Endingen/Lengnau
Postauto-Crash: Die Unfallstrecke wird um 30 Zentimeter verbreitert

Zwei Postauto-Passagiere starben bei einer Kollision Anfang November zwischen Endingen und Lengnau. Nun steht fest: Der Kanton will die Strasse von 6,2 auf 6,5 Meter verbreitern. Das Projekt sei schon 2012 initiiert worden.

Nadja Rohner
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Die Surbtalstrasse zwischen Endingen und Lengnau wird frühestens 2016 verbreitert.

Die Surbtalstrasse zwischen Endingen und Lengnau wird frühestens 2016 verbreitert.

Emanuel Freudiger

Es ist noch keinen Monat her, seit am 11. November auf der Kantonsstrasse zwischen Endingen und Lengnau zwei junge Menschen ums Leben gekommen und mehrere Personen verletzt worden sind. Ein Lastwagen mit Anhänger war vor einer leichten Kurve mit den rechten Rädern von der Fahrbahn abgekommen und in die Wiese geraten.

Danach scherte er nach links aus, streifte ein entgegenkommendes Postauto seitlich und kollidierte frontal mit einem Personenwagen, der hinter dem Bus fuhr. Kurz nach dem Unfall waren kritische Stimmen laut geworden: Die K284 – als Surbtalstrasse bekannt – sei zu schmal, zwei grosse Gefährte könnten nur mit Mühe kreuzen.

Im ersten Quartal 2015 wird ein Baugesuch aufgelegt, das eine Sanierung und Verbreiterung der Strecke zwischen Endingen und Lengnau vorsieht. Dies bestätigt Matthias Adelsbach, stellvertretender Kantonsingenieur. «Die Fahrbahn ist heute 6,2 Meter breit. Sie wird durchgehend auf 6,5 Meter ausgebaut», sagt er.

Unfall zwischen Postauto und Lastwagen fordert mehrere Tote und Schwerverletze zwischen Endingen und Lengnau.
33 Bilder
Der Lastwagen ist samt Anhänger umgekippt.
Das Postauto steht gerade auf der Strasse.
Der Lastwagen ist nach der Kollision mit dem Personenwagen umgekippt.
Der Lastwagen samt Anhänger kippte beim Unfall.
Der TCS-Heli hebt ab.
Der Personenwagen ist komplett zerstört.
In diesem Postauto starben zwei Menschen.
Der Lastwagen samt Anhänger kippte beim Unfall auf die Seite.
Das Postauto wurde seitlich aufgeschlitzt.
Der Lastwagen kollidierte seitlich mit dem Postauto.
Zerquetsches Auto beim Horrorunfall in Endingen.
Der Unfall ereignete sich kurz nach einer Rechtskurve.
Die Feuerwehr ist mit der Bergung des umgekippten Lastwagens beschäftigt.
Ein Wunder, dass die beiden Personen in diesem Auto überlebt haben.
Auch ein TCS-Helikopter war vor Ort.
Sieben Passagiere waren im Postauto.
Zwei Personen im Postauto blieben unverletzt.
Die Unfallstelle erstreckt sich über rund 150 Meter.
Die Einsatzkräfte sind mit einem Grossaufgebot vor Ort.
Die Polizei bei der Einsatzbesprechung.
Der Nebel verleiht der Szene einen geradezu gespenstischen Charakter.
Die beiden Insassen dieses Autos wurden mittelschwer verletzt.
Die beiden Insassen dieses Autos wurden mittelschwer verletzt.
Die Feuerwehr musste das Auto aufschneiden.
Abgesperrte Unfallstelle zwischen Endingen und Lengnau.
Der umgekippte Lastwagen
Der umgekippte Lastwagen
Feuerwehrleute im Einsatz
Vier verschiedene Feuerwehren waren am Unfallort im Einsatz.
Rund um den Bus ist der Boden mit Scherben übersät.
Der Lastwagen hat tiefe Furchen in den Boden gegraben.
Der Lastwagen kollidierte seitlich mit dem Postauto.

Unfall zwischen Postauto und Lastwagen fordert mehrere Tote und Schwerverletze zwischen Endingen und Lengnau.

Keystone

«Zudem werden die Bankette neben der Strasse besser befestigt. Sie sollen wo möglich 50 Zentimenter breit sowie stabiler und tragfähiger werden – damit Fahrzeuge, die neben die Fahrbahn geraten, nicht wegrutschen.» Allerdings, so Adelsbach, habe man das Projekt schon 2012 initiiert, also lange vor dem Unfall.

Für die Sanierung und Verbreiterung wird mit Kosten von rund 5,5 Millionen Franken gerechnet. Die Bauarbeiten starten frühestens 2016 und werden rund zwei Jahre dauern.

Strasse nicht zu schmal gebaut

In Endingen erzählt man sich, dass man die Surbtalstrasse vor rund 50 Jahren extra schmal gebaut habe, weil man keine Raserstrecke wollte. Adelsbach will darüber nicht spekulieren. «Allerdings wurden in den 60er- und 70er-Jahren übergeordnete Hauptachsen eher breiter gebaut, als nötig. Ein Beispiel dafür ist die Strasse zwischen Aarau und Olten.» Die Surbtalstrasse wurde Ende der 80er-Jahre schon einmal saniert und auf mindestens 6,15 Meter ausgebaut.

Heute sind die Fahrzeuge zwar breiter als früher, dennoch achtet man darauf, die Fahrbahnen nicht überbreit anzulegen – sonst verleiten sie zum Rasen. Adelsbach: «Bei breiteren Strassen verliert der Fahrer den Bezug zur Geschwindigkeit eher. Es ist also falsch, zu glauben, breite Strassen seien sicherer.»

Die Surbtalstrasse zwischen Endingen und Lengnau.

Die Surbtalstrasse zwischen Endingen und Lengnau.

EMANUEL PER FREUDIGER

Bernhard Gerster, Experte für Fahrzeugsicherheit, bestätigt, dass breitere Strassen zu schnellem Fahren verleiten können. Aber: «Eine breitere Strasse vereinfacht das Fahren und verzeiht mehr. Wenn zwei Fahrzeuge auf einer breiten Strasse ihre Fahrspur um 30 Zentimeter verlassen, macht das meist noch nicht viel aus. Auf einer schmalen Strasse wird es dann aber eng.» Ab November 2015 sorgen zudem obligatorische Warnsysteme in Lastwagen für mehr Sicherheit. Gerster: «Sie erkennen die Begrenzungslinien und weisen den Fahrer auf mindestens zwei Arten darauf hin, dass er seine Fahrspur verlässt – zum Beispiel über einen Piepton und Vibrationen am Lenkrad.

Nicht mehr Unfälle als anderswo

Der stv. Kantonsingenieur Adelsbach hat nach dem Unglück im November einen Blick in die Unfallstatistik geworfen: «In den letzten fünf Jahren gab es auf der Strecke Lengnau–Endingen neun Unfälle, das liegt im üblichen Rahmen.» Die Strassenbreite habe dabei eher keine Rolle gespielt: «Es waren meist Selbstunfälle von Pw oder Velos, keine Kollisionen oder Unfälle zwischen Lastwagen oder anderen breiten Fahrzeugen.»