Kaiserstuhl
Nicht mehr finanzierbar: Pflegewohngruppe muss ihren Betrieb einstellen

Das Haus, das neun Bewohnern Platz bietet, kann nicht mehr finanziert werden.

Daniel Weissenbrunner
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Keine frohen Weihnachten für die Bewohner der Pflegewohngruppe: Voraussichtlich wird der Betrieb 2018 eingestellt.

Keine frohen Weihnachten für die Bewohner der Pflegewohngruppe: Voraussichtlich wird der Betrieb 2018 eingestellt.

Daniel Weissenbrunner

Die Fassade ist festlich geschmückt. Äusserlich scheint alles bereit. Kerzen, Kugeln, Girlanden kündigen stimmungsvoll das nahende Weihnachtsfest an. Anders präsentiert die Gemütslage im Innern des Hauses am Kirchplatz 41 in Kaiserstuhl: Den Bewohnern ist nicht nach Feiern zu Mute. Vor wenigen Tagen erhielten sie schlechte Neuigkeiten. Der zuständige Gemeindeverband des Regionalen Altersnetzwerk Surbtal-Studenland (RAS) teilte ihnen mit, dass die Pflegewohngruppe im Rheinstädtchen aufgegeben werden müsse. Als Grund nennt die Organisation die stark gestiegenen Anforderungen im Pflegegesetz. Die Vorgaben des Kantons an die Infrastruktur liessen einen kostendeckenden Betrieb nicht mehr zu, heisst es in einer Mitteilung. Aktuell werden neun Bewohnerinnen und Bewohner gepflegt und betreut.

Eine Weiterführung würde grosse Investitionen erfordern, ohne dass die Anzahl der Pflegeplätze entsprechend erhöht werden können, sagt RAS-Präsidentin Susanne Holthuizen. In den Zimmern sind keine WCs und Duschen vorhanden. Sanitäre Anlagen gibt es nur auf den Etagen. Auch die Grösse der Wohneinheiten erfüllen die notwendigen Standards nicht. Gemäss den Verantwortlichen soll der Betrieb Ende 2018 eingestellt werden.

Sozial verträgliche Lösung

Bis zur Auflösung werden Nachfolgeregelungen für das Personal und die Bewohnenden erarbeitet, betont Holthuizen. Hierzu wurde eigens eine Projektgruppe ins Leben gerufen. Zudem sollen das Personal und die Bewohner in den Prozess eingebunden werden. «Es ist uns wichtig, dass wir eine sozial verträgliche Lösung finden», sagt Holthuizen. Im Haus gegenüber der Kirche arbeiten derzeit 13 Teil- und Vollzeitangestellte sowie eine Lernende.

Falls es dennoch zu Abgängen kommen sollte, werde man sich dafür einsetzen, die frei gewordene Plätze wieder zu belegen, um den Betrieb sicher zu stellen. «Es werden nach wie vor neue Bewohnende in die Pflegwohngruppe aufgenommen», sagt Susanne Holthuizen.
Das RAS unterhält zwei Standorte. In Kaiserstuhl die Pflegewohngruppe und in Ehrendingen das Alterszentrum Breitwies. Das denkmalgeschützte Gebäude in Kaiserstuhl wurde 2003 nach einem Umbau neu eröffnet. 2009 mussten sich sämtliche Pflegeinstitutionen im Kanton einem neuen Verfahren unterziehen und so erhielt das Haus nur noch eine provisorische Betriebsbewilligung. Ende 2017 läuft diese nun aus. Wie das Gebäude später genutzt werden soll, ist noch offen. Besitzerin der Liegenschaft ist die Stadt Kaiserstuhl.

Keine Unterversorgung

Trotz der Schliessung ist eine Unterversorgung an Pflegeplätzen im Bezirk Zurzach nicht zu befürchten. Derzeit existiert sogar ein Überangebot. Aus diesem Grund hat der Planungsverband Zurzibiet Regio bis auf weiteres einen Pflegebettenstopp verordnet.