Kirchgemeinde Lengnau-Freienwil
Projekt gescheitert: Theater um ein Theaterin den Surbtaler Kirchen

In den Gotteshäusern Lengnau, Endingen und Tegerfelden will die lokale Freilichtbühne ein provokatives Stück aufführen. Daraus wird nichts. Über die Gründe der Absage gibt es widersprüchliche Darstellungen.

Daniel Weissenbrunner
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Kirchenpflegepräsident Mario Schönenberger in der katholischen Kirche Lengnau: «Nur der Altar ist tabu.»Severin Bigler

Kirchenpflegepräsident Mario Schönenberger in der katholischen Kirche Lengnau: «Nur der Altar ist tabu.»Severin Bigler

SEVERIN BIGLER

Alles nur Theater, am Ende nur eine Posse, oder hat der umtriebige Regisseur Gallus Ottiger (51) einen Nerv in der kirchlichen Gemeinschaft getroffen? Tatsache ist: Die römisch-katholische Kirchgemeinde Lengnau-Freienwil musste sich in den letzten Tagen viel Kritik einstecken. «Zu konservativ, zu wenig weltoffen», so der Vorwurf im Tal. Auslöser für die teils heftigen Reaktionen ist ein Artikel in der letzten Ausgabe der Kirchenzeitung «Horizonte». Das Pfarrblatt schreibt darin über ein gescheitertes Theaterprojekt der Freilichtbühne Surbtal. Die Gruppe plante aus Anlass des Reformationsjubiläums ein Stück aufzuführen. Als Schauplatz sollten die drei Gotteshäuser in Lengnau, Endingen und Tegerfelden dienen. Vorgesehen war eine Messe, wie sie vor 500 Jahren abgehalten wurde. In der Schlüsselszene der Produktion von Ottiger hätte ein Pfarrer seiner Haushälterin einen Heiratsantrag gemacht.

Den zuständigen Personen der katholischen und reformierten Kirche im Surbtal ging das zu weit, wie es im «Horizonte»-Beitrag heisst. Sie erteilten Ottiger und seinem Team eine Absage. Die Begründung: In Sakralräume ist es verboten, weltliches Theater und andere Veranstaltungen aufzuführen. Ottiger bringt für den Entscheid der Kirchenleitung wenig Verständnis auf. «Mein Stück hätte aufgezeigt, wie sich die Kirche im Zuge der Reformation verändert hat. Das Kircheninnere hätte dafür die ideale Kulisse abgegeben.»

Auch der Pfarrer in die Kritik

Der Kirchen-Vorstand weist die Vorwürfe zurück und setzt sich nun zur Wehr. Sie widerspricht den Versionen des Kirchenblatts und denen von Gallus Ottiger. «Wir haben nicht das Theaterstück zurückgewiesen.» Zum Inhalt habe man sich gar nie geäussert», sagt Kirchenpflegepräsident Mario Schönenberger. Einzige Einschränkung seitens der Kirchenpflege war die Benützung des Altars. «Die Theatergruppe wollte diesen als Bühne miteinbeziehen und als Theaterrequisit benutzen. Dieser Idee konnten wir nicht zustimmen», erklärt Schönenberger. Er legt darauf wert, dass der Entscheid nichts mit dem vorgesehenen Theaterstück zu tun hatte. Die Kirche werde regelmässig für Veranstaltungen vermietet. «Der Altarbereich ist davon immer ausgeschlossen.» In die Kritik geriet zudem Pfarrer Gregor Domanski. In den Augen von Mario Schönenberger sind die Anschuldigungen gegenüber dem Seelsorger völlig verfehlt. «Die Kirchenpflege und nicht er hat den Antrag von Herrn Ottiger abgelehnt.»

Bei «Horizonte» hält man an der Darstellung des Inhalts fest, sagt Redaktionsleiter Andreas C. Müller. «Das Thema wurde differenziert wiedergegeben. Für uns ist es damit erledigt.» Ob dem so ist, wird sich erst noch zeigen. Beim verantwortlichen Bistum stiess der Artikel auf wenig Verständnis. Dort stellt man sich hinter den Entscheid der Lengnauer Verantwortlichen.

Während die Kirchengemeinde das Theater um das abgeblasene «Reformationsspiel» vermutlich noch beschäftigen dürfte, ist für Ottiger das Kapitel erledigt. Das Stück ausserhalb des Surbtals zu performen kam für ihn nicht infrage. Er befindet sich bereits in den Vorbereitungen für ein neues Stück, das im September aufgeführt werden soll. Anstelle des Reformationsspiels inszeniert die Freilichtbühne Surbtal nun eine kleinere Produktion. Aufgeführt wird das Programm neu in einer Scheune in Vogelsang. «Ich habe etwas völlig Neues konzipiert», erklärt Ottiger, da die ursprüngliche Idee für die Kirche angelegt gewesen sei. «Das liess sich nicht erzwingen.» Sinnigerweise trägt das Stück, das im September bühnenreif wird, den vielsagenden Titel «Erzwingli».