Zurzibiet/Küssaberg
Neun Stunden Kultur à discrétion – und die Qual der Wahl

Die grenzüberschreitende Kulturnacht am nächsten Samstag bietet ein Mammutprogramm. Der Shuttlebus und die allermeisten der 100 Angebote sind gratis.

Nadja Rohner
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Auch die Barzmühle in Bad Zurzach steht an der Kulturnacht zur Besichtigung offen.

Auch die Barzmühle in Bad Zurzach steht an der Kulturnacht zur Besichtigung offen.

ZVG/Bad Zurzach Tourismus

Das Zusammenleben von Schweizern und Deutschen klappt zwar nicht immer reibungslos. Wenn es jedoch darum geht, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, ziehen in unserer Region alle an einem Strick – aktuelles Beispiel: die Kulturnacht Zurzibiet/Küssaberg. Bereits zum sechsten Mal findet am Samstag der Anlass statt, bei dem rund 100 Künstler und Museen beiderseits des Rheins Einblick in ihr Schaffen gewähren.

«Als Randregion haben wir nur eine 180-Grad-Ausstrahlung in die Schweiz», sagt OK-Mitglied Urs Ammann. «Mit der grenzüberschreitenden Kulturnacht versuchen wir, diese auf 360 Grad zu erweitern.» Für ein paar Stunden werden (Landes-)Grenzen überwunden – metaphorisch, aber auch physisch. Besonders stilvoll lässt sich dies an der Barzstrasse in Bad Zurzach tun, wo der Pontonierfahrverein bis Mitternacht seine Rheinfähre übersetzen lässt. Wer lieber an Land bleibt, nimmt den Shuttlebus: Dieser fährt im Stundentakt die über 30 Kulturstätten an.

Aber Vorsicht: Um die Kulturnacht wirklich geniessen zu können, ist ein bisschen Vorbereitung nötig. «Alle Orte besuchen geht nicht!», wird im Flyer gewarnt. Zu Recht. Urs Ammann betont: «Weniger ist mehr. Wer sich zu viele Ausstellungen vornimmt, verzettelt sich und wird erschlagen von all den Eindrücken.» Ziel der Kulturnacht sei es, dass man sich die Zeit nehme, mit den Ausstellern und anderen Besuchern ins Gespräch komme. Auf der deutschen Seite ist es einfacher, an einem Ort zu verweilen, weil sich an den wenigen Standorten viele Angebote befinden – beim Rheinheimer Gemeindezentrum zum Beispiel. «Wir hätten es begrüsst, wenn auch die Schweizer etwas weniger föderalistisch wären», sagt Ammann. «Aber verständlicherweise wollen viele ihr Kunsthandwerk vor Ort in ihren Ateliers zeigen.»

Auch Kinder sind an der Kulturnacht willkommen. Diese hätten sowieso ihren ganz eigenen Zugang zu Kunst und seien bereichernde Begleiter, so Ammann. «Als Familie sucht man sich am besten gemeinsam die Kulturstätten aus, die man besuchen möchte.» Vorschläge gefällig? Besuchen Sie mit Kindern die Karateschule Hochrhein in Rheinheim, die Küssaberger Burghexen, Geschichtenerzähler Jürg Steigmeier in Bad Zurzach oder den Glasbläser in Kleindöttingen. Die Kinder bleiben zu Hause? Dann auf nach Bad Zurzach zu «Bier und andere Geschichten» in der Brauerei Kündig oder in den Gewölbekeller von Mathias Bechtel zur Wein- und Likördegustation. Wie gut, dass es an den meisten Stationen auch etwas Festes in den Magen gibt – zum «Bödele».

Musikliebhaber – und zwar Anhänger jeder Stilrichtung, von Klassik in Bad Zurzach bis Blasmusik in Döttingen – kommen ebenso auf ihre Kosten wie Anhänger der bildenden Kunst: Acrylmalereien, Kunsthandwerk und Keramiken werden an vielen Orten beidseits des Rheins gezeigt und teilweise sogar live erarbeitet.

Oder mögen Sie lieber Geschichte und Wissenschaft? Da bieten sich das Dampflokdepot und das Militärmuseum in Full Reuenthal an, das Axporama Böttstein oder das Kraftwerk Reckingen.

Der Shuttlebus und die allermeisten Konzerte, Lesungen und Ausstellungen sind für die Besucher kostenlos. Sponsoren helfen mit, die Kulturnacht zu finanzieren. «Allerdings», so Urs Ammann, «merken wir auch, dass die Sponsoringbereitschaft abnimmt. Deshalb bitten wir dieses Jahr die Besucher um einen freiwilligen Unkostenbeitrag.» Die Kässeli dafür fahren in jedem Bus mit.

Kulturnacht Zurzibiet/Küssaberg am Samstag, 9. Mai, 16 bis 1 Uhr. Programmheft erhältlich bei Bad Zurzach Tourismus oder www.kultur-nacht.ch.