Naturoase
Neues Naturzentrum am Klingnauer Stausee geplant – das erste dieser Art im Aargau

Am Ufer des Klingnauer Stausees soll für 1,9 Millionen ein ganzjährig betriebenes Naturzentrum entstehen. Derzeit läuft die Suche nach Geldern von Sponsoren und Stiftungen. Die Eröffnung ist für 2018 vorgesehen.

Manuel Bühlmann
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Kathrin Hochuli, Geschäftsführerin Birdlife Aargau, Werner Müller, Geschäftsführer Birdlife Schweiz, und Simon Egger, Leiter Sektion Natur und Landschaft beim Kanton Aargau, (v.l.) auf dem Aussichtsturm beim Klingnauer Stausee.

Kathrin Hochuli, Geschäftsführerin Birdlife Aargau, Werner Müller, Geschäftsführer Birdlife Schweiz, und Simon Egger, Leiter Sektion Natur und Landschaft beim Kanton Aargau, (v.l.) auf dem Aussichtsturm beim Klingnauer Stausee.

Mario Heller

«Ziii, ziii, ziii», der Eisvogel ruft, ganz in der Nähe. Doch zu sehen ist vom seltenen, blau gefiederten Vogel nichts. Auf dem Aussichtsturm am Klingnauer Stausee stehen Kathrin Hochuli, Geschäftsführerin Birdlife Aargau, Werner Müller, Geschäftsführer Birdlife Schweiz, sowie Simon Egger, Leiter Sektion Natur und Landschaft beim Kanton, und erklären, was wenige Meter vom Ufer entfernt geplant ist: ein ganzjährig betriebenes Naturzentrum – das erste dieser Art im Kanton Aargau.

Das Ziel: Die Besucher informieren und sensibilisieren. Oder wie Simon Egger sagt: «Die Leute sollen erfahren, warum das Schutzgebiet wichtig ist. Unsere Hoffnung ist, dass sie sich danach auch in anderen Naturschutzzonen richtig verhalten.» Das heisst etwa, Wasservögel nicht füttern – denn was gut gemeint ist, schadet den Tieren mehr, als es nutzt. Überpopulationen und Krankheiten können die Folge sein.

Geplant ist eine Ausstellung, die sich mit Stausee, Vögeln, Auen und Wasserkraft beschäftigt. Die genauen Inhalte sind noch offen, fest steht hingegen der Standort: ein Haus gleich neben dem Fussweg, der rund um den See führt. «Ein idealer Ort», sagt Kathrin Hochuli. Das potenzielle Publikum läuft, joggt und fährt direkt daran vorbei. Der Stausee ist nicht nur bei Tieren, sondern auch bei Spaziergängern und Sportlern beliebt; über 100 000 Menschen besuchen das Natur- und Vogelschutzgebiet von internationaler Bedeutung Jahr für Jahr.

Die Verantwortlichen rechnen mit 20 000 Besuchern jährlich, darunter auch Schulklassen. «Wir hoffen, dass viele Spaziergänger reinschauen werden», sagt Werner Müller. An schönen Tagen seien Tausende Personen rund um den See unterwegs; sie sind die Hauptzielgruppe. «Keine riesige Informationsflut, sondern ein Angebot zugeschnitten auf ein kurz verweilendes Publikum», soll geboten werden, steht im Projektbeschrieb. Der Eintritt ist bewusst kostenlos, damit die Hürde für einen spontanen Besuch tief gehalten werden kann.

Anders als etwa in den USA, wo Informationszentren in Nationalparks schon lange dazu gehörten, seien diese in der Schweiz noch relativ selten, erklärt Müller. «Rund um den Stausee ist das Informationsangebot bis jetzt sehr beschränkt.» Dabei bestehe durchaus ein Interesse an der Natur. «Das stellen wir immer wieder fest», sagt Kathrin Hochuli.

Birdlife Aargau erfülle sich mit dem Naturzentrum einen lang gehegten Wunsch. Die Liegenschaft ist gekauft, erste Skizzen für den geplanten Anbau liegen vor. 1,9 Millionen Franken sind für das Projekt budgetiert, maximal die Hälfte zahlt der Kanton aus dem Swisslosfonds. Der Bund und einige Gemeinden beteiligten sich ebenfalls an den Kosten. Zurzeit läuft die Suche nach weiteren Geldgebern. Stiftungen und Sponsoren werden angefragt, aber auch die Basis des mit 15 000 Mitgliedern grössten Naturschutzverbands des Kantons.

Ziel: Eröffnung im Herbst 2018

Der Zeitplan steht. Bis Ende Jahr sollen die finanziellen Mittel gefunden und die Bewilligungen eingeholt sein. Für 2017 sind Umbau des Gebäudes sowie die Planung der Ausstellung vorgesehen; in der ersten Hälfte des folgenden Jahres steht die Umsetzung der Ausstellung an. «Unser Ziel ist, das Naturzentrum im Herbst 2018 eröffnen zu können», sagt Kathrin Hochuli.

Neben der Birdlife-Geschäftsführerin auf dem Geländer des Aussichtsturms sind Bilder und Steckbriefe jener Vogelarten aufgeführt, die auf und um den Klingnauer Stausee anzutreffen sind. Teichhuhn, Schnatterente, Silberreiher – über 300 der 400 in der Schweiz beheimateten Vogelarten sind in diesem Gebiet bereits gesichtet worden. Draussen im seichten Wasser steht ein grosser Brachvogel, pickt mit dem langen Schnabel Nahrung aus dem Boden. «Hier halten sich das ganze Jahr interessante Vögel auf, um zu überwintern, zu brüten oder zu rasten auf der Durchreise», sagt Hochuli. «In jeder Saison gibt es etwas zu sehen.» Auch deshalb soll das Zentrum ganzjährig geöffnet sein.

«Ziii, ziii, ziii», wieder ruft der Eisvogel, der sich aber noch immer nicht blicken lässt. Das sei selten, sagen die Ornithologen, der Vogel, der tief über dem Wasser fliegt, zeige sich sonst beinahe bei jedem Besuch am Klingnauer Stausee. Wer den Eisvogel sieht, muss diesen aber erst einmal als seltenen Vogel erkennen. Das sei ein weiteres Ziel, sagt Simon Egger: «Das Zentrum soll den Leuten die Augen öffnen, damit sie realisieren, wie viele spannende Vögel sich bei uns aufhalten.»

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