischen zwei Teilnehmern zu einem Körperkontakt gekommen sei, worauf das spätere Opfer gestürzt sei, erklärt die Aargauer Staatsanwaltschaft. Ob die angebliche Berührung zufällig oder absichtlich geschah, sei Gegenstand der Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft eröffnet gegen den 50-Jährigen, der selber nicht gestürzt war, ein Strafverfahren wegen eventualvorsätzlicher Tötung, möglicherweise fahrlässiger Tötung sowie schwerer Körperverletzung. Zudem beantragt sie eine Untersuchungshaft von drei Monaten wegen Verdunkelungsgefahr. Dies lehnen das Zwangsmassnahmengericht und später auch das Obergericht ab.

Die Angehörigen eingeladen

Insgesamt war der Beschuldigte fünf Tage in Haft. Das bestätigt Fiona Strebel, Sprecherin der Aargauer Staatsanwaltschaft. Zum aktuellen Stand der Ermittlungen sagt sie nur so viel: «Das Verfahren ist noch hängig. Die Staatsanwaltschaft wird den Abschluss aktiv kommunizieren.»

Bei den Organisatoren der Radsporttage Gippingen hatte der erste tödliche Unfall in der 51-jährigen Renngeschichte tiefe Betroffenheit ausgelöst. Aus Pietätsgründen wurden alle Rennen des Folgetages abgesagt. Und auch dieses Jahr gehen die Organisatoren vom Velo-Club Gippingen nicht einfach zum Courant normal über: Zu Ehren des Verstorbenen wurde die Königsetappe der «Aare Rhein Classics» – 80,5 Kilometer und 1220 Höhenmeter – in «Felix Schultz Memorial Etappe» umbenannt. «Die Idee dazu kam schon relativ bald nach dem Unfall auf», sagt OK-Präsident René Huber. «Wir haben dann die Angehörigen des Fahrers gefragt, ob das für sie auch stimmen würde – und sie haben sich gefreut.» Eine Person aus dem Umfeld des Verstorbenen werde sogar als Preise für die Fahrer drei Uhren sponsern. Vor dem Start zur «Aare Rhein Classics» werde es zudem eine Gedenkminute geben, sagt Huber. Mit der Familie sei man in Kontakt, sie sei ebenfalls zum Rennen eingeladen.

Es lag nicht an der Sicherheit

Die Umbenennung der Etappe gilt nur für dieses Jahr, ab 2016 wird sie voraussichtlich wieder «Heavy-Etappe» heissen. Man wolle den Verstorbenen ehren und des tragischen Ereignisses gedenken, aber danach zum Alltag zurückfinden, sagt Huber. Der Unfall habe die Organisatoren des Grossanlasses – allesamt ehrenamtlich tätig – vor «eine grosse Prüfung» gestellt. «Im ersten Moment fragt man sich natürlich, ob ein Fehler bei der Streckensicherung passiert ist.» Jedoch: Mangelnde Sicherheitsvorkehrungen müssen sich die Veranstalter nicht vorwerfen lassen, das wurde rasch klar. «Die Organisation der Radsporttage Gippingen ist nicht Teil der Strafuntersuchung», betont denn auch der Medienverantwortliche, Roland Keller. Streckenführung, Sicherheit und Streckensicherung seien als «vorbildlich» beurteilt worden. Neben den über 30 Streckenposten sorgen Motorradfahrer, Polizei und Rettungskräfte für Sicherheit. «Nach dem tragischen Unfall waren die Blaulichtorganisationen innerhalb weniger Minuten vor Ort», sagt Keller. Der Dachverband Swiss Cycling habe das Hobbyrennen «Aare Rhein Classics» letztes Jahr zur besten Top-Tour der Saison gewählt. «Diese Auszeichnung bewertet neben der Organisation auch die Sicherheit und Sicherung. Dies verpflichtet uns, auch 2015 Radsporttage auf höchstem Niveau mit grösstmöglichen Sicherheitsvorkehrungen durchzuführen.»

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