Bad Zurzach
Pädophiler muss ein Jahr in Therapie - ansonsten droht ihm der Knast

Das Bezirksgericht schickt einen 46-jährigen rückfälligen Schweizer in die Therapie. Sollte der Mann diese abbrechen, droht ihm eine Haftstrafe von einem Jahr. Die Verfahrenskosten von 20000 Franken muss er in jedem Fall übernehmen.

Rosmarie Mehlin
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Der Mann besass mehrere hundert Filme und Fotos mit kinderpornografischem Inhalt. (Symbolbild)

Der Mann besass mehrere hundert Filme und Fotos mit kinderpornografischem Inhalt. (Symbolbild)

Keystone

Was ist das für ein Mensch, der auf einer Harddisk 1459 Bilder und 773 Videos mit Kinderpornografie sowie 13 Filme mit Tierpornografie speichert? Gestern stand er in Bad Zurzach vor Gericht. Er ist 46-jährig, geschieden, hat zwei Kinder, die auf eigenen Füssen stehen, und einen anspruchsvollen Job mit grosser Verantwortung. Nennen wir ihn Martin, den unauffälligen, etwas stämmigen, glatt rasierten Mann, der in gestreiftem Sommerhemd und schwarzer Mammut-Fleece-Jacke vor dem Richter steht.

Sein Arbeitgeber, sagte Martin, wisse Bescheid und habe ihn vor einem Jahr für eine Therapie motiviert. «Aber irgendwann wusste ich nicht mehr, was ich mit dem Therapeuten reden sollte, und da habe ich aufgehört», sagte der Angeklagte.

2008 schon einmal verurteilt

Martin konnte nichts abstreiten, war die Polizei doch in einem Hohlraum seiner Wohnwand fündig geworden. 2008 war Martin schon einmal wegen mehrfacher Pornografie verurteilt worden – damals zu einer bedingten Geldstrafe. Kurze Zeit nach dem Urteil hatte er aber erneut angefangen, einschlägige Bilder und Videos herunterzuladen. «Ich will es nicht schönreden. Es war einfach
eine Riesendummheit. Die Sachen sind halt so leicht zugänglich. Da sind schon viel Gescheitere und auch Prominente dreingelaufen.»

Diesmal beantragte der Staatsanwalt eine unbedingte Freiheitsstrafe von 12 Monaten. Der Vollzug sei aber zugunsten einer ambulanten therapeutischen Massnahme aufzuschieben: Ein Gutachter hatte bei Martin eine leichte bis mittelgradige Pädophilie und eine grosse Rückfallgefahr festgestellt. Grundsätzlich, so Martin, sei er einer Massnahme gegenüber nicht abgeneigt «Aber ich habe Angst, dass so eine Therapie überhaupt nie ein Ende nimmt. Dabei möchte ich doch jetzt einen endgültigen Schlussstrich ziehen.»

Einzelrichter Cyrill Kramer erhob den Antrag des Anklägers zum Urteil. «Wenn Sie die Therapie abbrechen, droht der Vollzug der Freiheitsstrafe», gab er Martin mit auf den Weg. Zudem muss der Angeklagte die gesamten Kosten der Voruntersuchung – inklusive Gutachten – sowie des Gerichtsverfahrens in Höhe von rund 20 000 Franken selber berappen muss. Dies unabhängig davon, ob er die angeordnete Massnahme abbricht oder nicht.