Mellikon
Priorität haben die Angehörigen

Es ist eine schwierige und unschöne Geschichte, die sich einige Wochen nach dem tragischen Silo-Unfall in Mellikon abspielt. Guido Jetzer, Vater des einen Verstorbenen, klagt die katholische Pfarrei St. Verena Bad Zurzach an. Ein Kommentar

Samuel Buchmann
Samuel Buchmann
Merken
Drucken
Teilen
Auf diesem Hof in Mellikon ist das Unglück passiert.

Auf diesem Hof in Mellikon ist das Unglück passiert.

Peter Rippstein

Das Engagement und Hilfe der katholischen Pfarrei St. Verena Bad Zurzach nach dem Unfall sei mangelhaft gewesen. Guido Jetzer, der Vater des einen Verstorbenen, fühlte sich gerade in organisatorischer Hinsicht alleingelassen. Wenn ein betroffener Angehöriger so fühlt, ist etwas falsch gelaufen. Das steht fest. Dass er sich in seiner Ohnmacht an den altbewährten ehemaligen Pfarrer wendet, ist ebenfalls nachvollziehbar.

Gleichzeitig ist auch gewisses Verständnis für den neuen Pfarrer Raimund Obrist angebracht. Er fühlt sich übergangen, weil der alte Pfarrer sich nach wie vor in Dinge einmischt, für die eigentlich Obrist zuständig wäre. Nachvollziehbar ist auch der Ärger darüber, dass mit Thomas Gass einer seiner eigenen Lektoren dabei hilft und ihn nicht einmal darüber informiert. Wie Obrist andeutet, herrschte zwischen ihm und Gass schon länger keine Harmonie mehr. Dass der Pfarrer unter diesen Umständen die Zusammenarbeit beendet, ist legitim. Dass sich der geschasste Lektor trotzdem ungerecht behandelt fühlt, ist logisch.

Und doch: Es bleibt ein schaler Beigeschmack. Offenbar hat weder die eine noch die andere Seite bisher ein persönliches Gespräch gesucht. Dass Gass und Jetzer den Streit in Form von Leserbriefen an die Öffentlichkeit tragen, ist fragwürdig. Die Kritik an Pfarrer Obrist ist inhaltlich aber durchaus angebracht. Gerade ein Geistlicher sollte über derartigen Ärgernissen stehen können oder sie mindestens auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.

Priorität hat in solchen Situationen die beste Lösung für die Angehörigen. Wenn diese Lösung eine Gedenkfeier mit dem alten Pfarrer ist, sollte der neue nicht beleidigt sein und sich auf Zuständigkeiten berufen. Vielmehr müsste man sich doch fragen: Was kann die Pfarrei tun, damit sich betroffene Angehörige beim nächsten Mal bei ihr mindestens genauso gut aufgehoben und begleitet fühlen?