Bezirksgericht Zurzach
Ohne Billett erwischt – Suva-Rentner muss tief in die Tasche greifen

Ein 34-Jähriger fuhr trotz Fahrausweisentzug weiter Auto in der Schweiz – und wurde prompt erwischt. Das muss er, der eh schon auf einem Schuldenberg sitzt, teuer bezahlen.

Rosmarie Mehlin
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Ohne Führerausweis fuhr der Angeklagte in die Schweiz - prompt wurde er erwischt. (Symbolbild)

Ohne Führerausweis fuhr der Angeklagte in die Schweiz - prompt wurde er erwischt. (Symbolbild)

Mehmet (Name geändert) ist 34-jährig, verheiratet, Vater einer kleinen Tochter sowie eines elfjährigen, ausserehelichen Kindes. Seit September 2010 lebt Mehmet von rund 3700 Franken Suva-Rente pro Monat. Damals hatte der Metallarbeiter einen schweren Arbeitsunfall mit gravierenden Kopfverletzungen erlitten.

Nachdem Mehmet im April 2011 mit massiv überhöhter Geschwindigkeit am Steuer seines Autos geblitzt wurde, war ihm der Fahrausweis für 12 Monate entzogen worden. Bereits im Dezember 2008 hatte er das «Billett» wegen zu schnellen Fahrens für 3 Monate abgeben müssen. Als er Anfang 2013 ein drittes Mal mit Bleifuss erwischt wurde, entzog ihm das Strassenverkehrsamt den Ausweis auf unbestimmte Zeit, mindestens aber für zwei Jahre.

Mit Frau und Kind lebt Mehmet inzwischen bei seiner Mutter ennet der Grenze. In Deutschland hatte er im September 2013 einen Führerschein erworben. Aber als er an einem frühen Morgen im März letzten Jahres beim Zollamt Koblenz am Steuer eines Autos erwischt wurde, hatte er sich hier in der Schweiz schuldig gemacht des «Führens eines Motorfahrzeugs trotz Entzug des Ausweises». Dafür beantragte der Staatsanwalt, angesichts von Mehmets Vorstrafen, eine unbedingte Geldstrafe von 7500 Franken.

Vor Einzelrichter Cyrill Kramer sagte Mehmet, er sei der Meinung gewesen, die Frist des Entzugs sei abgelaufen. Auch habe er das Auto nur zu seiner Schwägerin nach Döttingen überführen wollen. Es sei ein Notfall gewesen, die Frau habe dringend an ihren Arbeitsort in Luzern gemusst. «Von Döttingen her wäre ganz bestimmt meine Schwägerin weitergefahren.»

Mehmet hat zwar einen Anwalt, der aber nicht vor Gericht erschien: «Aus Kostengründen», erklärte der Beschuldigte, der hier in der Schweiz monatlich 800 Franken Alimente für die grössere Tochter zahlen muss und auf einem Berg von Schulden sitzt.

Angesichts der Vorstrafen konnte Richter Kramer tatsächlich keine Milde walten lassen. Mit 150 Tagessätzen (was fünf Monaten Freiheitsstrafe entspricht) folgte er dem Antrag des Staatsanwaltes, reduzierte den Betrag aber um 10 auf 40 Franken. So muss Mehmet nun 6000 Franken Strafe bezahlen. «Auf der Gerichtskasse können sie die Modalitäten regeln», gab Kramer dem sichtlich geknickten Sünder als kleinen Trost mit auf den Weg.