Leuggern
Oberstufe Aaretal: Pro- und Contra-Voten an der zweiten Infoveranstaltung

Auch an der zweiten Infoveranstaltung zur Oberstufe Aaretal (OSA) gab es kritische Stimmen. Aber nicht nur.

Philipp Zimmermann
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OSA-Infoveranstaltung vom 20.10.2017
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Patrick Gosteli, Ammann von Böttstein.
Rund 70 Personen kamen an die Infoverstaltung.

OSA-Infoveranstaltung vom 20.10.2017

Philipp Zimmermann

An der ersten Infoveranstaltung in Klingnau bekamen die Verantwortlichen des Projekts Oberstufe Aaretal (OSA) einige Kritik zu hören. Während Klingnau gemäss OSA-Vorstellungen die Bezirksschule verliert, hier 7 Klassen- und 2 Gruppenzimmer frei werden und die Gemeinde wegen sinkender Schülerzahlen mehrere hunderttausend Franken Schulgeld einzubüssen droht, soll in Kleindöttingen und in Leuggern in die Schulinfrastruktur investiert werden und dürfte die Zahl der Oberstufenschüler dank der geplanten «ausgewogenen Verteilung» steigen.

Korrigendum:Die Zahlen waren korrekt

In der gestrigen Ausgabe schrieb das Badener Tagblatt, dass die Verantwortlichen der Oberstufe Aaretal (OSA) an der ersten Infoveranstaltung falsche Schülerzahlen präsentiert und diese in der zweiten Info korrigiert hätten. Diese Darstellung war falsch. Die Schülerzahlen waren korrekt und entsprachen der kantonalen Schulstatistik. Die Zahlen brauchten auch nicht korrigiert zu werden. Die Redaktion entschuldigt sich für den Fehler. Unabhängig vom Fehler reicht die Schülerzahl nicht für zwei Bezirksschulstandorte im Aaretal. (AZ)

Letztes Schuljahr wurden gemäss kantonaler Schulstatistik in Klingnau 261, in Böttstein 128, in Leuggern 101 und in Leibstadt 60 Oberstufenschülerinnen und -schüler unterrichtet. Entsprechend durfte man gespannt sein, wie die Stimmung bei der zweiten von drei Infoveranstaltungen in Leuggern sein werde.

Mit rund 70 Personen fiel der Publikumsaufmarsch in Leuggern deutlich tiefer aus. Die Zuhörer sahen eine Präsentation, die eine auffällige Änderung beinhaltete: Die OSA-Verantwortlichen Patrick Gosteli (Ammann Böttstein), Stefan Widmer (Ammann Leuggern, Peter Schödler (Gemeinderat Döttingen) sowie Hansjörg Vogt (Präsident Kreisschulpflege Bez Leuggern) zeigten nämlich neue Schülerzahlen.

Oberstufe Aaretal (OSA)

Heute bilden Koblenz, Klingnau und Döttingen die Oberstufe Unteres Aaretal (OSUA) mit einem Oberstufenzentrum mit Bez, Sek und Real in Klingnau; Böttstein, Leuggern, Full-Reuenthal, Mandach, Leibstadt und Schwaderloch lassen ihre Kinder in Leuggern (Bez), Böttstein (Sek und Real) und Leibstadt (Sek) unterrichten.

Das Problem: Ab 2022/23 können die Bezirksschulen in Klingnau und Leuggern nicht weitergeführt werden. Die Gemeinderäte starteten deshalb im Mai 2016 das Projekt Oberstufe Aaretal (OSA) und weihten die Schulpflegen erst ein, als die wesentlichen Punkte gesetzt waren: Bezirksschule in Kleindöttingen, Sereal in Klingnau und Leuggern. Leibstadt muss den Sek-Standort sowieso schliessen und kann ihn derzeit nur dank Sonderbewilligung weiterführen.

