Unteres Aaretal
Oberstufen-Standorte: Noch herrscht Funkstille zwischen Gemeinderäten und Schulbehörden

Die Gemeinderäte aus dem unteren Aaretal und dem Kirchspiel haben vor einigen Wochen mitgeteilt, wie sie sich die Oberstufen-Organisation ab 2018/19 vorstellen. Schulpflegen und -leitungen sind von Politik aber noch nicht einmal eingebunden worden.

Andreas Fretz
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Die Schulanlage Rain in Kleindöttingen soll ab 2018 Bezirksschulstandort sein.Alex Spichale

Die Schulanlage Rain in Kleindöttingen soll ab 2018 Bezirksschulstandort sein.Alex Spichale

Alex Spichale

Das Thema hat in den vergangenen Wochen viel Staub aufgewirbelt. Am 11. Mai teilten die neun Gemeinden des unteren Aaretals und des Kirchspiels mit, dass sie sich im Bereich der Oberstufenschulen geeinigt haben:

Aus der Kreisschule OSUA, die Kreisbezirksschule Leuggern und den Sereal-Vertragsgemeinden soll ein einziger Schulverband werden.

Aufs Schuljahr 2018/19 sollen die Bezirksschulen in Leuggern und Klingnau schliessen und stattdessen Real- und Sekundarschüler aufnehmen.

Als neuen Bezirksschulstandort präsentierte Böttsteins Gemeindeammann Patrick Gosteli das Schulhaus Rain in Kleindöttingen.

Hintergrund der Aktion: Auf Drängen des Kantons wird es ab 2022/23 im Zurzibiet nicht wie bisher vier, sondern maximal drei Bezirksschulstandorte geben. Das neue Schulgesetz verlangt pro Standort mindestens sechs Klassen à mindestens 18 Schüler.

Treffen letzte Woche

Das Vorpreschen der Gemeinderäte sorgte vorab bei den Schulbehörden für Unmut. «Wir wurden von der Politik schlichtweg übergangen», sagte Thomas Angst, Kreisschulpflege-Präsident der OSUA.

Letzte Woche hat die Kreisschulpflege nun den gesamten Gemeinderat Klingnaus und den Vorstand der OSUA zu einem Gespräch eingeladen.

«Wir legten dar, weshalb wir nicht hinter der neuen Idee stehen können und werden und versuchten, die Konsequenzen aufzuzeigen», sagt Angst, «weiter wollten wir verstehen, wie der Gemeinderat auf diese Idee gekommen ist.» Die Stimmung während des Anlasses beschreibt Angst als sachlich.

Angst vermutet, dass sich die Gemeinderäte zu stark von finanziellen Überlegungen treiben liessen, gewissermassen den Auftrag des Kantons ausführen wollten. Auf der Strecke bleiben aus seiner Sicht pädagogische Überlegungen. Typenübergreifender Unterricht sei mit der vorgestellten Lösung nicht möglich. Und aus Sicht des Kreisschulpflege-Präsidenten droht auch ein Leistungs- und Stellenabbau.

Angst wollte am Treffen letzte Woche aber vor allem eines loswerden: «Aus meiner Sicht waren die Vorgehensweise und die Kommunikation sehr unglücklich. Alle Parteien hätten in die Planung mit einbezogen werden müssen. Ich habe das Gefühl, die Schulbehörden wurden bewusst umgangen.»

Funkstille seit dem 11. Mai

Patrick Gosteli hat angekündigt, dass die bestehende Arbeitsgruppe nun mit Einbezug der Schulpflegen und den Schulleitungen neue Satzungen, das Betriebskonzept und schulorganisatorische Themen besprechen werde. «Aber seit der Pressekonferenz vom 11. Mai herrscht Funkstille», sagt Angst, «die Schulbehörden wurden noch nicht ins Boot geholt.»

Für Angst ist der präsentierte Vorschlag keine Lösung für den Bezirk, sondern nur eine für das Tal. An einer Bezirkslösung hatte der Gemeindeverband ZurzibietRegio gearbeitet. Der zeigt sich ob des Alleingangs der neun Gemeinden nicht düpiert, sondern vorsichtig optimistisch. «ZurzibietRegio nimmt den Vorschlag des unteren Aaretals als subregionale Lösung der Oberstufenschule Zurzibiet zur Kenntnis», heisst es in einer Stellungnahme.

Und weiter: «Das Projekt ‹Zukunft Oberstufenschulen Zurzibiet› ist einen Schritt vorangekommen. Die gefundene Lösung ist ein Schritt in die richtige Richtung zur Schaffung von je einer Oberstufe in jeder Talschaft des Zurzibiets.» Die Aaretal-Kirchspiel-Vertreter werden an der nächsten ZurzibietRegio-Sitzung vom 21. Juni beantragen, die Arbeit der dort tätigen Projektgruppe zu sistieren.

Angst sieht für die Zukunft drei mögliche Szenarien. «Entweder die Schulen sagen, sie können hinter der präsentierten Lösung stehen. Oder die Gemeinderäte gestehen ein, dass sie vorschnell gehandelt haben.» Am wahrscheinlichsten sei aber, dass die Stimmbürger an den Gemeindeversammlungen im Jahr 2017 darüber entscheiden werden.

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