Böttstein
Petitionen zum Wildschwein-Killer: «Dadurch werden Exempel statuiert»

Nach dem Tierschützer Erwin Kessler hat auch der Fotograf Kurt Amsler drei Petitionen zum Wildschwein-Drama von Böttstein lanciert. Er fordert von der Staatsanwaltschaft, die Tat lückenlos aufzuklären. Wieso greift er zum Internet-Pranger?

Nadja Rohner
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Der Fotograf Kurt Amsler initiierte mehrere Petitionen gegen den «Wildschwein-Killer».

Der Fotograf Kurt Amsler initiierte mehrere Petitionen gegen den «Wildschwein-Killer».

ZVG/TeleM1

Herr Amsler, Sie leben in Südfrankreich. Dennoch haben Sie mehrere Petitionen lanciert, die von der Staatsanwaltschaft ein hartes Vorgehen gegen den «Wildschwein-Killer von Böttstein», wie Sie ihn nennen, fordern. Weshalb?

Kurt Amsler: Ich habe mein ganzes Leben lang Natur und Tiere für die weltgrössten Bildagenturen fotografiert und mich auch seit jeher für die Rechte der Tiere eingesetzt. Zum Beispiel habe ich massgebend an der Schliessung der Delfinarien in der Schweiz mitgewirkt und dass der Handel mit Produkten von Meeresschildkröten verboten wurde. Heute mache ich weniger Expeditionen und Reportagen, habe deshalb umso mehr Zeit, mich für Tiere einzusetzen.

Der Fall

Anfang Oktober löschte jemand im aargauischen Böttstein eine Wildschweinfamilie auf brutale Art und Weise aus: Die Person überfuhr eine Wildschwein-Bache und ihre drei Frischlinge auf einem Feld - mit voller Absicht. Die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach ermittelt gegen einen Verdächtigen, an dessen Auto Spuren der Wildschweine gefunden wurden. Er streitet die Tat allerdings ab. Die Anschuldigung sei «eine Riesenschweinerei», sagte er.

Die Tat erzürnte auch bekannte Tierschützer Erwin Kessler. Er veröffentlichte zwischenzeitlich die Kontaktdaten des Verdächtigen im Rahmen einer Petition, die man online unterschreiben kann, machte dies dann aber wieder rückgängig.

Sie stellen den mutmasslichen Wildsau-Killer an den Internet-Pranger.

Muss ich ja nicht – das hat die breite Presse bereits nach dem Bekanntwerden des Falles gemacht. In den Petitionen wird niemand beschuldigt, es wird verlangt. Die Fakten entsprechen exakt den Zeitungsartikeln und den Pressemitteilungen der Ermittler. Natürlich wird ein Fall durch Online-Petitionen sehr schnell viral verbreitet, und die damit verbundenen Personen werden negativ «bekannt». Mit dem muss man halt rechnen, wenn man sich auf das Glatteis begibt. Ein weiteres Beispiel ist der Jäger, der den berühmten Löwen Cecil getötet hat. Dadurch werden aber auch Exempel statuiert, die andere Leute davon abhalten können, Tieren Gewalt anzutun.

Der Verdächtigte streitet die Tat aber ab. Was, wenn er es nicht war?

Man muss kein Sherlock Holmes sein, um sich in diesem Fall eine Meinung bilden zu können. Den Polizeiberichten war zu entnehmen, dass die Ermittler am Auto des Verdächtigen Spuren der Wildschweine gefunden haben. Wenn er es nicht selber war, dann deckt er jemanden – er macht sich also so oder so strafbar.

Haben Sie keine Angst vor rechtlichen Konsequenzen?

Ich habe dem grossen weissen Hai unter Wasser ins Auge geblickt und Krokodile aus nächster Nähe fotografiert – Angst kenne ich nicht. Doch zum Thema: Die Petition entspricht den Regeln und der Text ist rechtlich einwandfrei. Wir beschuldigen niemanden; wir verlangen lediglich, dass die Tat restlos aufgeklärt, der Name der Täterschaft veröffentlicht wird und dass er oder sie die Höchststrafe erhält. Petitionen sind die wirkungsvollsten Instrumente, um so etwas zu erreichen. Es werden Tausende und Abertausende, die darüber Bescheid wissen, was in Böttstein passiert ist. Wir wollen nicht, dass der Fall in irgendeiner Büroschublade verschwindet oder so lange bearbeitet wird, bis es niemanden mehr interessiert. Auch wenn Tiere in der Schweiz nicht mehr als Sachen gelten, eigentliche Rechte haben sie trotzdem nicht.

Bisher haben gegen 3000 Personen die Petition unterschrieben. Wie geht es nun weiter?

Ich habe den Petitionstext jetzt noch auf Italienisch und Französisch übersetzt – wir belassen es vorerst mal bei den Landessprachen. Wenn Petitionen auf Englisch und weltweit durch alle Plattformen geteilt würden, könnte das zusätzlich Hundertausende von Unterschriften bringen. Die Petitionsbriefe mit allen Unterschriften können am Ende vom Administrator ausgedruckt und persönlich übergeben oder auf elektronischem Wege dem Empfänger übermittelt werden. Bei der Plattform change.org, auf der die Petition ebenfalls aufgeschaltet ist, wird automatisch bei jeder neuen Unterschrift ein Mail mit dem Petitionsbrief und eben dieser Unterschrift an den definierten Empfänger versandt. In diesem Fall ist das die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach.

Kurt Amsler fordert von der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach eine umfassende und transparente Aufklärung des Falles, weil er fürchtet, die Angelegenheit könnte «in den Büroschubladen verschwinden».

Auf Anfrage sagt Fiona Strebel, Sprecherin der Aargauer Staatsanwaltschaft: «Die Staatsanwaltschaft ist dabei, diverse Beweise zu erheben. Unter anderem wurden bereits Befragungen durchgeführt, und es stehen noch weitere Befragungen an. Wann das Verfahren abgeschlossen ist, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.»