Döttingen
«Nichtverkauf der Pfyfferwiese ist kein Unglück»

Der geplatzte Verkauf der Pfyfferwiese in Döttingen gibt weiter zu reden. Architekt und Raumplaner Bruno Thoma plädiert für den Erhalt der Parzelle als strategische Reserve der Gemeinde.

Angelo Zambelli
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Die Pfyfferwiese (Bildmitte) beim Döttinger Bahnhof gibt weiter zu reden. Andrea Ebneter

Die Pfyfferwiese (Bildmitte) beim Döttinger Bahnhof gibt weiter zu reden. Andrea Ebneter

Mitte letzter Woche hat die Vögele Heizung Sanitär AG (Gippingen) den Verzicht auf den Kauf der 5338 Quadratmeter grossen Pfyfferwiese bekannt gegeben (die Aargauer Zeitung berichtete). Firmeninhaber Michael Vögele begründet seinen Entscheid mit der Planungsunsicherheit, die durch das Referendum gegen den Entscheid der Gemeindeversammlung vom 23. November entstanden sei. Die Wiese zwischen dem Feuerwehrmagazin/Bauamt und der Hess & Co. AG hätte zu einem Quadratmeterpreis von 250 Franken verkauft werden sollen.

Gegenüber der Aargauer Zeitung stelle Vögele auch klar, dass seine Firma dringend mehr Platz benötige, mit der Planung eines Neubaus nicht zuwarten könne und deshalb Verhandlungen für den Landkauf k in einer anderen Gemeinde der Region aufgenommen habe.

In einer schriftlichen Stellungnahme legt der Döttinger Architekt Bruno Thoma Gründe zur Ablehnung dar, die über den zu tiefen Quadratmeterpreis hinausgehen: «Das Areal liegt an zentraler Lage im unteren Aaretal mit Bahnhof und Busstation. Es ist vom öffentlichen Verkehr optimal erschlossen und deshalb prädestiniert für Betriebe und für Nutzungen mit hoher Arbeitsplatzdichte. Auch für den motorisierten Verkehr könnte die Lage mit Anschluss an die Umfahrungsstrasse J5 über den Knoten Chochnerwies nicht besser sein.»

Es gelte, schreibt Thoma in seiner Stellungnahme weiter, für die zukünftige Entwicklung solcher über einen grösseren Zeitraum hinweg zu denken: «Betrachtet man die Entwicklung von Bahnhofgebieten zwischen Zürich und Baden, so zeigt sich, dass viele klassische Industrieareale Umnutzungen erfahren haben. Es entstanden dichte Bebauungen mit vielfältiger Nutzung. Diese Entwicklungstendenz wird auch die ländlichen Zentren erreichen – wenn auch in kleinerem Ausmass.»

Im Rahmen zukünftiger Veränderungen könne die Pfyfferwiese als strategische Landreserve betrachtet werden, schreibt Thoma. «Das heisst, sie kann in grössere Entwicklungskonzepte oder auch in einen Landabtausch einbezogen werden.» Denkbar ist für den einheimischen Architekten auch der Bau eines Hauses über der weiträumigen Parkierungsanlage auf der Bahnhofseite analog dem Langhaus beim Bahnhof Baden. Thoma: «Ein derartiges Projekt könnte auch als markanter Teil einer Zentrumsentwicklung betrachtet werden.»

Thoma weist darauf hin, dass die Pfyfferwiese der Arbeitszone A1 zugeteilt ist, «was eine Vielfalt von Nutzungen und grosszügigen Bebauungen zulässt. Auf der Grundlage eines Gestaltungsplanes könnte auch eine Wohnüberbauung realisiert werden», schreibt Thoma. Es könne also kein Vergleich mit Gewerbeland im Döttinger Vorhard, im Klingnauer Zelgli oder sonstwo am Rande einer Ortschaft gezogen werden. In Anbetracht der Zentrumslage der Pfyfferwiese sei der ausgehandelte Verkaufspreis von 250 Franken pro Quadratmeter alles andere als «marktgerecht», wie Gemeindeammann Peter Hirt den Preis wiederholt bezeichnet habe. Festzuhalten sei auch, dass ein Baugewerbebetrieb wie die Vögele AG nicht auf eine Zentrumslage angewiesen sei.

Bruno Thoma plädiert dafür, das Untere Aaretal als ganzheitlichen Wirtschaftsraum zu betrachten. Ein Standortwettbewerb unter Nachbargemeinden mache nicht viel Sinn. «Wichtig ist, wie viel Arbeits- und Ausbildungsplätze insgesamt angeboten werden können. Das Gärtlidenken sollte endlich überwunden werden. Die Welt hört ja nicht an der Gemeindegrenze auf.»

Als massgebend für die Entwicklung des unteren Aaretals bezeichnet Thoma das Wachstum und die Entwicklung der Weltwirtschaft sowie die Behauptung der Schweiz im europäischen Umfeld. «In einer Zeit, in der Anleger Sachwerte wie Bauland suchen, ist es aber auch kein Unglück, dass der Verkauf des Areals zu einem viel zu niedrigen Preis nicht zustande kommt. Lassen wir mal das Filetstück Pfyfferwiese als strategische Landreserve etwas ruhen.»

Gemeindeammann Peter Hirt wollte die Ausführungen von Architekt Bruno Thoma zur Pfyfferwiese nicht kommentieren. Aus seiner Sicht bedürfe es keiner ausführlichen Stellungnahme, da der Gemeinderat das Geschäft nach dem Rückzug des Kaufinteressenten nicht weiter verfolge. Hirt: «Ich kann nur erwähnen, dass der Landverkauf eine gute, faire und zukunftsorientierte Lösung sowie eine Chance für Döttingen gewesen wäre.»

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