Niederweningen
Hackerangriff auf Bucher-Guyer: In elf Ländern ist die Produktion des Maschinenbauers stillgestanden

Alle Computer sind heruntergefahren worden: Unbekannte Täter haben mit Schadsoftware die IT-Infrastruktur von Bucher Industries angegriffen, in der Regio noch immer Bucher-Guyer genannt. Betroffen ist die Division Bucher Municipal weltweit und die Bucher Specials in der Schweiz.

Stefanie Garcia Lainez
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Der Weltkonzern Bucher Industries AG hat auch nach 200 Jahren seinen Sitz in Niederweningen an der Zurzibieter Grenze.

Der Weltkonzern Bucher Industries AG hat auch nach 200 Jahren seinen Sitz in Niederweningen an der Zurzibieter Grenze.

Sandra Ardizzone

Weder Müllfahrzeuge noch Strassenputzmaschinen oder Schneepflüge hat die Bucher Industries produziert. Weder in Niederweningen noch in Australien, China oder Südkorea. In insgesamt elf Ländern hat der Konzern die IT-Infrastruktur der Division Bucher Municipal vergangene Woche heruntergefahren. Der Grund: Die Überwachungssysteme haben einen Angriff durch Schadsoftware identifiziert.

«Die Überwachungssysteme von Bucher Industries meldeten Aktivitäten, die auf die Vorbereitung eines Angriffs durch externe Angreifer hindeuten», schreibt Bucher Industries mit Sitz in Niederweningen auf ihrer Website. Um möglichen Schaden abzuwenden, habe das Unternehmen umgehend die erforderlichen Sicherheitsmassnahmen eingeleitet.

Bis jetzt rechnet Bucher-Guyer nicht mit finanziellem Schaden

Mit dem Herunterfahren der IT wurde auch die Produktion vorsorglich gestoppt. Davon betroffen seien die zehn Standorte von Bucher Municipal weltweit sowie die Standorte von Bucher Specials in der Schweiz.

Unterdessen laufe die Produktion so weit wie möglich wieder, sagt Silvia Oppliger, die Leiterin Konzernkommunikation, auf Anfrage. Dort, wo eine Anbindung an Netzwerke notwendig sei, gebe es Einschränkungen. Welchen Einfluss der Produktionsunterbruch auf die Arbeit der Mitarbeitenden hat, wollte sie nicht weiter kommentieren.

«Unter Beizug von externen Experten wird die IT-Infrastruktur aktuell einer vertieften Untersuchung unterzogen, damit diese möglichst zeitnah wieder hochgefahren werden kann», heisst es in der Mitteilung weiter.

Einen grösseren finanziellen Schaden erwartet der Konzern nicht: «Zurzeit geht Bucher Industries nicht von einem materiellen Einfluss auf das Geschäftsergebnis 2021 aus.» Zu einer etwaigen Geldforderung der Hacker sagt Mediensprecherin Silvia Oppliger: «Zu den unbekannten Angreifern hatten wir keinen Kontakt.»

Aus einer kleinen Schmiede wurde ein Weltkonzern

Vor über 200 Jahren eröffnete Heinrich Bucher eine Schmiede im Weiler Murzeln bei Niederweningen direkt an der Grenze zum Zurzibiet und dem Kanton Aargau. Er reparierte vor allem landwirtschaftliche Geräte, der Familienbetrieb wurde im Laufe der Jahre aber kontinuierlich ausgebaut. Im Jahr 1954 brachte Bucher den ersten Allradtraktor der Welt auf den Markt.

Die frühere Bucher-Guyer AG heisst unterdessen offiziell Bucher Industries AG, in der Region spricht man aber noch heute meist von Bucher-Guyer. Der weltweit tätige Technologiekonzern hat eine führende Marktstellungen in Spezialgebieten des Maschinen- und Fahrzeugbaus.

Die Gruppe hat fünf Divisionen. Die Aktivitätsgebiete umfassen spezialisierte Landmaschinen, Kommunalfahrzeuge, Hydraulikkomponenten, Produktionsanlagen für die Glasbehälterindustrie, für die Wein- und Fruchtsaftherstellung sowie Automatisierungstechnik.

Der Konzern beschäftigt weltweit mittlerweile 11'000 Arbeitnehmende und macht einen Umsatz von 2,7 Milliarden Franken pro Jahr.

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