Schulleitung und Schulpflege der Oberstufe Unteres Aaretal erarbeiteten ein Alternativprojekt. Dieses wird am Donnerstag, 26. Oktober 2017, vorgestellt. Die Gemeindeversammlungen von 8 Gemeinden stimmen im November über den neuen Gemeindeverband ab. Koblenz hat sich mittlerweile davon distanziert und lässt seine Stimmbürger wenn, dann nächstes Jahr abstimmen. (pz)

In Klingnau waren angesichts der regen Bautätigkeit in Klingnau, Döttingen und Kleindöttingen Zweifel an der Korrektheit von präsentierten Geburten- und prognostizierten Schülerzahlen geäussert worden. Diese stimmen allerdings mit jenen der kantonalen Schülerstatistik überein, wie die AZ nachgeprüft hat. Die OSA wies 548 Schüler für 2016/17 aus, laut Statistik sind es 550. Kleine Differenzen sind je nach Datum der Erhebung respektive wegen Bereinigungen leicht möglich.

Die OSA-Zahlen von der ersten Infoveranstaltung

Die OSA-Zahlen von der ersten Infoveranstaltung

ZVG

An der Infoveranstaltung in Leuggern wies Schödler für 2021/22 gemäss Hochrechnung 472, für 2024/25 deren 512 Oberstufenschüler für die Region aus. Auch die in Klingnau gezeigten Geburtenzahlen sind korrekt, wenn auch die letzten zwei Jahrgänge fehlten und wegen Zu- und Wegzügen eine Jahrgangsstatistik etwas aussagekräftiger wäre.

Die Zahl der Bezirksschüler auf Anfang Schuljahr 2022/23 wird nicht, um beide Standorte zu halten. Hintergrund ist das neue Schulgesetz. Gosteli sprach von 5000 Einwohnern zusätzlich, welche die Region für die entsprechenden Schülerzahlen bräuchte. Ein Fragezeichen bleibt bei der Berechnung der 615’000 Franken Kosteneinsparungen, welche die OSA im Vergleich zu heute bringen soll: Unklar blieb, wie diese genau möglich wird.

Der Grossteil der Zuhörer reagierte ob der vielen Zahlen und schulischen Fachbegriffe mit Schweigen. Nichtsdestotrotz kam es zu mehreren kritischen, aber auch befürwortenden Voten. In einer Antwort machte Gosteli klar, dass der Kanton unmissverständlich dargelegt habe, dass er bei zu tiefen Schülerzahlen bei den Bezirksschulen keine Sonderbewilligung über 2022 hinaus erteilen werde.

«Ich sehe die Vision nicht»

«Mit dem OSA-Projekt können wir 20 Jahre weiterbestehen», zeigte sich Gosteli bei der Präsentation überzeugt. Dies stellte Urs N. Kaufmann (Full), ehemaliger Sekretär des Aargauischen Lehrerinnern- und Lehrerverbands, in Frage. Er kritisierte, das Projekt sei kurzfristig ausgerichtet und pädagogisch nicht durchdacht. «Ich sehe die Vision nicht», sagte er.

Seine Begründung: Man wisse, dass die Oberstufe im Aargau eine ganz andere Ausrichtung nehmen wird. Die Reformen, die in der Schublade des Bildungsdepartements liegen, seien zwar ausgesetzt. Es sei aber nur eine Frage der Zeit, bis sie herausgeholt werden. «Die Bezirksschule ist ein Auslaufmodell. In 20 Jahren gibt es keine mehr», sagte er. Entsprechend empfehle der Kanton nicht von ungefähr Oberstufenzentren mit allen drei Typen. «So kann ein moderner pädagogischer Unterricht gewährleistet werden.» Ein weiteres Indiz für das nahende Ende der Bezirksschule sieht er in der Lehrerausbildung: «Bezirkslehrer werden nicht mehr ausgebildet.»

Zu Wort meldete sich auch CVP-Grossrat René Huber (Leuggern). Er warb dafür, das OSA-Projekt an der Gemeindeversammlung anzunehmen. «Man soll das als Zwischenlösung anschauen», ergänzte er. Auch Heike Jungclaus, Schulleiterin an der Bezirksschule Leuggern und im OSA-Projekt involviert, machte sich ein Ja stark. «Meiner Meinung nach drängt die Zeit sehr.» Sie befürchtet, dass die Bezirksschule von aktuell fünf auf vier Klassen schrumpfen könnte. Eine solche Entwicklung ist abträglich für die Attraktivität der Schule als Arbeitgeber für die Lehrpersonen, weil Pensen schwieriger zu realisieren sind. «Wir können nicht warten», warb auch Gosteli. Die OSA will im Schuljahr 2019/20 starten.

ZVG