Radsport
Keine Zuschauer im Ziel, dafür erstmals TV-Übertragung und viel Velo-Prominenz: Der OK-Chef der Radsporttage Gippingen zieht eine positive Bilanz

Für einmal konnte das Publikum das hochkarätige Startfeld des Grossen Preis des Kantons Aargau an der Zieleinfahrt nicht anfeuern, dafür aber von der eigenen Stube aus. Die Live-Übertragung war nicht die einzige Neuerung der diesjährigen Gippinger Radsporttage.

Stefanie Garcia Lainez
Merken
Drucken
Teilen
Das Publikum feuerte Lokalmatador Fabio Christen (pinkes Trikot) bei seinem ersten Rennen auf Stufe Elite in Gippingen lautstark an.

Das Publikum feuerte Lokalmatador Fabio Christen (pinkes Trikot) bei seinem ersten Rennen auf Stufe Elite in Gippingen lautstark an.

Alexander Wagner

Am Dorfausgang in Leuggern herrscht normalerweise Volksfeststimmung, wenn die Radprofis an den Gippinger Radsporttagen durch das Ziel sausen. Nicht so an der diesjährigen Ausgabe: Durch die coronabedingten Auflagen war der Start-Ziel-Bereich fürs Publikum nicht zugänglich. Und das trotz geballter Ladung an Velo-Prominenz. OK-Präsident Matthias Rennhard ist dennoch zufrieden. «Das Festfieber hat schon gefehlt», sagt er und ergänzt:

«Aber wir sind froh, konnten wir die Rennen unter diesen Umständen überhaupt durchführen und dem Publikum das bieten, was wir uns vorgenommen hatten.»

Zum ersten Mal überhaupt wurde der Grosse Preis des Kantons Aargau live am Fernsehen auf Tele M1 und TV24 übertragen. Zahlreiche Sportbegeisterte konnten so am Freitag von Zuhause aus das grösste Eintagesrennen der Schweiz mit zahlreichen Radsportstars mitverfolgen. Darunter der Schweizer Shootingstar Marc Hirschi oder der dreifache Tour-de-Suisse-Sieger und Weltmeister Rui Costa aus Portugal.

Der im Aargau beheimatete Jean-Claude Leclercq, jahrelanger Experte bei Eurosport, kommentierte das Rennen mit den beiden Schweizer Radsportlegenden Beat Breu und Beat Zberg. «Wir hatten viel gutes Echo von Zuschauerinnen und Zuschauern, die sich das Rennen in ihrer Stube anschauten», sagt Matthias Rennhard.

Neue Streckenführung führte zu spannendem Kopf-an-Kopf-Rennen

Für die Gippinger Radsporttage ist die TV-Übertragung zwar mit Aufwand verbunden, aber auch lohnenswert: «Wir haben dadurch einen höheren Stellenwert im Vergleich zu anderen Profi-Rennen», sagt der OK-Chef. «Zudem können wir den Fahrern durch die Übertragung am Fernsehen eine bessere Plattform bieten, was wiederum Sponsoren anzieht.»

Neuerungen seien aber immer auch mit Herausforderungen und Risiken verbunden, so Rennhard. So stellten die Organisatoren 24 Stunden vor Rennbeginn fest, dass die Internetleistung möglicherweise nicht ausreichen könnte, um all die Signale der TV-Übertragung übermitteln zu können. Kurzerhand wurden in Baden weitere Modems organisiert. «Die Erleichterung war gross, als dann alles geklappt hat.»

Änderungen gab es auch auf den Strecken. «Wir modifizierten die Streckenführung, um die Rennen zu erschweren und sie interessanter zu machen», so der OK-Chef.

«Unsere Strategie ging auf, und es kam am Freitag im GP zu einem spannenden Finale.»

In einem packenden Dreiersprint besiegte der 23-Jährige Niederländer Ide Schelling den Portugiesen Rui Costa und den Bergspezialisten Esteban Chavez:

Ide Schelling (Holland) gewinnt den grossen Preis des Kantons Aargau.

Ide Schelling (Holland) gewinnt den grossen Preis des Kantons Aargau.

Alexander Wagner

Viel Publikum entlang der Rennstrecke

Zwar sahen dies fast nur die Zuschauer vor dem Fernseher. Aber viele Radsportbegeisterte liessen es sich nicht nehmen und feuerten die Fahrer unterwegs am Strassenrand an. «Sie waren so zahlreich wie in den vergangenen Jahren, das war sehr schön», sagt Matthias Rennhard.

Doch noch etwa Volksfeststimmung mit Zuschauern in Loorholz und Schlatt.

Doch noch etwa Volksfeststimmung mit Zuschauern in Loorholz und Schlatt.

Alexander Wagner

Lauthals schrien die vielen Fans auch, als Lokalmatador Fabio Christen eine der Steigungen in Angriff nahm. Der 18-jährige Gippinger fuhr erstmals auf Stufe Elite und erreichte unter den 113 Startenden den 60. Rang. «Fabio konnte in der zweiten grossen Gruppe bis am Schluss mithalten. Das ist eine sehr gute Leistung im internationalen Radsport, insbesondere auf einer physisch nicht einfachen Strecke.»

Müde und zufrieden nach dem Rennen: Fabio Christen.

Müde und zufrieden nach dem Rennen: Fabio Christen.

Alexander Wagner

Auch am Sonntag seien wiederum viele Zuschauer am Strassenrand gestanden und hätten die Fahrer angefeuert, sagt Matthias Rennhard. «Und das, obwohl das Wetter weniger mitspielte und mit den beiden Kategorien U19 und Anfänger U17/Frauen Kategorie B die Rennen kleiner waren.» Die grossen Regengüsse blieben aber aus, und die Fahrer mit ihren Teams zeigten sich zufrieden.

Der OK-Chef zieht deshalb eine positive Bilanz. Finanziell hofft Matthias Rennhard nur auf ein kleines Loch in der Kasse. Zwar fehlen in diesem Jahr aufgrund der gestrichenen Festwirtschaft zwischen 30'000 und 50'000 Franken an Einnahmen aus dem Gastro- und Unterhaltungsbereich. Das sei aber verkraftbar dank der Unterstützung, unter anderem aus dem Swisslos-Fonds.

«Wir sind nun in den Startlöchern, um nächstes Jahr wieder richtig loslegen zu können – diesmal mit Publikum und Festwirtschaft», sagt Matthias Rennhard. Und auch wieder mit dem beliebten Piccolorennen für die Kleinsten oder dem Militärradrennen mit über 200 Teilnehmenden.